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30. August 2008

19 Sonette zum Thema reife Liebe

Dirk Schindelbeck aus Denzlingen hat für seine Gedichte den Inge-Czernik-Förderpreis gewonnen.

DENZLINGEN. Wenn Dirk Schindelbeck von Gedichten in der klassischen Form des Sonetts spricht, kommt er ins Schwärmen. Für den freien Autor und Lehrbeauftragten ist das "kleine Tonstück", das in den 70er Jahren schon einmal totgesagt worden war, "nicht tot zu bekommen". Mit 19 Sonetten, die er zum Thema "alte Liebe" verfasste, hat er jüngst den ersten Platz beim Wettbewerb um den Inge-Czernik-Förderpreis belegt.

"Für mich ist das Sonett ein Faszinosum, weit mehr als ein Reimschema und so etwas wie ein kybernetischer Formkörper", erklärt der der 1952 geborene Schriftsteller. Leicht verständlich beim klaren Aufbau in 14 metrische Verszeilen, in der klassischen Form in zwei Quartette und anschließende zwei Terzette eingeteilt.  Als Schüler sei er mit dieser Gedichtform nie konfrontiert worden, obwohl es von der ersten Blüte an mit Petrarca und Dante kaum einen  Lyriker der Weltliteratur geben habe, der nicht Sonette geschrieben habe.

Zum Sonett führte Schindelbeck die Sehnsucht nach Klarheit. Als junger Student habe er sehr wild geschrieben, was ihn jedoch nicht befriedigt habe. So suchte er in der Tradition nach einer ihm gelegenen Form und habe diese im Sonett gefunden. Seine Dissertation schrieb Dirk Schindelbeck zum Thema "Die Veränderung der Sonettstruktur von der deutschen Lyrik der Jahrhundertwende bis in die Gegenwart".

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Lang ruhte dann diese Liebe, nur durch Lektüre immer etwas wach gehalten. "In den 90ern habe ich dann hie und da Sonette geschrieben, zumeist satirische", erklärt Schindelbeck. Teils habe er das Sonett dann auch als Lehrbeauftragter an der pädagogischen Hochschule in Seminaren zur Lyrik des  Barock behandelt. "Vor drei oder vier Jahren bin ich dann auf die Internetseite http://www.sonett-archiv.de gestoßen", erzählt Schindelbeck. Diese sei nicht nur eine Spielwiese für lebende Autoren, sondern auch ein großer Fundus für Liebhaber des Sonetts und er selbst habe zahlreiche Gedichte von einem eher unbekannten Poeten, der einer seiner Lieblingsdichter sei, dort dazugefügt.

Begeistert ist Dirk Schindelbeck von der Bewegung im Sonett, dem Spiel mit These, Antithese  und Synthese. Das mache letztendlich das Verfassen von Sonetten zu keiner leichten Übung. "Man muss in jedem Vers wissen, woher und wohin", erklärt er und betont, dass das Schreiben von Sonetten auch eine rhetorische Übung sei. Zugleich komme es ganz besonders auf den Schluss an. "Ohne Pointe, die auch ein bisschen überrascht, kannst du es vergessen", sagt Dirk Schindelbeck. Das Sonett sei eine satirische Sache, habe aber auch etwas vom goldenen Schnitt und sei für ihn in gleicher Weise Ausdrucksform für Liebeslyrik wie für Weltweisheiten. Immer aber, so empfinde er, sei das Sonett ein Versuch, der mal besser und mal weniger gelinge.

Gelungen scheinen jedenfalls Dirk Schindelbeck die 19 Gedichte in Sonett-Form, die er nach Aufforderung in der Endrunde beim Inge-Czernik-Förderpreis eingereicht hat. Der Denzlinger Autor war dem Verleger Theo Czernik, der seit den 80er Jahren kleine Lyrikbändchen herausgibt und für die Dichtkunst eine Lanze bricht, bekannt, weil er immer wieder Beiträge zu Anthologien geliefert hatte.

"Ich wollte keinen Kessel Buntes abgeben", erklärt Dirk Schindelbeck zu seinem Wettbewerbsbeitrag. Deshalb habe er einen Zyklus zum Thema "Alte Liebe, reife Beziehung" verfasst. Ein auch literarisch sehr selten behandeltes Terrain und dennoch wohl eine sehr treffende Entscheidung. Jedenfalls waren die zwölf Jurymitglieder so angetan, dass sie Schindelbeck mit dem ersten Preis bedachten. 150 Exemplare des Lyrik-Bandes "Entschleunigung", in dem seine Wettbewerbsbeiträge und die der zweiten und dritten Preisträger abgedruckt wurden, hat er als Siegerlohn bekommen.

Doch das Interesse, das er und andere an der keineswegs antiquierten Gedichtform durch ihre Werke wecken, ist ihm mehr wert.

Entschleunigung – Gedichte von Dirk Schindelbeck, Monica Buchfeld und Claudia Beate Schill, Czernik-Verlag / Edition L, 2008, Hockenheim, ISBN 3-934960-68-8

Autor: Markus Zimmermann-Dürkop