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03. Februar 2012
Afrikas falsches Bild vom Paradies
Der in Denzlingen lebende Ben Oben Mkpot hat mit "Hidden Reality" seinen zweiten Kinofilm gedreht / Premiere am 27. Februar.
DENZLINGEN. Um eine Stammestradition der Bakossi drehte sich der erste Film in Kinolänge, den Ben Oben Mkpot bereits 2007 vorgestellt hat. In seinem zweiten Werk fürs Kino wendet der seit 2005 in Denzlingen lebende Kameruner seinen Blick von der Kultur seiner Heimat ab und konzentriert sich auf die Erfahrungen, die Afrikaner beim Versuch machen, in Europa Fuß zu fassen. "Es sind auch eigene Erfahrungen", so der 40-Jährige. Vorgestellt wird der 105 Minuten lange Spielfilm am 27. Februar im kommunalen Kino in Freiburg.
"Hidden Reality" titelt der Film, an dem Ben Oben Mkpot rund ein Jahr in seiner Freizeit gearbeitet hat. "Es geht um die hinter dem Traum vom Paradies in Europa versteckt Realität", erklärt er, womit schon deutlich wird, für welches Publikum er den Film vor allem gedreht hat. Wie schon sein erstes Werk, das mehrfach in dem afrikanischen TV-Programm "African Magic" ausgestrahlt worden war, will er vor allem in seiner Heimat ungeschminkt zeigen, was die zumeist mit großen Illusionen kommenden Menschen aus dem südlichen Erdteil in Europa erwartet.Werbung
Exemplarisch hat er die Geschichten von vier Menschen zu einer Story verwoben, die in Freiburg und Umgebung spielt. Es sei aber sicher auch für Deutsche interessant, deutlich vor Augen gestellt zu bekommen, wie der Alltag für Fremde in ihrem eigenen Land aussieht, wenn sie zwischen der Problematik eine Arbeit zu finden, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen und auch noch Deutsch lernen zu müssen hin und hergerissen sind. Dass ganz nebenbei auch die Erwartungen der Familie im Herkunftsland für Druck sorgen – denn diese erwarten aus dem Paradies ja auch regelmäßige Überweisungen – sei ein Übriges. Sucht und Kriminalität verhelfen nicht zur Flucht aus der Sackgasse; wie auch Heirat, um an entsprechende Papiere zu kommen, das Leben nicht leichter macht.
"Eigene Erfahrungen und die von anderen Afrikanern haben mich auf die Geschichte gebracht", erklärt der 1999 als Asylbewerber nach Deutschland gekommene Filmautor. Auch, wenn er ab 2000 im Status eines Geduldeten arbeiten durfte, konnte er dies doch nie in seinem erlernten Beruf als Straßenbauingenieur. "Das Filmemachen ist ein kreativer Ausgleich", so Ben Mkpot. Erlernt habe er es autodidaktisch, beginnend mit kleinen Filmen bei der Denzlinger Bildungs- und Kreativwerkstatt "Cleverle". Die Grundidee zu "Hidden Reality" wurde von Jenet Agbor zu einem Script verarbeitet, editiert wurde es von H. M. Schemske. "Regie, Kamera und Schnitt habe ich selbst übernommen. Die Schauspieler sind Freunde, Bekannte und Kollegen, die das alles ohne Gage gemacht haben", erklärt Ben Mkpot. Froh war er, dass auch die Ausrüstung teilweise kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, denn der Film sei keine "low budget"-, sondern eine "no budget"-Produktion. Da kam es auch recht, dass ihm die in Denzlingen wohnende Sängerin Mary Sylvester beim Soundtrack half. "Es war alles Teamwork", so der Filmemacher. Da mussten dann auch schon mal Mitwirkende, die gerade nicht vor der Kamera standen, die Klappe schlagen oder das Mikrofon halten. "Szenen in Afrika wurden von Freunden gedreht", ergänzt er.
Insgesamt sechs Monate lang sei überwiegend an Wochenenden gedreht worden, an Schauplätzen in Freiburg und Denzlingen– "eine aufreibende Zeit", erinnert sich Ben Mkpot. Vor allem deshalb, weil immer wieder der ein oder andere spontan abgesagt hatte oder verspätet zum Dreh kam. Konzentrierter konnte er dann in seiner kleinen Einzimmerwohnung das Rohmaterial bearbeiten und teils mit englischen Untertiteln versehen. "Filmsprache ist englisch– auch wegen des afrikanischen Publikums", so Ben Mkpot. Doch einige Dialoge sind in Deutsch, weil das authentisch ist. Und authentisch soll die Geschichte ja sein, die die versteckte Realität des Lebens vom Immigranten in Europa entschleiern will.
Autor: Markus Zimmermann
