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07. November 2008

Das Zuhause als Ort der Geborgenheit

BZ-Serie "Menschen in Denzlingen": Neubürgerin Eva-Maria Steidel will ein Netzwerk schaffen, das sich um Senioren kümmert

  1. Eva-Maria Steidel kann sich ein Wohnprojekt von Alt und Jung vorstellen für ihren Lebensabend. Foto: Carola Horstmann

DENZLINGEN. Die Gemeinde, Vereine, die Sozialstation und die Kirchen planen für Mittwoch, 12. November, eine Auftaktveranstaltung, wie in der Zusammenarbeit der Generationen künftig Probleme der Betreuung und Pflege gelöst oder Ressourcen effektiver angezapft werden können. Dieser Gedanke treibt auch Eva-Maria Steidel um, die ein Netzwerk namens "Mit-Sein" aufbaut.

Was hat Eva-Maria Steidel dazu bewogen, neben ihrer freiberuflichen Tätigkeit als Grafikerin und Ikonenmalerin eine kleine Firma zu gründen? In 25 Jahren benediktinischen Ordenslebens hat sie im Kloster, einer Art Generationenhaus, erlebt, wie wichtig die Betreuung und Begleitung im Alter ist. Hat viele Mitschwestern bis zum Tod begleitet und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Diese möchte sie gerne weitergeben. Möchte den Menschen nahe sein, den Angehörigen wie den Kranken und Alten, aber nicht nur diesen. Es geht auch darum, Familien zu unterstützen, wenn wichtige Personen ausfallen, wenn etwa Kinder länger allein sind und Betreuung brauchen. Sie sollen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben dürfen.

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Steidels Netzwerk "Mit-Sein" befindet sich noch im Aufbau. Von stundenweisen Einsätzen im Haushalt oder Kinderbetreuung reicht das Angebot über Begleitdienste hin zur umfassenden Betreuung rund um die Uhr. In diesem Fall wechseln sich Steidel und eine Mitarbeiterin im wöchentlichen Turnus ab, um Kontinuität zu schaffen. "So wenig Wechsel wie möglich", glaubt Steidel, "ist nötig, um Geborgenheit und Vertrauen wachsen zu lassen".

Bisher hat Steidel an zwei Orten im Hochschwarzwald schon länger Verantwortung übernommen, in zwei Haushalten mit sehr unterschiedlichen Anforderungen, und sie lächelt, wenn sie davon erzählt: "Ich musste auf einem Bauernhof lernen, auf einem holzbefeuerten Herd zu kochen".Wichtig ist Steidel bei ihrer Arbeit das Gespräch, das Eingehen auf den anderen, selbst dann, wenn die Sprache verloren gegangen ist. Aber kann sie denn auch mit Menschen, die dem Glauben fern sind, über die letzten Dinge sprechen? "Der Mensch, für den ich da bin, gibt die Richtung vor", sagt Steidel. Keinesfalls will sie missionieren – einfach nur mit auf dem Weg sein.

Bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter legt sie auf menschliche Reife Wert, auf eine christliche Einstellung, und auf gutes Deutsch: "Sprache ist so wichtig!"

Bleibt noch die Frage nach der Finanzierung. Die Dienstleistungen von "Mit-Sein" müssen bisher noch aus eigener Tasche bezahlt werden. Der Stundenlohn liegt zwischen 10 und 15 Euro. Allerdings können, laut Pflegeleistungsergänzungsgesetz vom 1. 7. 2008, einige Leistungen bei Demenzkranken mit den Krankenkassen abgerechnet werden.

"Der Anfang ist mühsam", sagt Steidel. Aber die bisherigen Rückmeldungen machen Mut. Ein Pflegedienst aus dem Freiburger Raum hat bereits Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert. Nach eigener Einschätzung wachse die Nachfrage, gerade im hauswirtschaftlichen Bereich.

Für ihr eigenes Alter stellt sich Steidel vor, mit anderen – Jüngeren und Älteren – zusammen in einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt zu leben, in dem man sich umeinander kümmert und füreinander da ist, sowie im Bedarfsfall eine gemeinschaftliche Betreuungs- und Pflegeperson mit einbezieht. Es gibt schon Beispiele von gemeinnützigen Vereinen und Wohnbaugenossenschaften, die neue Wege suchen, weiß sie, und: "Gerade um Freiburg herum ist vieles im Aufbruch".
http://www.mit-sein.de

Autor: Carola Horstmann