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01. Juni 2010
Denzlingen wird elektrisch rolle(r)n
Noch im Juni wird die Gemeinde zehn Elektro-Roller in Dienst nehmen / Drei Stromtankstellen im Gemeindegebiet.
DENZLINGEN. In Chinas Millionenstädten prägen Elektro-Roller das Straßenbild, in Denzlingen sollen sie auch bald ganz selbstverständlich im Verkehr mitrollen. "Noch vor dem Europafest anfangs Juli sollen zehn E-Roller ihren Nutzern übergeben werden und drei Stromtankstellen installiert sein", erklärt Bürgermeister Markus Hollemann. Die Storchenturmgemeinde nimmt am Bundesforschungsprojekt Elektromobilität teil.
"Wir sind aktiv auf die Suche nach Partnern gegangen, als wir von dem Projekt erfahren haben", erklärt Hollemann. In der Modellregion Stuttgart, wo er angefragt hatte, seien die ersten Roller schon an die Nutzer ausgeliefert worden. Als Partner konnte die EnBW gewonnen werden, die nicht nur drei Stromtankstellen am Rathaus, am Bahnhof und beim Schwimmbad installieren wird. "Im ersten Jahr wird das Energieversorgungsunternehmen die Stromkosten für die Roller übernehmen, wenn die Akkus dort geladen werden", so Hollemann. Die Identifikation an den Zapfsäulen erfolge über einen Chip. Außerdem werde von der EnBW die Versicherung der Fahrzeuge übernommen.Werbung
"Die zehn Roller sollen von Mitarbeitern des Rathauses, des Bauhofs und der Schulen genutzt werden", erklärt Hollemann. Ebenso werden ein oder zwei Roller den Fahrzeugpark der Sozialstation aufstocken. "Wir wollen aber die Testfahrzeuge auch Bürgern zur Verfügung stellen", sagte der Bürgermeister, wobei noch nicht entschieden ist, nach welchen Kriterien diese vergeben werden. Sicher ist eins: Die Roller sollen möglichst viel unterwegs sein und Fahrten mit anderen Fahrzeugen ersetzen. Voraussetzung ist jedoch die Bereitschaft der Nutzer, dass die Verbrauchs- und Fahrdaten in der Forschungsphase über einen GPS-Datenlogger automatisch erfasst und anonym ausgewertet werden.
Die in Denzlingen zum Einsatz kommenden Fahrzeuge werden in Stuttgart produziert. Mit den modernen Lithium-Ionen-Akkus haben sie eine durchschnittliche Reichweite von 65 Kilometern. In vier bis sechs Stunden ist der Akku wieder voll geladen. 500 Ladezyklen sind garantiert. Danach ist der Akku nicht defekt, sondern hat immer noch 80 Prozent der Kapazität und kann weiter verwendet werden. Die Lebensdauer beträgt laut Hersteller 600 bis 800 Zyklen. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 45 Stundenkilometern angegeben. Die Fahrzeuge sind zulassungsfrei, benötigt wird ein Roller- oder Autoführerschein.
"Es ist ein Anfang, um individuelle Mobilität ohne fossile Brennstoffe zu sichern", betont Hollemann ein Ziel der Initiative E-Mobilität. Die Fahrten mit den Elektrofahrzeugen garantieren zumindest, dass keine Feinstaub- und keine Lärmbelastung entstehen. Wenn zudem der Strom aus erneuerbaren Quellen stamme, wirke sich dies auch positiv auf die CO² Bilanz aus. Daneben sieht Hollemann in der Elektromobilität aber auch noch einen ganz anderen Nutzeffekt. Jeder Akku in einem solchen Fahrzeug sei ein dezentraler Speicher für Strom und somit ein Beitrag zum Ausbau des intelligenten, dezentralen Netzes.
"Vor dem Europafest am 3. und 4. Juli wollen wir starten", so Hollemann, der darauf verweist, dass Elektromobilität beispielsweise in Italien noch viel mehr gepuscht werde. In China seien in Städten mit mehr als 1,2 Millionen Einwohnern sogar nur noch Roller mit Elektroantrieb zugelassen. Höchste Zeit also, dass auch Denzlingen elektrisch Gas gebe.
Autor: Markus Zimmermann-Dürkop


