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08. Februar 2011

Das Thema Pflege macht den Chefs Kopfzerbrechen

Immer mehr Arbeitnehmer müssen Angehörige betreuen / Freiburger Firmen haben sich vernetzt, um Lösungen dafür zu finden.

Martina Pleuger weiß, dass es jederzeit so weit sein kann. Eine ihrer Mitarbeiterinnen hat eine betagte Mutter, die immer mehr Betreuung braucht, eine andere sorgt sich um ihre allmählich pflegebedürftigen Eltern. Das kann auch schnell den Ablauf im Laden durcheinanderwirbeln. "Wir befassen uns seit Jahren mit dem Thema Familienfreundlichkeit. Bisher ging’s aber immer um Kinder. Jetzt geht es nahtlos über zu pflegebedürftigen Eltern", erklärt die Geschäftsführerin von Blumen Pleuger, einem Freiburger Floristikunternehmen mit 25 Mitarbeitern.

Deswegen hat sich Martina Pleuger von Beginn an am Freiburger Netzwerk Familienbewusste Unternehmen beteiligt. Seit Herbst 2009 vereinigt dieses Netzwerk unter Moderation der Freiburger Wirtschaftsförderung FWTM etwa zwei Dutzend Unternehmen. Der Zusammenschluss dient dem Erfahrungsaustausch und der Information – auch in Sachen Pflege und Beruf. Vor wenigen Tagen fand speziell dazu die zweite Veranstaltung statt. Beteiligt sind große Arbeitgeber wie das Regierungspräsidium und die Uni ebenso wie kleine Unternehmen verschiedener Branchen.

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Die Zahl der Pflegebedürftigen wird bis 2030 um die Hälfte anwachsen

Die Betriebe spüren den demografischen Wandel schon jetzt – und wollen vorsorgen. Denn die Zahl der Pflegebedürftigen wird in Baden-Württemberg in den nächsten zwei Jahrzehnten um mehr als 50 Prozent zunehmen. Auf eine Fachkraft mit Kindern werden in den Betrieben in Zukunft etwa drei mit pflegebedürftigen Angehörigen kommen.

"Ich würde jedes Modell mitmachen, das nicht auf Kosten des Betriebes geht", sagt Martina Pleuger. Teilzeit mit flexiblen Arbeitszeiten sei in ihrem Betrieb schon jetzt normal. Vier Wochen am Stück Urlaub – auch das sei möglich in ruhigen Zeiten. Doch den finanziellen Spielraum zum Beispiel für einen Lohnausgleich für "Pflegestunden" hat Martina Pleuger nicht. Die Zeiten seien für ihre Branche nicht rosig. Stattdessen will Pleuger ihren Leuten mit fundierten Infos und auch praktisch zur Seite stehen. Sie weiß aus eigener familiärer Erfahrung, wie viel Zeit es kostet, sich durch den Pflegedschungel zu kämpfen, um eine gute Lösung zu finden.

Peter Bahn vom Personaldienstleister Probono in Freiburg hat schon jetzt immer wieder mit Mitarbeitern zu tun, die "nebenberuflich" Angehörige pflegen. Das liegt in der Natur der Sache: Bei der Zeitarbeitsfirma ist er für die Vermittlung von Altenpflegepersonal zuständig. Weil das so gesucht ist, liege seine Firma beim Lohn über dem Schnitt und biete besonders flexible Arbeitszeiten. So könnten sich Mitarbeiter mit einer zweiten Person bei der Pflege von Angehörigen abwechseln und zum Beispiel vier Wochen voll arbeiten, um dann wieder vier Wochen frei zu haben.

"Kein Fall ist wie der andere. Wir müssen wirklich individuelle Lösungen finden", weiß der Vermittler, der früher selbst in der Altenpflege gearbeitet hat. Seine Kunden, etwa Sozialstationen oder Pflegeheime, sind zu Kompromissen bereit. Der Grund ist klar: "Die leiden schon jetzt unter dem Fachkräftemangel, der in anderen Branchen erst kommen wird."

Das Netzwerk Familienbewusste Unternehmen in Freiburg wird koordiniert von der FWTM in Zusammenarbeit mit BBQ Berufliche Bildung, Familynet und Audit Berufundfamilie. "Pflege und Beruf" ist eines der Hauptthemen des Netzwerks. Infos:  0761 / 38811214.

Autor: Sylvia Schmieder