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31. Januar 2012

Demonstration pianistischer Kunst ohne jegliche Allüren

Künstlerisch-interpretatorische Virtuosität von Vater Michael und Sohn Jacob Leuschner im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus.

  1. Zwei Flügel, zwei Pianisten: Michael und Jacob Leuschner. Foto: F.Kiefer

DENZLINGEN. Nicht zum ersten Mal spielten die beiden Pianisten Michael und Jacob Leuschner gleich an zwei Flügeln im Denzlinger Bürgerhaus. Sohn Jacob erwies seinem Vater damit die Reverenz, gilt dieser Zyklus des Denzlinger Kulturkreises doch als "Finale" für Michael Leuschner, den langjährigen "dk"-Vorsitzenden.

Der Anblick der beiden Bösendorfer-Flügel auf der Bühne des Kultur- und Bürgerhauses in Denzlingen ist beeindruckend: Sie schmiegen sich aneinander und wirken wie ein riesengroßes, überdimensionales Tasteninstrument – die Erwartung an die beiden Pianisten allein von diesem Bild her ist ebenso groß. Mit Michael und Jacob Leuschner, Vater und Sohn, sind optimale Voraussetzungen gegeben: beide Meister ihres Faches, sowohl konzertierend wie lehrend tätig, beide ambitioniert in Kammermusik. Sie haben für das gemeinsame Programm Werke von Brahms, Camille Saint-Saens und Ravel gewählt, von Komponisten, die selbst ausgezeichnete Pianisten waren. Eine Stringenz, die diesen Konzertabend von sich aus prägte. Dass der erste Teil mit der Sonate für zwei Klaviere op.34b trotzdem nicht gänzlich befriedigte, mag an der Komposition an sich und der ihr anhaftenden Konkurrenz zu der Klavierquintettfassung liegen. Wer die Streicherversion im Ohr hat, für den fehlte der wogende Streicherklang, an die klanglich reichere Version können zwei Klaviere nicht heranreichen, auch wenn die Parts brillant gespeilt werden.

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Die Wiedergabe beider Pianisten blieb ein wenig starr, wenig frei, fest orientiert an den Taktvorgaben, vielleicht der Einheitlichkeit und Übereinstimmung im Spiel geschuldet. Ein Nachgeben, Verzögerungen oder Anziehen und Nachlassen der Tempi dem Augenblick der Aufführung nachempfunden, schien vermieden. Die ausgespielte Klangmacht der beiden Flügel war opulent und ließ die leisen Passagen um so schöner klingen.

Mit den Variationen von Camille Saint-Saens war dann neben aller technischen Virtuosität auch die künstlerisch-interpretatorische Virtuosität von Vater und Sohn gegeben. Sie faszinierte! Von der kompositorischen Anlage her waren die beiden Klaviere eher "im Gespräch", sie umspielten sich, sie animierten und forderten sich und fanden zu einem furiosen Schluss. Die Repetitionen waren rasant, die Arpeggien federleicht und die Läufe perlend: eine Demonstration pianistischer Kunst, ohne jegliche Allüren, kultiviert bis in die geringste Anschlagsmodalität.

Mit "La Valse für zwei Klaviere" von Maurice Ravel war dann nochmal bombastische Klangmacht neben deutlichste zarte Phrasierung und Artikulation gesetzt. "Wiener-Walzer-Seligkeit", bei Johann Strauß entliehen, blitzte auf, wurde verfremdet in immer wieder veränderter Ausformung und im Schluss geradezu ad absurdum geführt. Es war eine Interpretation durch die beiden Pianisten zu erleben, die differenzierender, das Stück offener legend, kaum vorstellbar war. Bravorufe mit vollem Recht!

Mit zwei Zugaben aus Georges Bizets Sammlung "Jeux d’enfants", "Blindekuh" und "Kleiner Mann, kleine Frau", verabschiedeten sich die beiden Meisterpianisten an diesem Konzertabend augenzwinkernd vierhändig, erst am rechten, dann gerechtigkeitshalber auch am linken Flügel. Michael Leuschner wird in einem Soloabend den 20. Zyklus der Konzertreihe beenden.

Von Jacob Leuschner wünscht man sich nach diesem Abend, mehr zu hören.

Autor: kar