Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

24. November 2010

Das Skelett hinter der Klostermauer

Die Sängerin und Sprecherin Regina Bernstein hat den Mittelalter-Krimi "Der Fall Hildegard von Bingen" als Hörbuch vertont.

  1. Regina Bernstein spricht und singt in ihrem Hörbuch die Hildegard von Bingen. Foto: BZ

An einem düsteren Regentag anno 1177 wird an der Friedhofsmauer des Klosters Rupertsberg ein Skelett gefunden. Niemand weiß, wer der Tote ist und ob er einem Mord oder einem Unfall zum Opfer fiel. Der rätselhafte Skelettfund ist reine Fiktion, eine Erfindung des Autors, allerdings eingebettet in eine historisch wahre Geschichte: die Lebensgeschichte der großen Mystikerin, Heilkundigen, Äbtissin und Dichterin Hildegard von Bingen.

"Der Fall Hildegard von Bingen" heißt dieser Mittelalter-Krimi von Edgar Noske, der auf spannende Weise Fiktion und Historie zusammenbringt und die Zeit Hildegard von Bingens und das Leben in den Klöstern anschaulich und atmosphärisch schildert. Nun hat die in Wehr lebende Sängerin und Sprecherin Regina Bernstein diesen Kriminalroman als Hörbuch gesprochen und mit Gesängen der Hildegard von Bingen ergänzt: zehn Stunden fesselndes Hörerlebnis auf acht CDs.

Mit Hildegard von Bingen beschäftigt sich die Sopranistin, die Meisterschülerin bei Kurt Widmer war, schon seit ihrem Gesangs- und Musikwissenschaft-Studium vor 20 Jahren. Regina Bernstein hat sich intensiv mit den Schriften, dem Leben, den Liedern der Hildegard von Bingen befasst. In einem Programm, das sich ausschließlich Werken von Komponistinnen widmet, hat sie auch Lieder deren gesungen. Für ihr aufwändiges Hörbuch-Projekt, für das sie fünf Tage im Studio saß, suchte sie sich einige ihrer Lieblingsstücke der Hildegard heraus, aus den Gesängen für die heilige Maria, den Gesängen zur Dreifaltigkeit und den Gesängen für die heilige Ursula und ihre Heerscharen: geistliche Musik, Responsorien und Antiphone. "Unter Sängerinnen entwickelt sich das gerade, dass viele anfangen, Lieder der Hildegard von Bingen zu singen", sagt Regina Bernstein. Andere "Hildegard-Fans" kommen eher aus dem Bereich der "Hildegard-Medizin" oder der "Hildegard-Ernährung". Allen gemein ist die Bewunderung für "eine weise und starke Frau, die viel durchgemacht und sich in einer nicht gerade frauenfreundlichen Zeit durchgesetzt hat", wie es Regina Bernstein ausdrückt: Mit welchen Schwierigkeiten und Problemen die selbstbewusste und von Visionen durchdrungene Hildegard von Bingen zu kämpfen hatte, als sie ihre Loslösung vom Kloster Disibodenberg betrieb und ihr eigenes Kloster Rupertsberg bei Bingen gründete, das schildert der Kriminalroman von Noske. Vor allem ihre Auseinandersetzungen mit geistlichen Würdenträgern stehen im Mittelpunkt der Geschichte.

Werbung


Die von klerikaler Seite angefeindete, oftmals nur knapp dem Scheiterhaufen entkommene, andererseits tief verehrte Äbtissin ist in diesem Roman die Erzählerfigur. Sie erzählt dem wissbegierigen Benediktinermönch Wibert, der ihr Sekretär wird, aus ihrem Leben. Und so blendet der Roman immer wieder zurück zu den Geschehnissen im Jahr 1147, den Anfängen der eigenen Klostergründung von Hildegard von Bingen. Benediktiner Wibert macht sich mit detektivischem Spürsinn daran, die Identität des Toten und die Ereignisse der Vergangenheit aufzuklären – da mag mancher an Umberto Ecos "Der Name der Rose" denken.

Regina Bernstein hat das Buch "in einer Nacht verschlungen" und sofort keimte in ihr die Idee, es als Hörbuch zu sprechen, zumal sie eine Sprecher-Ausbildung hat und einige Zeit als Moderatorin beim Bayrischen Rundfunk in München tätig war. Beeindruckt hat sie, wie atmsphärisch dicht Noske die Zustände in den Klöstern beschreibt, die Kälte, die Armut, die Krankheiten und wie er Hildegard darstellt: "So könnte es gewesen sein. So könnte Hildegard von Bingen wirklich gesprochen haben", sagt Bernstein. Diese Stimmung will sie in ihrem Hörbuch vermitteln: "Das soll wie ein Film vor dem geistigen Auge ablaufen".

– "Der Fall Hildegard von Bingen" von Edgar Noske, Hörbuch gelesen von Regina Bernstein, 8 CDs. Bernstein publishing & records. Konzertlesungen mit Regina Bernstein heute, Mittwoch, 19.30 Uhr, Veranstaltungsraum "Nature 4 you", Wehr; 4. Dezember, 20 Uhr, Rotmooshalle Herrischried, 2. Februar Mediathek Wehr.

Autor: Roswitha Frey