Mach auf die Tür...

Durch die Glastür im Polizeiposten Denzlingen kommt nicht jeder

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Sa, 02. Dezember 2017

Denzlingen

Ohne Klingeln kommt niemand rein: Hauptkommissar Hansjörg Frey öffnet die Tür des Denzlinger Polizeipostens und verrät, wem Einlass gewährt wird.

Wer vor der gläsernen Innentür des Polizeipostens steht, hat die erste Tür schon überwunden. In das Haus an der Schwarzwaldstraße kommen die Besucher, nachdem sie ein paar Stufen nach oben gestiegen sind, durch eine hölzerne Tür, die keinen Durchblick ermöglicht. Einlass gewährt wird erst, nachdem geklingelt wurde, und ausschließlich zwischen 7.30 und 16 Uhr, denn der Posten ist nicht rund um die Uhr besetzt. Im fast quadratischen Vorraum empfängt den Besucher eine Wartebank aus hellem Holz, an den Wänden hängen ein Fahndungsplakat, die zehn goldenen Regeln für ein sicheres Zuhause, die Nummer des Hilfetelefons bei Gewalt gegen Frauen sowie Aufkleber. Die Gewerkschaft der Polizei wirbt für sich und das ansonsten auf Autos zu findende "Kinder haben keine Bremse" klebt hier auch. Im Vorraum trifft den Besucher aber auch der erfahrene Blick der diensthabenden Beamten, die durch eine dicke Glasscheibe gesichert sind. Nicht jedem wird Einlass gewährt. "Das ist auch gar nicht nötig, vielen kann schon mit einer kurzen Auskunft geholfen werden", erklärt Postenleiter Hansjörg Frey. Immer wieder und gar nicht so selten, wie es in Zeiten der Navigationsgeräte vermutet werden könnte, wollen Besucher nur wissen, wo sie eine bestimmte Straße finden. "Andere, die eine rechtliche Auskunft wollen, müssen wir an Juristen verweisen", so der Polizeihauptkommissar. Rechtliche Auskünfte dürfe die Polizei nicht erteilen. "Wenn wir aber beraten können, machen wir das gerne", verspricht er. Die Besucher, denen nach dem prüfenden, durch Lebenserfahrung geschulten Blick, die Tür zu den Diensträumen geöffnet wird, kommen überwiegend aus zweierlei Gründen. Die einen wollen eine Anzeige machen, die anderen sind zu einem Vernehmungstermin vorgeladen. "Dabei halten sich die beiden Gruppen in etwa die Waage", berichtet Frey, der seit 25 Jahren auf dem Posten in Denzlingen tätig ist.

"Vieles, was bei uns zur Sprache kommt, hat Bezug zur Gemeinde", so Frey. Das Fahrrad wurde am Bahnhof gestohlen, das Auto in einer Straße beschädigt: Die Gründe für Anzeigen sind vielfältig. Das gelte auch für die Zeugenvernehmungen. "Da kann es durchaus vorkommen, dass es gar nicht um ein Ereignis mit lokalem Bezug geht", erklärt Frey. So sei es gar nicht so selten, dass Denzlinger Zeugen eines Verkehrsunfalls sind, der beispielsweise auf der Autobahn zwischen Hannover und Magdeburg passiert ist.

Zumeist läuft im Polizeiposten alles in Ruhe ab, so emotional wie in vielen Fernsehserien gehe es auf einem normalen Polizeirevier nicht zu. "Solche Serien schaue ich mir schon gar nicht mehr an", sagt der 56-Jährige. Auch sei es in der Realität kaum möglich, dass immer zwei Kollegen das Gespräch führen. "Wir sind auf dem Posten zu fünft, wenn viel los ist, bekommen wir das nicht hin", erklärt Frey gegenüber der BZ.

Dennoch sind er und seine Kollegen hellwach, haben ein gutes Gespür für die emotionale Lage. "Da lässt man dann schon mal die Tür auf, dass der Kollege im Nachbarzimmer mit einem Ohr dabei sein kann", beschreibt Frey solche Situationen. Es könne auch sein, dass ein zweiter Kollege mit zur Vernehmung gebeten wird, was, wenn das Gegenüber dies nicht will, auch dazu führen kann, dass das Gespräch zu Ende ist.

Wie viel auf dem Polizeiposten los ist, sei ganz unterschiedlich. Manchmal sind drei Zimmer besetzt, finden in allen Räumen Gespräche statt und dann gebe es auch wieder ruhige Tage. So unruhig wie zur Fasnacht in diesem Jahr, als eine angetrunkene Jugendliche in die Räume urinierte, war es in all den Jahren nie. Und Ruhe herrscht, was die dunkle Jahreszeit betrifft, momentan auch an der Wohnungseinbruchsfront. Da höre er aus anderen Landkreisen ganz anderes, so Frey.