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09. Juni 2009 07:14 Uhr
Der Abend nach der Auszählung
Das Schönste an der Wahl: die Party danach
Sie haben um jede Stimme, jeden Wähler gekämpft: Nach der Kommunalwahl feierten die meisten Parteien in Freiburg die errungenen Sitze. Doch nicht alle waren ausgelassen.
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So seh’n Sieger aus: das neue FDP-Stadtratsquartett Sascha Fiek, Patrick Evers, Nikolaus von Gayling-Westphal und Herta König. Foto: Rita Eggstein
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Auch die Linke Liste hat nun vier Stadträte: Lothar Schuchmann, Michael Moos, Ulrike Schubert und Hendrijk Guzzoni auf dem Rathausplatz. Foto: Rita Eggstein
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Wiedergewählt: Atai Keller von der Kulturliste (links). Foto: Rita Eggstein
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Die SPD hat zugelegt, hatte aber auf mehr Sitze gehofft. Foto: Rita Eggstein
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Staatsminister Gernot Erler spricht zu den Freiburger Genossen in der „Burse“. Foto: Rita Eggstein
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Sympathieträgerin: Irene Vogel vertritt wieder die Unabhängigen Frauen im Gemeinderat. Foto: Rita Eggstein
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Die Unabhängigen Frauen feierten open air auf dem Rathausplatz. Foto: Rita Eggstein
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Viel zu diskutieren gab es auch bei der CDU in der Alten Wache. Foto: Thomas Kunz
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„Ich bin drin!“ Sylvie Nantcha (CDU) gibt die gute Nachricht weiter. Foto: Thomas Kunz
FDP
Knallende Sektkorken gibt’s bei den Siegern des Tages keine: Gut gelaunt sitzen rund 20 Freiburger Liberale am Abend im Gasthaus Löwen an der Herrenstraße. Sie trinken Bier und essen Schweinefilet mit Spätzle. "Unsere Siegesfeier steigt erst am Samstag, wenn auch die Ortschaftsräte feststehen", erklärt Patrick Evers. Der strahlende FDP-Fraktionsvorsitzende wird flankiert von den beiden Neuen, Nikolaus von Gayling-Westphal und Sascha Fiek, daneben prostet Herta König. "Ich bin immer noch perplex", bekennt Fiek, der den Sprung in den Gemeinderat im dritten Anlauf geschafft hat. Zuerst habe er sich bei seinen Eltern für ihre Unterstützung bedankt. Selbstbewusst gibt sich von Gayling, der Schlossherr von Ebnet: "Ganz ehrlich, ich habe damit gerechnet." Dann wird ein Toast ausgerufen auf die neue, doppelt so große Fraktion.
CDU
Auf dem Münsterplatz rennen drei strahlende Kinder in die Arme ihrer Mutter. Sylvie Nantcha küsst ihren Mann und sieht einfach nur glücklich aus: "Ich bin sprachlos", sagt die 34-jährige Germanistin, die aus Kamerun stammt. Seit knapp zwei Stunden steht fest, dass sie als erste Stadträtin mit schwarzer Hautfarbe der CDU-Fraktion im neuen Gemeinderat angehören wird. Das ist einer der wenigen Gründe, weshalb sich das Feiern für die Christdemokraten an diesem Abend lohnt. Drin in der Alten Wache gesellen sich Parteimitglieder um weiß gedeckte Stehtische, trinken Weißburgunder und versuchen, gute Miene zu bösem Spiel zu machen: Drei Sitze weniger, dieses Ergebnis will selbst CDU-Kreisvorsitzender Klaus Schüle nicht schönreden. Trotzdem demonstriert er Optimismus, "wir lassen uns nicht unterkriegen". Und er lobt Daniel Sander, der zwar vom zweiten Listenplatz auf den neunten zurück gefallen ist, aber damit im zweiten Anlauf den Sprung in den Gemeinderat geschafft hat – und im Herbst für die Bundestagswahl kandidiert. "Ich persönlich freue mich sehr, aber unser Gesamtergebnis ist natürlich bitter", sagt Sander.
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SPD
Tränen fließen kurzzeitig bei der SPD, die sich im Restaurant in der Burse am Rathausplatz trifft. Dort bedankt sich gerade Fraktionschefin Renate Buchen bei Anna-Christin Ludwig, die nicht wiedergewählt wurde. "Ich bin sehr enttäuscht", gibt diese zu und nimmt gerührt den anhaltenden Applaus der Genossen entgegen. Zuvor hat der Freiburger Staatsminister Gernot Erler sich verhalten über das Abschneiden der Genossen in Freiburg gefreut: "Das ist wie so eine Insel hier", kommentierte er den leichten Zugewinn bei der Europa- und Kommunalwahl im Vergleich zum negativen Bundestrend. So richtige Partystimmung will aber nicht aufkommen, nicht einmal bei Stefan Schillinger, einem der drei Newcomer in der SPD-Fraktion. "Ich hatte sehr gehofft, dass wir es auf zehn Sitze schaffen", sagt er.
JUNGES FREIBURG
Außer Puste und mit Verspätung kommt Simone Ariane Pflaum in der Pizzeria Tamino in der Kaiser-Joseph-Straße an. Dort wird sie von fünf bereits wartenden Kollegen stürmisch begrüßt und beglückwünscht. Die 27-jährige Studentin ist bei der Wahl als Einzige der jungen Wählervereinigung in den Gemeinderat eingezogen. Sie löst den um ein Jahr jüngeren Sebastian Müller ab, der nicht wiedergewählt wurde. Dieser sitzt am Tisch und hantiert mit seinem Mobiltelefon. "Ich finde es schade. Aber ich habe dadurch Freiheit gewonnen. Jetzt kann ich Dinge tun, für die ich vorher keine Zeit hatte, wie beispielsweise im Ausland studieren", sagt der Lehramtsstudent. Mit Pizza und Cola feiert der harte Kern der Jugendinitiative seine frisch gebackene Gemeinderätin. "Wenn wir zusammen kochen, gibt es immer Pizza. Die Zubereitung fördert die Kommunikation in unserer Gruppe", lacht Simone Ariane Pflaum.
