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03. Dezember 2015 16:49 Uhr

Rufschädigung

Denzlinger Bürgermeister fordert Schadenersatz von Süddeutscher Zeitung

Markus Hollemann fordert vom Süddeutschen Verlag 30.000 Euro Schadenersatz und eine Unterlassungserklärung. Hintergrund sind Zeitungsartikel, die angeblich seinen Ruf beschädigten.

  1. Markus Hollemann sieht sich als Kämpfer für die Meinungsfreiheit. Foto: Max Schuler

Denzlingens Bürgermeister fordert vom Süddeutschen Verlag 30 000 Euro Schadenersatz. Zudem soll der Zeitungsverlag eine Unterlassungserklärung abgeben und Markus Hollemann nicht mehr attestieren, er sympathisiere mit radikalen Abtreibungsgegnern und christlichen Rechtsradikalen. Hintergrund sind Artikel der Süddeutschen Zeitung, die im Rahmen seiner Bewerbung für die Stelle des Umwelt- und Gesundheitsreferenten in München erschienen sind. Sie haben aus Hollemanns Sicht dazu beigetragen, dass seine Kandidatur scheiterte.

Hollemann hatte sich im vergangenen Januar für den Münchner Posten beworben. Seine Wahl galt als sicher, scheiterte aber kurz vor der Abstimmung spektakulär. Damals erschienen in der Onlineversion der Süddeutschen Zeitung Artikel und Kommentare über Hollemann mit den Überschriften "Designierter Gesundheitsreferent – Sympathie für Abtreibungsgegner" oder "Panne bei Referentenwahl – eine Personalie, die alle blamiert". Darin wurde Hollemann attestiert, dass er mit radikalen Abtreibungsgegnern und christlichen Rechtsradikalen sympathisiere. Nach massivem medialen, aber auch politischem Protest, zog Hollemann seine Kandidatur zurück.

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Angebliche Rufschädigung

Jetzt fordert er von dem Zeitungsverlag Schadenersatz, weil er in der Berichterstattung eine Verletzung seines Allgemeinen Persönlichkeitsrechts sieht sowie eine massive Rufschädigung. Das Ganze sei zudem eine große psychische Belastung für seine ganze Familie gewesen. Außerdem sei er fortdauernd diesen Anschuldigungen ausgesetzt, weil die Beiträge weiterhin öffentlich sind. "Das war herabwürdigend", sagt Hollemann.

Der Bürgermeister fordert den Zeitungsverlag auf, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben. Darin soll festgehalten werden, dass der Verlag künftig nicht behaupten dürfe, Hollemann sympathisiere mit radikalen Abtreibungsgegnern oder christlichen Rechtsradikalen. Sollte die Süddeutsche Zeitung dieser Forderung nicht nachkommen, erwägt Hollemann einen Gang vors Gericht. Bis zum 17. Dezember will er eine Stellungnahme von der Gegenseite haben.

Hollemann fühlt sich unfair behandelt

Noch heute spricht der Denzlinger Bürgermeister von einem "unfairen und maßstablosen Umgang" mit ihm. Er sei "Christ und privat passives Mitglied in einer gemeinnützigen und anerkannten Organisation, die sich für Lebensschutz einsetzt". Konkret geht es dabei um seine Mitgliedschaft im Verein "Aktion Lebensrecht für alle". "Alleine die passive Mitgliedschaft reichte der Süddeutschen Zeitung aus, um mir Sympathie für ’christliche Rechtsradikale’ zu unterstellen und mich innerhalb von einem Tag als Fundamentalisten zu diskriminieren", sagt Hollemann. Das entbehre jeder Grundlage. Er habe sich nie rechtsradikal geäußert. Er ist seit langem in der ÖDP aktiv und sei in erster Linie ein Energie- und Umweltfachmann. Ihrer Funktion als Leitmedium sei die Süddeutsche Zeitung mit der Berichterstattung nicht gerecht geworden.

Nachdem seine Kandidatur gescheitert war, habe die Zeitung keine öffentliche Diskussion zugelassen. Auch seien beispielsweise zu dem Thema keine Leserbriefe gedruckt worden. "Ich sehe die Meinungsfreiheit gefährdet, wenn Medien normale Bürger mit Attributen brandmarken, wie Rechtsradikalismus, und dadurch einen Diskurs nicht mehr möglich machen, weil die Person ausgegrenzt wird", sagt Hollemann. Er habe sich den rechtlichen Schritt lange überlegt, und es gehe ihm gar nicht so sehr um seine Person oder das, was seiner Familie angetan wurde. Hollemann sehe sich vielmehr als Kämpfer für die Meinungsfreiheit.

Er stellt die Frage: "Hat ein ’anspruchsvoller’ Pressegoliath wie die SZ das Recht, Menschen, die anderer Meinung als sie selbst sind, derart zu verunglimpfen?"

Anwaltlich vertreten wird der Bürgermeister von Michael Alenfelder, der laut Hollemann ein Antidiskriminierungsspezialist ist. Vom Süddeutschen Verlag war auf Nachfrage bis Donnerstagabend keine Stellungnahme mehr zu erhalten.

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Autor: Max Schuler, aktualisiert um 20.50 Uhr