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28. Oktober 2016

Denzlingen

Denzlinger Gaushaus wird saniert

Rat beschließt 400 000 Euro teure Instandsetzung des denkmalgeschützten Hauses / Diskussion über Mitarbeit von Ehrenamtlichen.

  1. Wenn alles nach Plan läuft, könnte das Gaushaus im kommenden Jahr ein neues Dach erhalten. Foto: Max Schuler

DENZLINGEN. Die Gemeinde Denzlingen investiert in die Vergangenheit und saniert das denkmalgeschützte Gaushaus. Der Gemeinderat hat sich mit einer Mehrheit von 10: 6 für eine Variante entschieden. Das Planungsbüro rechnet in einem Vorentwurf mit Kosten in Höhe von rund 400 000 Euro, wobei die Gemeinde mit Fördergeldern des Landes rechnen kann. Die Ehrenamtlichen werden bei den Sanierungsarbeiten nicht beteiligt, was zu intensiven Diskussionen im Rat geführt hatte.

Die bewilligte Planungsvariante 2b war favorisiert worden sowohl von der Verwaltung als auch vom Runden Tisch, bei dem auch Vertreter des Heimat-und Geschichtsvereins anwesend waren. Die von dem Planungsbüro Hölken-Berghoff GmbH erarbeitete Sanierung sieht eine Instandsetzung des Daches vor, die dringend benötigt sei. Im Keller werden Schadstellen beseitigt, Stützen eingebaut und Holzbalken in der Außenfassade ertüchtigt. Es gibt neue Fenster und Türen. Die Innendämmung wird erneuert.

Im Keller wird zudem ein Notausstieg eingebaut, sodass der Raum für Besucher nutzbar ist. Im Erdgeschoss gibt es einen Durchbruch zwischen zwei Räumen, sodass dort das Herzstück in Form eines 38 Quadratmeter großen Veranstaltungs- und Ausstellungsraums entstehen kann. Die Treppe ins Dachgeschoss wird ausgebaut, es gibt neue Toiletten und neue Eichenfußböden. Ins Dachgeschoss kommen zudem ein Technikraum und die Gasheizung. Architekt Dieter Hölken will diesen Vorentwurf nun weiter ausarbeiten. Sollten die entsprechenden Genehmigungen vom Denkmalschutzamt vorliegen, könnte im Frühjahr beziehungsweise im Sommer 2017 mit der Sanierung des Dachs begonnen werden.

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Einig war sich das Gremium, dass man das Haus erhalten müsse. Doch die Art und Weise sorgte für unterschiedliche Meinungen. "Da schlägt die deutsche Gründlichkeit zu. Wenn wir was machen, dann muss es zu 150 Prozent sein", kritisierte Fraktionssprecher Guido Echterbruch (CDU) die vorgestellte Variante. Innerhalb der CDU-Fraktion war man unterschiedlicher Meinung. Echterbruch bemängelte, dass für die vielen Steuergelder ("Auch Zuschüsse sind Steuergelder."), wenig Nutzfläche im Inneren des Gebäudes entstehe. Zuschüsse seien gut, er hätte es aber lieber gesehen, wenn man versucht hätte, die willigen Ehrenamtlichen einzubinden und so ein paar Tausend Euro an Ausgaben eingespart hätte.

Fördergelder bis zu 50 Prozent möglich

Auch Reiner Uehlin, Fraktionssprecher Bürgerliste FDP, und Thomas Pantel (Grüne) bemängelten, dass Ehrenamtliche bei der Sanierung zu wenig eingebunden seien. Pantel vermisste eine Kostenvariante für den Fall, dass das Haus in erster Linie von Ehrenamtlichen saniert worden wäre.

Rudolf Wöhrlin (CDU) hatte nicht den Eindruck, dass man den Geschichtsverein zu wenig eingebunden habe: "Wir haben das Ehrenamt ernst genommen in den Sitzungen des Runden Tisches". Auch Barbara Nübling, Fraktionssprecherin der Freien Wähler, drängte auf eine Entscheidung und wollte nicht nochmal neue Varianten diskutieren. "Wir drehen uns sonst im Kreis und das Haus verfällt weiter", sagte sie. "Trotz der hohen Kosten können wir uns mit der Sanierung anfreunden", sagte Elfriede Behnke, Fraktionssprecherin der SPD. Das Haus sei ein Teil der Geschichte Denzlingens. Auch Abstriche bei der Barrierefreiheit seien bei so einem Gebäude vertretbar, so Behnke. Volkmar Bensch (Grüne) hätte gerne einen rollstuhlgerechteren Zugang für das Haus gehabt, was mit Mehrkosten verbunden gewesen wäre. Doch sein Antrag fand keine Mehrheit.

"Wir haben in Denzlingen nicht so viele historische Gebäude, das macht das Gaushaus noch wertvoller", sagte Bauamtsleiter Carsten Müller. Er verteidigte die vorgeschlagene Vorgehensweise der Verwaltung, das Haus ohne Mitarbeit des Geschichtsvereins zu sanieren. Fördergelder des Landessanierungsprogramms könnten sonst nicht abgerufen werden, weil die Kriterien keine Mitarbeit von Ehrenamtlichen vorsehen würden. Müller rechnet mit Fördergeldern in Höhe von 50 Prozent. Wenn Denzlingen die Zuschüsse nicht abrufe, würden es andere Gemeinden machen, versuchte Müller das Argument der Einsparung von Steuergeldern zu entkräften. Zudem könnte die Gemeinde haftbar gemacht werden, wenn den Ehrenamtlichen bei den Bauarbeiten etwas passiere. Die Koordination der ehrenamtlichen Helfer würde im Bauamt auch zu erheblichem Mehraufwand führen.

"Wir sind froh, dass nach acht Jahren jetzt endlich etwas passiert und können uns mit dem Beschluss auch anfreunden", sagte Roland Zimmermann vom Heimatverein nach der Entscheidung. Lieber wäre es dem Verein allerdings gewesen, die Gemeinde hätte das Dach professionell saniert und die weiteren Sanierungsschritte wären unter Einbezug von Eigenleistungen geschehen. Reduzierter Aufwand hätte aus seiner Sicht so auch zu reduzierten Kosten geführt.

Autor: Max Schuler