GRÜNE
Kurz nach acht ist bei den Grünen alles vorbei – zumindest wahlpartymäßig. Gleich nach der Auszählung hatte Freiburgs stärkste Fraktionsgemeinschaft das Mobile am Hauptbahnhof geentert und mit Sekt und Sprudel gefeiert. Jetzt ist die Stimmung gelöst, die neuen Städträtinnen und -räte sitzen noch ein bisschen zusammen und versuchen zu fassen, was da gerade passiert ist. Auch die Verlierer der Wahl tragen die Wählerentscheidung mit Würde, wie Axel de Frenne, der, obwohl ausgeschieden, eine optimistische Gratulationsrede hält. Dann dürfen Fraktionsvorsitzende Maria Viethen und Oberbürgermeister Dieter Salomon der Truppe noch gratulieren, auch Umweltbürgermeisterin Stuchlik schaut vorbei. Gäbe es den Satz des Abends, hier würde er lauten: Besser gelaufen als befürchtet. Gäbe es den passenden Laut dazu, er wäre: Uff.
KULTURLISTE
Überraschungssieger Michael Wiedemann – er sprang von Listenplatz 15 auf Platz 2 und damit in den Gemeinderat – sitzt eine Stunde nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses mit Ehefrau Daniela, Tochter Anke und mit Atai Keller unter Robinien vorm Caféhaus in der Gartenstraße. Das ist die kleinste Wahlparty an diesem frühen Abend, denn die Kulturliste hat ihre große Party schon am Samstagabend gefeiert. Die nächste große Zusammenkunft der Liste ist bereits ein reguläres Arbeitstreffen. Atai Keller hebt seinen Sekt auf "den Shooting-Star dieser Wahl" – und der muss die Überraschung seines zukünftigen Amtes erst noch verkraften. "Den Grundgedanken von Kult finde ich einfach klasse", sagt Wiedemann, "und wollte mein Teil dazu beitragen." Dass es zum Einzug in den Gemeinderat reichen würde, damit hatte der Kinomann nicht gerechnet.
UNABHÄNGIGE FRAUEN
Auf dem Rathausplatz hat sich unter Kastanien eine große Runde zusammengefunden. "Wir feiern fraktionenübergreifend und offen, wie es unsere Art ist", erklärt Martina Herrmann. Wenn es nach Ulrike Höllwarth, der Grafikerin in der Frauenriege, gegangen wäre, hätte die Listen-Dritte Martina Herrmann gewählt sein sollen: Eine Rose mit drei dicken roten Blüten ist ihr Party-Mitbringsel. Die Tonspur zu dieser Party besorgen die Montags-Demonstranten, die nebendran gegen die Auswirkungen von Hartz IV demonstrieren. Das Partyvolk an den Tischen, ein bunter Mix von UFF und Linker Liste, Kulturliste und SPD, diskutiert Wählerwanderung und Koalitionsoptionen zu Weißwein und Himbeertorte. Rund um die UFF-Frauen das vielbesprochene Thema: "Es ist traurig, dass die Frauenfrage in dieser Stadt keine zentrale Rolle mehr zu spielen scheint." Das dämpft die Feierlaune.
LINKE LISTE
Erst sind die Unterstützer der Linken Liste bei den Unabhängigen Frauen auf dem Rathausplatz hängengeblieben, jetzt ziehen sie zum Feiern in den Goldenen Sternen am Tennenbacher Platz. Dort nämlich, in der Beurbarung, verbindet sich aufs Schönste Partyspaß mit Bewusstsein: An diesem "geschichtsträchtigen" Ort hatte die Bürgerinitiative Wohnen ist Menschenrecht 2006 den erfolgreichen Bürgerentscheid gefeiert – und jetzt macht die Linke Liste einen drauf.
FREIE WÄHLER
Partylaune auch bei den Freien Wählern, die sich im Ganter-Biergarten treffen. 80 Leute, Superstimmung und – natürlich – Bier. "Wir sind doch gut weggekommen", sagt ein Unterstützer und darauf wird jetzt erstmal angestoßen.
GRÜNE ALTERNATIVE
Im Stühlinger haben sich Mitstreiter und Sympathisanten in und vor dem Egon 54 schon um 16 Uhr versammelt. Zu fortgeschrittener Feierstunde stehen ein Dutzend Wahlpartygäste unter schweren Regentropfen draußen – hier wird mit Export vom Fass gefeiert. "Dass wir beide wieder in den Gemeinderat gewählt wurden", sagt Coinneach McCabe, "gibt uns recht mit unserer Entscheidung, bei den Grünen ausgetreten zu sein." Die Wählerinnen und Wähler wollten sie offensichtlich trotzdem im Gemeinderat sehen. Timothy Simms, der für die Grünen in den Gemeinderat einzog, kommt zum Mitfeiern vorbei: Er hätte die beiden auch gerne weiter bei den Grünen gesehen: "Eine buntere Liste hätte uns auch gut gestanden!" Und bunt gemischt ist das GAF-Partyvölkchen wahrlich.
FÜR FREIBURG
Nicht in den Gemeinderat gekommen – im Café Lienhart ist die Stimmung gedämpft. Und die Feier bald wieder vorbei.
- Fotogalerie: Bilder von der Party danach
Autor: hsp/lit/si/abx


