Geschichte

Das Siegesdenkmal soll Infotafeln bekommen

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Do, 15. Februar 2018 um 15:44 Uhr

Freiburg

Sie sollen das wegen seiner kriegerischen Form umstrittene Siegesdenkmal in den historischen Kontext einordnen: Drei in den Boden eingelassene Platten auf deutsch, französisch und englisch.

"Das Auffallendste an Denkmälern ist, dass man sie nicht bemerkt", sagte einst der Schriftsteller Robert Musil. Das Siegesdenkmal mit Victoria sowie Kanonier, Grenadier, Landwehrmann und Dragoner gehört wohl eher nicht dazu. Auch deshalb hat der Gemeinderat bei der Frage der Wiederaufstellung die Stadtverwaltung bereits früh damit beauftragt, das Denkmal nicht wie bisher für sich alleine stehen zu lassen, sondern in einen historischen Kontext zu stellen.

Die Debatte soll auf den Platten wiedergespiegelt werden

Dafür sollen künftig drei Informationstafeln für 8000 Euro sorgen, die als Bodenplatten direkt am Denkmal eingelassen werden. Der im November von den Ämtern gefertigte Textentwurf wurde von der SPD-Fraktion modifiziert. "Wir wollten den aktuellen Prozess der Debatte deutlicher darstellen", sagt SPD-Stadträtin Türkan Karakurt. Es sei wichtig zu zeigen, dass es sich der Gemeinderat mit der Wiederaufstellung am ursprünglichen Ort nicht leicht gemacht habe. Zudem müsse erkennbar sein, dass viele Bürger dem Denkmal kritisch und ablehnend gegenüberstehen. "Unsere Intention ist ganz klar, dass man da nichts missversteht."
Der Wortlaut der Infotafel am Siegesdenkmal

"Noch vor Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 initiierten zahlreiche badische Gemeinden und Bürgervereine die Errichtung des Siegesdenkmals in Freiburg. Sie wollten damit dem XIV. Armeecorps danken, das unter General August von Werder den Sieg bei Belfort über die
französische Armee errungen hatte. Vier einfache Soldaten symbolisieren die Waffengattungen. Die auf einer Weltkugel stehende Siegesgöttin Victoria ehrt diese mit dem Lorbeerkranz. Am 3. Oktober 1876 wurde das Siegesdenkmal vor der Karlskaserne in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm I. und Großherzog Friedrich I. von Baden eingeweiht. Im Zuge der Neugestaltung des Friedrichrings und des Platzes im Jahr 2017 wurde kontrovers darüber diskutiert, ob ein solches Denkmal wieder aufgestellt werden dürfe. Steht es doch beispielhaft für eine Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Nationalstaaten, die mit der Begründung der deutsch-französischen Freundschaft und der Europäischen Union überwunden wurde. Am Ende hat sich der Freiburger Gemeinderat mit Mehrheit dafür ausgesprochen, dass das Monument als Zeugnis der Geschichte und als Mahnmal gegen Krieg und Nationalismus erneut vor der ehemaligen Karlskaserne seinen Platz finden soll. Bewusst wurde dabei auf die ursprüngliche Erhöhung und Abschirmung durch einen Zaun verzichtet. Das historische Siegesdenkmal soll uns dazu anhalten, Nationalismus und Krieg dauerhaft zu überwinden und uns aktiv für Frieden und Völkerverständigung einzusetzen. Daher hat der Gemeinderat im Jahr 2018 den ursprünglich nach Kaiser Wilhelm I. benannten Platz in ... benannt."

CDU und Freie Wähler stimmen den Änderungswünschen der SPD zu. Die Unabhängigen Listen (UL) forderten, dass der Text vom Historiker Wolfram Wette geprüft wird. Seine Ergänzungen übernahm die Verwaltung im Januar nahezu. Der Kulturausschuss sorgte noch für Korrekturen stilistischer Art, die Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach per Akklamation in den Entwurf für die Beschlussvorlage im Gemeinderat schrieb.

"Das ist für uns ein absoluter Minimalkonsens. Wir wollen mehr", sagte UL-Fraktionschef Atai Keller am Mittwoch zu den Informationstafeln und forderte für die Kontextualisierung erneut einen künstlerischen Wettbewerb. Wie groß und aus welchem Material die drei Tafeln sein sollen, ist laut Rathaussprecherin Edith Lamersdorf noch nicht entschieden. Sobald der Gemeinderat einen Beschluss gefasst hat, werde das Kulturdezernat in die Umsetzung gehen. Erst dann können man sagen, wann und wo genau die Tafeln vor Ort montiert werden.

Mehr zum Thema: