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20. Mai 2017

"Bis heute nicht mehr losgelassen"

Seit 70 Jahren spielt Helene Blumenstein aus Denzlingen Harmonika.

  1. Gehören zusammen: Helene Blumenstein und ihr Instrument. Foto: A. Kunz

DENZLINGEN. Es ist der Idealzustand, den Eltern herbeisehnen: Das Kind spielt ein Instrument und ist so begeistert, dass es freiwillig übt – täglich, stundenlang. Helene Blumenstein war ein solches Kind. Und die Leidenschaft, mit der sie vor nunmehr 70 Jahren die diatonische Harmonika erlernte, hat bis heute nicht nachgelassen. Eifrig spielt die Seniorin zuhause neue Stücke, um für den nächsten Auftritt der "Harmonika-Oldies", vorbereitet zu sein. "Am Sonntag spielen wir schon wieder in Seefelden beim Hock", erzählt Helene Blumenstein.

Doch der Reihe nach. Es war 1946, als die neunjährige Helene auf dem Speicher ein altes Instrument fand: Die diatonische Handharmonika ihres Großvaters. Helene hat Glück, ein Mädchen aus dem Freundeskreis bringt ihr das Musizieren bei und schon ein Jahr später ist sie Mitglied der Harmonika- und Akkordeongruppe von Josef Asal in Gundelfingen. "Ich habe die Handharmonika immer bei mir gehabt, egal, wo ich hinging", erinnert sich Blumenstein. "Sogar wenn mein Bruder beim Sportverein war, kam ich dazu und spielte."

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Ein paar Jahre später zog es Helene mit der Harmonika-Gruppe hinüber nach Denzlingen. Josef Asal übernahm die Leitung des späteren Akkordeon-Vereins. "Er hat meine Freundin und mich jede Woche in Gundelfingen abgeholt und mit dem Motorrad-Beiwagen nach Denzlingen zur Probe mitgenommen", erinnert sich Helene Blumenstein an den väterlichen Freund.

Die Leidenschaft für die Musik nimmt auch nicht ab, als sie eine eigene Familie gründet. "Ich habe nie Pause gemacht. Als ich schwanger war, habe ich mir eine Mini-Handharmonika geliehen. So konnte ich auch mit dem dicken Bauch spielen." Die beiden Söhne wurden schon als Babys mit zur Probe genommen, bei Auftritten organisierten die Eltern einen Babysitter. "Das Schöne war, dass mein Mann und ich das gleiche Hobby hatten." Helene hatte mit ihrer Begeisterung auch Ehemann Klaus angesteckt und so begann er, im Denzlinger Orchester die Bassorgel zu spielen.

Das Repertoire

umfasst 350 Stücke

Bis heute ist die gelernte Großhandelskauffrau, die jahrelang als Direktionsassistentin gearbeitet hat, dem Akkordeon-Verein eng verbunden. "Als älteste Aktive kenne ich ja die meisten von klein auf." Seit 25 Jahren ist Helene Blumenstein nun mit den Harmonika-Oldies auf Tour, einer Gruppe, die sie gemeinsam mit Josef Asal, Ehemann Klaus und anderen Musikern gegründet hat. "Wir diatonischen Spieler wollten uns damit eine Zukunft sichern", erklärt Blumenstein. "Denn im Orchester spielen heute alle Akkordeon. Es gibt gar keine Musiklehrer mehr, die die diatonische Handharmonika unterrichten."

Mit den "Oldies" tritt sie auf Festen, Hocks und privaten Feiern auf. 350 Stücke umfasst das Repertoire der Senioren, die Blumenstein liebevoll als "Idealisten" bezeichnet. "Die Harmonika hat mich bis heute nicht mehr losgelassen."

Autor: Anja Kunz