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13. Mai 2017

Den Laienhelfern ist nur Zuschauen erlaubt

Ein bislang ungeklärter Versicherungsschutz hindert Denzlinger Feuerwehrhelfer am Einsatz / Im Ernstfall darf jeder Bürger helfen .

  1. In einem Katastrophenfall sind freiwillige Helfer versichert, etwa wenn bei schwerem Hochwasser Sandsäcke verteilt werden müssen. Foto: dpa

DENZLINGEN. Auch wenn bereits zwölf Freiwillige den Ausbildungstag absolviert haben – ob es in Denzlingen jemals einen sogenannten Feuerwehrhelfer im Einsatz geben wird, ist fraglich. Das Problem: Bislang ist ungeklärt, wie ein solcher Helfer, der beim Einsatz extremen Gefahren ausgesetzt sein könnte, versichert werden kann. Auch wenn es der Name so erscheinen lässt, ein Mitglied der Feuerwehr darf er rein rechtlich nicht sein.

"Ausgebildete Feuerwehrleute sind wegen der besonderen Gefahrenlage auch besonders versichert", sagt Denzlingens Feuerwehrkommandant Martin Schlegel. Sie haben eine zweijährige Grundausbildung, die vorgeschriebene Teilnahme an Übungen und einen Atemschutzlehrgang hinter sich. Kein Vergleich zur eintägigen Schulung zum Feuerwehrhelfer.

Kurios ist jedoch die Tatsache, dass der so genannte Spontanhelfer – das kann ein Passant auf der Straße sein – bei einem Einsatz versichert wäre. So sieht es das Feuerwehrgesetz vor. "Wenn der Einsatzleiter einen Spontanhelfer hinzuzieht, weil er zum Beispiel eine vierte Person zum Transport eines Verletzten auf einer Trage braucht, ist dieser auch versichert", erklärt Jörg Berger, der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Emmendingen. Von der Denzlinger Feuerwehrhelfer-Ausbildung am Sonntag wusste Berger im Vorfeld nichts. Dennoch befürwortet er die Idee, denn "ein ausgebildeter Laienhelfer ist natürlich besser als ein unausgebildeter".

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Gemeinsam mit Martin Schlegel versucht Berger nun, das Versicherungsproblem zu lösen. Schlegel sieht die Möglichkeit, die Leute "eventuell über die Gemeinde zu versichern so wie andere ehrenamtliche Mitarbeiter auch".

Dass das alles nicht im Vorfeld geregelt wurde, liegt am Engagement von Wolfgang Hochbruck, dem Ausbilder der Feuerwehrhelfer. "Herr Hochbruck war zu schnell", sagt Kommandant Schlegel. "Er wollte die Ausbildung jetzt gerne am Tag des Helfers durchführen." Informiert hatte sich der Ausbilder durchaus. Hochbruck weiß von vielen Freiwilligen-Initiativen, bei denen der Versicherungsschutz klar geregelt ist. In Passau etwa gibt es Freiwillige, die bei Donau-Hochwasser zum Sandsack-Einsatz gerufen werden.

Die Hürde in Denzlingen ist nun der Name "Feuerwehrhelfer". Denn: "Das ist etwas unglücklich gewählt, weil er die Nähe zur Feuerwehr so in den Vordergrund stellt", sagt Martin Schlegel. Und für die gebe es eben vom Verband, was Ausbildung und Versicherungsschutz angeht, ganz genaue Vorschriften.

Beim Landesfeuerwehrverband in Filderstadt weiß man vom Denzlinger Feuerwehrhelfer indessen nichts. Geschäftsführer Willi Dongus: "Es ist zwar ein toller Ansatz, Menschen für die Feuerwehr zu begeistern, aber ohne die zweijährige Grundausbildung und ohne die richtige Ausrüstung darf so ein Feuerwehrhelfer nicht mal an einer Übung teilnehmen." Nur zugucken sei erlaubt.

Autor: Anja Kunz