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13. März 2010
Durchboxen ohne Gewalt
Erasmus-Gymnasiasten lernen, was man gegen Gewalt tun kann.
DENZLINGEN. Zwei Tage Gewaltprävention liegen hinter der Klasse 6c des Erasmus-Gymnasiums Denzlingen. Die 28 Schülerinnen und Schüler sitzen im Kreis, in der Mitte verschiedene Gegenstände und jeder soll ein Symbol dafür auswählen, was man während des Kurses gelernt hat.
Theresa entscheidet sich für den Boxhandschuh: "Weil klar ist, dass man sich manchmal im Leben halt durchboxen muss." Den zweiten Handschuh hält Tobias auf dem Schoß: "Denn jetzt haben wir gelernt, wie man seine Probleme ohne Gewalt lösen kann."Unter dem Titel "Gewaltprävention – was geht mich das an?" haben sich die 16 Jungs und 12 Mädchen am vergangenen Dienstag und Donnerstag im Karl-Höfflin-Gemeindehaus damit beschäftigt, wie man auf Provokationen richtig reagiert, wie aus Ärgern Mobbing wird und was die Schüler dagegen tun können. Geleitet wurde das Projekt von Schulsozialarbeiter Dirk Morgenroth und den Jugendpflegern Frank Adler und Hilde Bauer. Unterstützung boten die Praktikanten Tobias Ruppert und Krissi Weber von der Katholischen Fachhochschule.
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Schon im vergangenen Herbst war ein erster Kurs mit zwei Klassen der Alemannen-Hauptschule vorausgegangen, ein weiterer wird im Frühjahr mit Schülern der Realschule am Mauracher Berg folgen. So will die Schulsozialarbeit gemeinsam mit der Jugendpflege Denzlingen im Wechsel alle Schulen des Bildungszentrums erreichen.
Ziel des Projekts ist es, präventiv gegen Gewalt vorzugehen und nicht erst dann einzugreifen, wenn sich gewalttätige Strukturen in der Klasse bereits etabliert haben. "Gewalt herrscht zum Beispiel schon, wenn ich mich immer wieder persönlich verletzt oder verbal gekränkt fühle. Spätestens wenn ich nur noch mit Bauchweh in die Schule gehe, läuft etwas schief, und ich muss mir Hilfe holen," erklärt Dirk Morgenroth. Deshalb wird der Kurs gerade für Schüler der 6. Klasse angeboten: Während in der 5. Klasse alles noch ganz neu ist, fahren sich negative Strukturen innerhalb der Gruppe erst allmählich fest.
Um dies zu verhindern, wird den Denzlinger Schülern ein Gespür dafür vermittelt, wo Gewalt anfängt. "Uns geht es darum, dass die Kinder ihre Grenzen kennenlernen," berichtet Hilde Bauer, die mit den Mädchen der Klasse speziell das Nein-Sagen immer wieder übt. Gearbeitet wird in den beiden Tagen nämlich mal in der gesamten Gruppe, mal nach Geschlechtern getrennt. In der Jungsgruppe wird unterdessen diskutiert, in welchen Körperzonen Berührungen im Alltag normal sind und wo sexuelle Gewalt beginnt.
mit Bauchweh in die Schule gehe, läuft etwas schief."
Dirk Morgenroth, Schulsozialarbeiter
Dass aus Spiel Ernst wird, passiert schneller als man denkt. Im Projekt haben die Kinder gelernt, solche Konfliktsituationen verbal und fair wieder zu entschärfen. Und vor allem nicht die Augen zu verschließen, wenn Gewalt passiert. "Hingucken", erklärt Morgenroth " ist das Wichtigste. Man muss früh etwas unternehmen, sonst geht es immer weiter und man trägt bald einen ganzen Rucksack von Problemen und schlimmen Gefühlen mit sich herum. Deshalb mein Rat: Früh Hilfe suchen."
Eine wichtige Ansprechperson bei Problemen ist Dirk Morgenroth selbst. Er unterliegt der Schweigepflicht und ist über Handy oder e-mail für alle Jugendlichen erreichbar, die Hilfe gegen Gewalt suchen. Wer sich zum Thema "Gewaltprävention" informieren möchte, erreicht Morgenroth unter Tel. 0171/4040498 und schulsozialarbeit-drv@web.de.
Autor: Marlen Pfisterer
