Macht auf die Tür...

Freiwillige besuchen hilfsbedürftige Senioren in Denzlingen

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Sa, 23. Dezember 2017

Denzlingen

Offene Türen erwarten die Freiwilligen der AIV in Denzlingen. Sie unterstützen Senioren im Ort bei den unterschiedlichsten Dingen - wo eben Bedarf ist.

"Es brauchte ganz schön Überwindung", sagt die Seniorin, die seit 60 Jahren in Denzlingen lebt. Ohne viel Umschweife erzählt sie, dass es ihr nicht leicht gefallen ist, "die Tür zu öffnen". Das sowohl für den Besuch des Reporters der Badischen Zeitung, als auch beim ersten Mal, als Melanie Weigold bei ihr vorbeikam. Heute ist sie glücklich, den Schritt gewagt zu haben, sich bei der Anlauf-, Informations- und Vermittlungsstelle für bürgerschaftliches Engagement (AIV) gemeldet zu haben, die die Unterstützung durch die 26-jährige Denzlingerin vermittelt hat.

Begonnen hat das alles mit einem Brief, den die Seniorin zu ihrem 80. Geburtstag erhielt. Mit der Gratulation verbunden war auch der Hinweis des Bürgermeisters auf das Angebot der "Helfenden Hände". "Anfangs wollte ich es nicht so wahrhaben", erzählt sie, doch irgendwann sei ihr klar geworden, dass sie im Alter nicht mehr alles alleine schafft. Gut erinnert sie sich noch an ihre damaligen Gedanken. "Wenn du Hilfe brauchst, gehörst du zum alten Eisen. Ohne Hilfe fühlte ich mich immer noch ein bisschen jugendlich." Heute schmunzelt sie über sich selbst.

Für die Vermittlung einer Hilfe über die AIV habe sie sich entschieden, weil die Helfer dann auch versichert sind. "Dass einer Haushaltshilfe bei mir etwas zustößt und sie ohne Versicherungsschutz ist, hätte ich nicht ertragen." So schaute sie zu, wie Melanie Weigold beim ersten Besuch die Vorhänge abhängte. Anfangs war sie skeptisch, ob die junge Frau, dass auch so macht, wie sie es gerne hätte. Mittlerweile ist diese Skepsis aber einem vertrauten Verhältnis gewichen.

"Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden", erklärt Melanie Weigold. Mit der Hilfe für die Seniorin habe sie genau das gefunden, was sie sich vorgestellt hatte. In der Zeitung hatte die Vollzeit-Erzieherin von der AIV gelesen. "Dies könnte der Weg sein, wie ich eine ehrenamtliche Aufgabe finde, die zu mir passt", habe sie damals gedacht und sich bei der Leiterin Lena Hartmann vorgestellt. "Als die dann anrief und erklärte, eine ältere Frau benötige Hilfe beim Ab- und Aufhängen der Vorhänge, konnte ich mir das gut vorstellen", erinnert sie sich. Mittlerweile hat sie dort auch schon den Garten winterfest gemacht und erledigt Einkäufe für die knapp 60 Jahre ältere Frau.

"Ich hätte mir auch einen Nebenjob suchen können, doch das wollte ich nicht", erklärt die junge Frau aus dem Glottertal, die in Denzlingen lebt. Parallelen zu ihrer Arbeit gibt es einige: "Wenn ich etwas mache, so etwas, in das ich auch mein Gefühl hereingeben kann, etwas, bei dem ich gebe und weiß, auf irgend eine Weise bekomme ich auch etwas zurück, dann ist das für mich keine Arbeit", betont sie. Für alles andere, was sie in ihrer Freizeit gerne macht, bleibe noch genügend Zeit.

"Ich weiß, ich kann anrufen, wenn ich Hilfe brauche, das gibt mir Sicherheit", erklärt die Seniorin und Melanie Weigold versichert ihr, "ich sage es schon, wenn es nicht passt oder gerade nicht geht". Die 84-Jährige will ihren Altersgenossen Mut machen, sich bei der AIV zu melden. "Ich weiß doch, dass es vielen so geht wie mir, die ein kleines bisschen Hilfe brauchen", sagt sie. Sie findet es toll, dass es in Denzlingen eine Stelle gibt, die hilft, Hilfe zu finden.

Info: Anlauf-, Informations- und Vermittlungsstelle für bürgerschaftliches Engagement (AIV), Hauptstraße 110, Denzlingen, Tel. 07666/611128, info@denzlinger-fuer-denzlinger.de

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