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26. Juni 2012
Dem Freudenfest folgt Katerstimmung
Vorsitzender Roger Ehrler meldet den Schweizer Rollhockeymeister RHC Friedlingen vom Spielbetrieb ab und löst den Verein auf.
ROLLHOCKEY. Das Freudenfest des RHC Friedlingen hat lediglich eine Nacht lang gedauert. Dann mündete das Hochgefühl im Morgengrauen in eine schmerzhafte Katerstimmung. "Game over, tilt!" hieß es denn auch bereits zu Beginn der Pressemitteilung, die der RHC Friedlingen am Montagmorgen veröffentlichte. Absolut treffend. Darin verkündet der neue Schweizer Rollhockeymeister den Rückzug seiner ersten Mannschaft aus der Schweizer Nationalliga A – mit sofortiger Wirkung.
Und um die schlechten Nachrichten komplett zu machen, teilt der Trainer und Vorsitzende Roger Ehrler zugleich sogar die Auflösung des sportlich so erfolgreichen Vereins mit – fast auf den Tag genau drei Jahre nach dessen Gründung. Mithin verlasse der Rollhockeyklub auch "sofort" den Südbadischen Rollhockeyverband und den Deutschen Rollsport- und Inline-Verband (DRIV). Die Gründe für den tiefgreifenden Schritt lässt Ehrler allerdings weitgehend im Dunkeln. Gleichwohl spricht er von einer "sportlich internationalen Perspektivlosigkeit". Jene zwinge ihn "zu einem schnellen, harten, schweren, aber logischen Entscheid".Werbung
Hintergrund für die Entscheidung ist sicherlich vor allem der kräftige Widerstand durch den Internationalen Rollhockeyverband. Denn jener beschloss vor zwei Jahren, dass deutsche Vereine in internationalen Pokalwettbewerben nicht ausschließlich für ihren Heimatverband spielen und nicht mehr, wie zuvor jahrelang geduldet, einen Quotenplatz in der Schweiz einnehmen dürfen, auch wenn sie die Punkterunde in der Nationalliga A bestreiten. Davon waren sowohl der RHC Friedlingen als auch der RSV Weil bereits in der vergangenen Saison betroffen.
Dass seinerzeit beide Vereine dann doch international im CERS-Cup spielen konnten, war ausschließlich auf einen freiwilligen Verzicht einiger deutscher Vereine zurückzuführen. Die Gründe dafür waren indes keineswegs ein Entgegenkommen jener Klubs gegenüber Friedlingen und Weil, als vielmehr finanziell bedingt. Denn die Kosten übersteigen die Einnahmen bei weitem, vor allem bei den weiten Auswärtsreisen nach Portugal, Spanien oder Italien. Doch für die Zukunft wollte Ehrler diesbezüglich Planungssicherheit und bei internationalen Auftritten "nicht auf Almosen" angewiesen sein. Mit diesem Ansinnen stieß er allerdings vor kurzem bei dem von spanischen Vereinen dominierten internationalem Rollhockeyverband auf erheblichen Widerstand.
Indes verweist Ehrler in seiner Presseerklärung auch auf offensichtliche Unstimmigkeiten mit dem DRIV. "Nicht-homogene Verbände sind in unserer Sportart nicht zielführend", schreibt er. Damit zielt er auf das Geflecht zahlreicher Länderinteressen im DRIV hin. Schließlich hat der Gründer des RHC Friedlingen den deutschen Verband mit erheblichen Geldern finanziell unterstützt. Zuwendungen von nahezu einer halben Million Euro werden im Internetportal rh-news.com aufgelistet. Doch wartet Ehrler nach eigenen Angaben bislang noch immer auf die von ihm geforderten Abrechnungen der Gelder. Auch jene Zwistigkeiten führten in der jüngsten Vergangenheit zum Rücktritt mehrerer DRIV-Verantwortlicher, darunter des Vorsitzenden der Sektion Rollhockey, Jacques Casez (wir berichteten). Unklar ist derweil, welche Auswirkungen der Rückzug der Friedlinger auf das Schweizer Rollhockey haben wird. Immerhin empfiehlt Ehrler den Spielplanern, den RHC Vordemwald nächste Saison als zehnten Verein in die Nationalliga A aufsteigen zu lassen. Profitieren könnte auch der RHC Basel.
Autor: Jochen Dippel



