"Es gibt Ruhm und Ehre"

Max Schuler

Von Max Schuler

Di, 16. Mai 2017

Denzlingen

BZ-INTERVIEWmit Silke Tebel-Haas über das Europa-Diplom, das die Gemeinde Denzlingen vom Europarat erhält.

DENZLINGEN. Die Gemeinde Denzlingen erhält das Europa-Diplom vom Europarat überreicht. Damit soll der Einsatz für ein vereintes Europa gewürdigt werden. Max Schuler wollte von der Europabeauftragten des Landkreises Emmendingen, Silke Tebel-Haas, wissen, was man mit so einem Diplom anfangen kann und wie diese Auszeichnung einzuordnen ist.

BZ: Denzlingen hat das Europa-Diplom erhalten. Was kann man damit anfangen?
Tebel-Haas: Es gibt Ruhm und Ehre. Die Gemeinde erhält keine konkreten Geldgewinne oder Ähnliches. Dazu muss man sich das vierstufige Preisverleihungssystem hocharbeiten, das Europadiplom bildet die erste Stufe. Erst in der letzten Stufe wird der sogenannte Europa-Preis verliehen. Dann gibt es einen Scheck in Höhe von 20 000 Euro zu gewinnen. Mit dem Geld sollen Jugendliche in Partnerstädte reisen können.
BZ: Bei dem Diplom handelt es sich also eher um eine Urkunde, die im Rathaus aufgehängt werden kann.
Tebel-Haas: Ja. Es soll ein Dankeschön darstellen an die Ehrenamtlichen, die in Denzlingen sehr aktiv die Partnerschaften pflegen und dem Rathaus und seinen Mitarbeitern für ihr Engagement danken. Das Diplom ist schon eine wirklich tolle Auszeichnung für die europäische Arbeit der Gemeinde Denzlingen. In dem Zeitraum von 1955 bis 2012 wurde das Diplom in ganz Europa erst an 600 Gemeinden überreicht (aktuellere Zahlen gab es nicht, Anmerkung der Redaktion). Der Europapreis, also die höchste Auszeichnung, wurde an 70 Städte und Gemeinden verliehen. Es sind also sehr wenige, die ausgezeichnet wurden.
BZ: Etwas ketzerisch gefragt: Werden so wenige Gemeinden mit dem Europa-Diplom ausgezeichnet, weil sich so wenige bewerben, oder muss man da schon was liefern, um das Diplom zu bekommen?
Tebel-Haas: Man muss definitiv etwas liefern und sehr gut aufgestellt sein bei den Partnerschaften. Dazu muss man viele Veranstaltungen mit europäischem Charakter vorweisen und allgemein den europäischen Gedanken verbreiten. Das Ganze wird in einem Fragebogen abgefragt und muss mit Zeitungsartikeln und Veranstaltungen auch belegt werden. Kosten entstehen der Gemeinde keine.
BZ: Den Europapreis 2017 hat die polnische Stadt Lublin erhalten, wo 340 000 Einwohner leben und Beziehungen zu 25 Partnerstädten gepflegt werden. Wie realistisch ist es, dass eine kleine Gemeinde wie Denzlingen die Stufen bis zum Europapreis erklimmen kann?
Tebel-Haas: Die Wahrscheinlichkeit ist nicht besonders groß. Es steht aber nirgendwo in den Statuten geschrieben, dass kleinere Gemeinden keine Chance haben, den Preis zu erhalten. Honoriert wurden in den letzten Jahren eher Großstädte, die deutlich mehr Partnerschaften haben und größere Veranstaltungen aufweisen können. Für Denzlingen könnte daher gelten: Der Weg ist das Ziel.
BZ: Wie viele Gemeinden besitzen das Europa-Diplom im Landkreis?
Tebel-Haas: Neben Denzlingen hat die Gemeinde Herbolzheim 2002 das Europadiplom erhalten. Sie hat bereits den nächsten Schritt getan und 2016 die Ehrenfahne in Empfang genommen. Dafür muss man weiterhin vorweisen können, dass man aktiv im Austausch mit Partnergemeinden steht. Größere Städte wie Emmendingen und Waldkirch haben sich allerdings für das Diplom noch nicht beworben.
BZ: Was müsste Denzlingen machen, um die nächste Stufe zu erreichen?
Tebel-Haas: Denzlingen könnte sich gleich im nächsten Jahr für die Ehrenfahne bewerben, die Bewerbungsfrist läuft am 15. Januar 2018 aus.

Silke Tebel-Haas (46) ist Europabeauftragte des Landkreises Emmendingen. Sie lebt in Denzlingen und engagiert sich ehrenamtlich im Partnerschaftskomitee St. Cyr-sur-Mer und ist dort verantwortlich für den Jugendaustausch und den Séjour Linguistique (Sprachaufenthalt).