Ein hölzerner Zeitzeuge

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Do, 06. September 2018

Denzlingen

Rainer Lege präsentiert am Tag der Heimat in Denzlingen eine mehr als 230 Jahre alte Baumscheibe.

DENZLINGEN. Wo die "historische Baumscheibe" einmal ihren Platz finden wird, ist noch offen. Doch sicher ist jetzt schon: Die Sammlung historischer Daten auf natürlichem Hintergrund, die beim Tag der Heimat am kommenden Sonntag beim Heimethues vom Heimat- und Geschichtsverein erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird, ist ein echter Hingucker. Selbst ohne die Plexiglasscheibe mit der Beschriftung, die erst in dieser Woche geliefert wird, lässt sich das schon erkennen.

"Fünf Jahre ist es her, dass die Eiche, aus der die Scheibe stammt, geschlagen wurde", erklärt Rainer Lege. Eine kurze Zeit im Vergleich zum Alter des Baumes, der 1780 nordöstlich Emmendingens im Gewann "Gebrannte Eiche" gepflanzt worden war. Ein Gewannname, der darauf hinweist, weshalb der Baum 2013 geschlagen werden musste. Ein Blitzschlag hatte ihn getroffen, doch, zum Glück für den Heimat- und Geschichtsverein, nicht in Brand gesetzt. Zur gleichen Zeit war beim Verein schon die Idee der historischen Baumscheibe aufgekommen. "Vorbild war eine deutlich kleinere Scheibe, die wir beim Besuch des Geschichtsvereins in Hohberg in der Ortenau gesehen hatten", so der 76-jährige Lege, den die Idee seither nicht mehr losließ.

"Ewig und drei Tage" musste jedoch nach der passenden Scheibe gesucht werden. Die ansonsten so fruchtbaren Beziehungen, dass "einer einen kennt, der einen kennt", schienen hier nicht zu greifen. Umso überraschender für den Ruheständler, der sich seit rund acht Jahren im Verein engagiert, dass er nach der Rückkehr von einer Reise 2015 die prächtige Scheibe in seiner Garage vorfand. Matthias Bender, ein Bekannter seines Schwiegersohns, hatte die dort abgestellt.

"Zwei Jahre hatte die damals schon gelegen, bei uns bekam sie im Heimethues nochmals drei Jahre, um zu trocknen", so Lege. Damit die Scheibe dabei nicht reißt, war ein Eisenring um sie gespannt worden, der alle paar Wochen nachgespannt wurde. Die Zeit, die das Holz brauchte, benötigten aber auch die Vereinsmitglieder, um die Idee der Beschriftung, aber auch der Präsentation zu entwickeln.

Eine Datensammlung, unterteilt in drei Themengruppen, sollten sich auf der Scheibe wiederfinden. Zum einen Erfindungen und Entdeckungen, ergänzend geschichtliche Ereignisse und Lokalgeschichtliches. Den zeitlichen Rahmen – 1780 bis 2013 – setzten dabei die Jahresringe. "Rund 250 Daten hatte ich, unterstützt von Dieter Ohmberger gesammelt", so Lege. Am Ende sind davon nach mehreren Diskussionsrunden etwa 120 übrig geblieben. Doch wie sollten diese auf der Fläche angeordnet werden? Beim Vorbild war dies sternförmig geschehen. Die rettende Idee steuerte Patrick Dirr bei. Der Chef des Medienhauses Denzlingen, der darüber hinaus bei der Visualisierung half, brachte die Spirale ins Gespräch, mit der dann auch noch die Jahresringe wieder aufgenommen werden. Aufgedruckt werden die historischen Daten auf die Rückseite einer Plexiglasplatte, die mit kleinen Distanzhülsen auf die Baumscheibe montiert wird. Aufgestellt wird die Scheibe, die rund 90 Kilogramm wiegt, mittels Fuß aus Eichenholz, den Udo Reger von der Dienstagsgruppe gefertigt hat.

Immer dienstags trifft sich der Kreis der handwerklich versierten Ruheständler, die das Heimethues samt der historischen Sammlung in Schuss halten. Die Gruppe diskutierte viel über die Details des Baumscheibenprojekts. Noch nicht entschieden ist, ob "Baumscheibenposter" gedruckt werden, was bei einer kleinen Stückzahl auch eine Kosten- und Preisfrage ist. Auch noch nicht klar ist, wo die "historische Baumscheibe", die am Sonntag offiziell enthüllt wird, einen festen Standort findet. "Mein Lieblingsstandort ist das Kultur- und Bürgerhaus, denn dort ist bei hunderten Veranstaltungen viel Publikumsverkehr", so Lege.