Wehr

Das ist kein Blitzer für Raser – sondern eine Maut-Kontrolle für Lkw

Erika Bader

Von Erika Bader

Mi, 13. Juni 2018 um 15:22 Uhr

Wehr

Sie sehen aus wie Blitzer und machen auch Bilder – und zwar von jedem: die Kontrollsäulen für die Lkw-Maut. Auf der B 34 zwischen Wehr und Lachengraben steht jetzt eine dieser Säulen.

Zwischen Wehr und dem Lachengraben steht seit Neustem eine Säule, die den einen oder anderen Autofahrer irritieren könnte – es handelt sich bei der vier Meter hohen blauen Säule nicht um einen Blitzer, sondern um eine Kontrollsäule für die Lkw-Maut. Das Gerät registriert allerdings nicht nur Lastwagen, sondern auch jeden Autofahrer – von jedem Gefährt, das die B 34 passiert wird ein Foto gemacht. Man sieht keinen Blitz, denn das Bild wird mit Infrarot aufgenommen.

Bilder sollen wieder gelöscht werden

Wer jetzt befürchtet, dass seine Bilder in der Zentrale der Toll Collect GmbH in Berlin gesammelt werden, braucht laut des Unternehmens, das vom deutschen Verkehrsministerium beauftragt wurde, keine Sorge haben: "Es geht uns um Datensparsamkeit und Datenvermeidung, darum werden die gemachten Bilder in Sekundenbruchteilen wieder gelöscht", erklärt Claudia Steen, Pressesprecherin der Toll Collect GmbH. Passiert ein Fahrzeug eine Kontrollsäule, werden ein Übersichts-, ein Seitenansichts- und ein Kennzeichenbild erstellt.

Laut ihrer Aussage bleiben nur diejenigen Bilder in der Datenbank gespeichert, bei denen die Kontrollsäule festgestellt hat, dass keine Maut gezahlt wurde. "Etwa zehn Prozent des Lastwagenverkehrs werden überhaupt erfasst und bei diesen zehn Prozent liegt die Nichtzahlerquote bei unter einem Prozent", erklärt Steen.

Werden Lkw-Fahrer dabei ertappt, dass sie keine Maut bezahlt haben, wird ein Anhörungsbogen an das betreffende Unternehmen geschickt, die Maut muss nachgezahlt werden – zudem gibt es ein Bußgeld vom Bundesamt für Güterverkehr. Weitere Maut-Kontrollsäulen befinden sich derzeit bei Maulburg zwischen der Waldstraße und Am Schlierbach sowie bei Bonndorf zwischen Schaffhauserstraße und Schweizerstraße/Meisenweg.

Polizei sieht in den Säulen keine Gefährdung

Eine Gefährdung für den Straßenverkehr sieht die Polizei durch die Säulen nicht. Dass Autofahrer von ihnen irritiert sind, sie für Blitzer halten und abrupt bremsen, sodass der Hintermann ihnen auffährt, das kann Polizeisprecher Mathias Albicker nicht bestätigen: "Mir ist eine Häufung von Auffahrunfällen im Zusammenhang mit den Maut-Säulen nicht bekannt."

Die vier Meter hohen blauen Kontrollsäulen sind Teil der technischen Vorbereitung des Mautsystems auf die Ausweitung der Lkw-Maut auf alle Bundesstraßen zum 1. Juli 2018. Damit werden dann 40 000 Kilometer Bundesstraßen mautpflichtig sein. So vergrößert sich das mautpflichtige Streckennetz in Deutschland auf rund 52 000 Kilometer. Rund 600 Kontrollsäulen werden auf den Bundesstraßen überprüfen, ob vorbeifahrende Fahrzeuge mautpflichtig sind und die Gebühr ordnungsgemäß entrichten. Die Säulen unterstützen damit die mobilen Kontrollen des Bundesamtes für Güterverkehr.

Neben der Möglichkeit sich ein Maut-Ticket zu lösen – per App oder an einem Maut-Terminal, können Lkw-Fahrer auch ein elektronisches Kästchen im Fahrzeug einbauen. Diese sogenannte On-Board Unit wird von den Kontrollsäulen erkannt und abgerufen – ganz automatisch. Wenn die Säule bei einem Lkw keine On-Board Unit ausfindig machen kann, überprüft sie, ob ein Eintrag im Rechenzentrum in Berlin vorliegt.

Dabei wird das Kennzeichen kontrolliert, das auf dem gemachten Infrarot-Bild erkennbar ist und ob für dieses beispielsweise schon ein Ticket per App gelöst wurde.