Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. Februar 2012

Das Phänomen Mundenhof

Zum ersten Mal in seiner Geschichte knackt das städtische Tiergehege die magische Marke: 2011 kamen 300 000 Besucher.

  1. Berno Menzinger und Susanne Eckert Foto: Michael Bamberger

  2. Mundenhof-Neulinge: die beiden Kaschmirzicklein, die am Sonntag geboren wurden. Foto: Michael Bamberger

Es war ein volles, tolles, rekordverdächtiges Jahr 2011 für den Mundenhof – und es kamen so viele Besucher wie noch nie: Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat das städtische Tiergehege die magische Marke von 300 000 geknackt. Der Zuspruch ist inzwischen so groß, dass die Mundenhof-Mitarbeiter in Hochzeiten ans Limit kommen – und überlegen, wie sie das Zuschauerinteresse auf die weniger warmen Monate im Jahr lenken könnten.

Derzeit ist nicht besonders viel los auf dem Mundenhof: Es ist zu kalt. Das ist den Yaks und Bisons recht. "Endlich schwitzen die mal nicht", sagt Mundenhof-Leiterin Susanne Eckert. Die Affen dagegen sind beleidigt. Neulich, als eine Tierpflegerin das Affengehege ausspritzte und die Tiere nach draußen mussten, hockten sie alle dicht aneinandergeschmiegt auf einer Bank – ausgerechnet die Affen, die sonst immer miteinander zanken. Die Straußentränken verwandeln sich in Eisflächen, die Tierpfleger haben eine Riesenarbeit, den gefrorenen Tierkot von den Wiesen zu kriegen und die Lämmer, die nass auf die Welt kommen, müssen sofort in den Stall, sonst besteht Lebensgefahr. Aber sonst ist es ruhig – ganz im Gegensatz zu vergangenem Sommer, als etwa zum Kürbisfest 10 000 Menschen kamen.

Werbung


"Wir müssen eine andere Auslastung hinkriegen", meint Berno Menzinger. Er ist Nachfolger von Brigitte Grether und der Neue im Führungsduo des Tiergeheges. Menzinger war Förster in St. Georgen ("Ich komme aus dem Wald") und kennt den Mundenhof seit seiner Kindheit. Zusammen mit Kollegin Eckert träumt er davon, die großen Scheunen herzurichten, aber "das kostet halt Millionen", seufzt Bürgermeisterin Gerda Stuchlik, die neuen, überdachten Veranstaltungsorten auf dem Gelände durchaus etwas abgewinnen könnte.

Auch für sie ist der Mundenhof ein Phänomen: "Eh’ schon eine Attraktion und schafft es, das noch zu steigern." Kamen 2006 noch 200 000 Besucher, waren es vergangenes Jahr 300 000. Genauso stiegen die Parkgebühren von 235 000 Euro (2006) auf 353 000 Euro (2011). Und auch bei den Tierpatenschaften gab es einen kontinuierlichen Anstieg von 81 im Jahr 2007 auf 120 im vergangenen Jahr.

Für dieses Jahr stehen zwei große Projekte an. Im Juli wird das "Erfahrungsfeld der Sinne" auf dem alten Mistplatz im Zentrum des Areals eröffnet, mit Kletterseilen, Barfußpfad, Duftgarten. Die Investition von 100 000 Euro übernimmt der Umweltversandhandel "Waschbär", der dieses Jahr sein 25-Jähriges feiert und deshalb Freiburg ein Geschenk macht. Derzeit entwickeln zwei Künstler die einzelnen Stationen.

Im Herbst soll auch das Vogelhaus mit seinem begehbaren Außengehege fertig werden; das Gehege der Uhus wird erweitert. Möglich wird dies durch eine Erbschaft: die im Jahr 2010 verstorbene Claire Keidel, Ehefrau des ehemaligen Oberbürgermeisters Eugen Keidel, hatte dem Mundenhof 100 000 Euro vermacht. "Ihr haben wir den Mundenhof letztendlich zu verdanken", sagt Gerda Stuchlik, denn Claire Keidel gab ein Gastgeschenk für ihren Mann – einen Esel – zum Mundenhof. Daraus entstand im Lauf der Jahre das Tiergehege mit seinen 145 Hektar Fläche. Nun soll im Juni auch das Spielmobil dorthin umziehen, das aus der ehemaligen Klosteranlage in der Kartaus im Stadtteil Waldsee ausziehen muss – mit seiner Wasserbaustelle passt es bestens zum Angebot des Mundenhofs. Und: Dieses Jahr soll eine kleine Prärielandschaft auf dem Areal entstehen. "Prärien sind der Renner auf Gartenschauen", sagt Susanne Eckert, "aber nur der Mundenhof kann eine Prärie mit echten Bisons bieten."

Autor: Simone Lutz