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28. Januar 2012
"Canzone" aus fünf Männerkehlen
Im Denzlinger Bürgerhaus gastierten die "Fünf Tenöre" und beeindruckten ihr Publikum mit musikalischem Können.
DENZLINGEN. Arie e canzone – italienische Lebensart in Gesang ausgedrückt, bildeten den Mittelpunkt der glanzvollen Gala, die mehrere hundert Besucher am Donnerstagabend im Kultur- und Bürgerhaus erlebten. Fünf Tenöre, vier von ihnen mit italienischem Blut in den Adern, zogen das Publikum von Beginn an in ihren Bann, getragen auf einem beachtenswerten Klangteppich, den die Plovdiver Symphoniker unter der Leitung von Nayden Todorov ausbreiteten. Ein toller Auftakt zur aktuellen "Konzertreihe Bühne 79211 Denzlingen".
Schnell wird die Mixtur deutlich, aus der das Programm "Viva belcanto" gestrickt ist. "Es lebe der Schöngesang" wird wörtlich genommen, und zwar durchaus so, dass die Arien und neapolitanischen Lieder sowie die vereinzelt eingestreuten Filmmusikkompositionen voller Lebendigkeit präsentiert werden, ohne dabei an Ernsthaftigkeit und gesanglicher Brillanz einzubüßen. Die Akteure auf der Bühne, allen voran Vincenzo Sanso, der im Mann mit dem Taktstock einen willigen Mitspieler findet, agieren spielerisch, mit Ausflügen in den Klamauk, die sich jedoch immer in den Grenzen bewegen, über die das Publikum noch herzlich lachen kann. Der Show-Bogen wird nicht überspannt.Werbung
Doch all das ist nur Beiwerk zu der instrumental und gesanglich hervorragenden Darbietung. Seine Qualität unterstrich das keineswegs üppig bestückte Orchester insbesondere durch die sehr feinfühlige Aufführung des Bolero von Ravel nach der Pause und erwies sich vom Klangkörper her durchaus ebenbürtig mit den international preisgekrönten Tenören, die auf allen Bühnen der Welt zuhause sind. Vincenzo Sanso, Stoyan Daskalov, Luigi Frattola und Cristiano Oliviere eröffnete das Programm einen weiten Spielraum, um ihre individuellen Charaktere ausleben zu können. Tenor ist eben längst nicht gleich Tenor und Ausflüge bis zum "hohen C" sowie aus voller Brust gesungene, lange gehaltene Töne sorgten für Begeisterung. Arien von Giacomo Puccini, Giuseppe Verdi, Ruggero Leoncavallo schienen den Fünf regelrecht auf den Leib geschrieben zu sein. Gleiches galt auch für die zahlreichen neapolitanischen Canzone, die sehr tiefgreifend das endlose Thema der glücklichen oder unerfüllten Liebe – zu einem weiblichen Wesen oder der Heimat – zum Ausdruck brachten. Mal lyrisch, mal Held, der Tenor singt vom Leben und versteht es dann auch das "Mamma" von Cesare Andrea Bixio – untrennbar mit dem kleinen Heintje verbunden – vom Schmalz zu befreien.
Weniger befreiend, mehr belastend, waren aufgrund ihres Umfangs die ausführlichen Erläuterungen zu den einzelnen Werken durch Andrea Hörkens. Da hätte es dem Programm gut getan, etwas weniger Erklärung durch noch mehr Gesang zu ersetzen. Als Sopranistin stand die Moderatorin mal solo, aber auch im Duett mit wechselnden Partnern, ihren Kollegen in nichts nach. Diese, bei der letzten Zugabe auch gemeinsam mit Andrea Hörkens, liefen im tutti zur Höchstform auf. Bravo-Rufe und lange anhaltender Applaus quittierten die Sänger mit dem "Chor der Gefangenen" aus "Nabucco" und "Time to say goodbye".
Autor: Markus Zimmermann
