Das Lob auf die perfekte Welt

Christine Adam

Von Christine Adam

Di, 12. Dezember 2017

Klassik

Der Freiburger Domchor mit Joseph Haydns "Schöpfung".

Staunen vor dem Geheimnis der Schöpfermacht Gottes – da wird der Fortissimo-Jubel nachgereicht. Stammelnd, fast flüsternd setzen der Freiburger Domchor und die Domkapelle im dritten Teil von Joseph Haydns "Schöpfung" ein. Das Paradies ist komplett. Jetzt geht es um Lob und Dank, um die reine Harmonie, wie es in Gottfried van Swietens Libretto dieses Oratoriums heißt. Die Mitglieder des SWR-Symphonieorchesters bieten beim Münsterkonzert den entsprechenden instrumentalen Glanz auf. Eine perfekte Welt – der Gegenentwurf zum Chaos, das vor dem göttlichen Eingreifen herrschte.

Auch dort, bei der Schilderung der Ödnis zu Beginn, galt: In der Ruhe liegt die Kraft. Domkapellmeister Boris Böhmann hatte sich für eine wohltemperierte Auslegung entschieden, die nicht auf Sensationen setzte, der C-Dur-Überraschung bei "Und es ward Licht" keine Scheinwerfer hinzufügte, nichts herausdonnerte. Haydns "Schöpfung", werkgerecht dargeboten, die Kontraste auskostend. Dominierten anfangs noch die Streicher bei dem in der Vierung des Münsters platzierten Orchester, so war die Klangbalance mit den warme Farben beisteuernden Bläsern bald austariert. Durch Böhmanns konzise Zeichengebung blieb der Bogen stets gespannt. Leicht, beinah weich pries die auf den Altarstufen positionierte Chorhundertschaft die neue Welt.

Auch wenn der Hall des Raumes bei den emphatischen Chorbeiträgen die Textverständlichkeit einschränkte, blieben die Fugen durchhörbar. Idealer Berichterstatter des Schöpfungsaktes war der Bayreuth-erprobte Georg Zeppenfeld als Erzengel Raphael, ein beweglich die schäumenden Wellen, klug die Tierwelt nachzeichnender, mit gravitätischer Tiefe ausgestatteter Bass. Christian Elsner, einst Sänger im Freiburger Domchor und nun Gesangsprofessor: ein heldischer Tenor als Uriel, der den sanften Schimmer des Mondes so lyrisch besingt, als habe Haydn ein Schubert-Lied antizipiert. Zwar war die Sopranistin Maraile Lichdi glücklos gestartet und zeigte auch später Höhenschärfen, doch gestaltete sie schön mit dem Orchester (Querflöte!) das Taubenpaar, war sie eine innige Eva. Die ihrem Gatten mit Freude gehorcht – oder pochte da der Hammerflügel (Martin Müller) doch etwa mahnend? Die "Schöpfung": eine Utopie. Die Wiener feierten bei der Uraufführung 1798 diese Gegenwelt, und den Freiburgern von 2017 tut sie ebenfalls gut.