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06. Juni 2016

Für ein friedliches Zusammenleben

Der Denzlinger Freundeskreis Asyl wird zum Verein.

  1. Pejan Bamerni (von links), Jan-Paul Elchlepp, Katrin Martens, Alexander Gromann-Bross, Christiane Huck-Sofer, Hans-Christian Voss und Bernhold Baumgartner bilden den Vorstand des neu gegründeten Freundeskreis Asyl Vereins Foto: Markus Zimmermann

DENZLINGEN. Seit den 1970er Jahren gibt es in Denzlingen Menschen, die sich in einem Freundeskreis für Asylbewerber organisierten. Nun hat dieser den Status eines Vereins. In nur einer knappen halben Stunde hatten die 42 anwesenden Gründungsmitglieder die Vereinsgründung vollzogen und in kurzer Zeit war dann auch das siebenköpfige Vorstandsteam gewählt.

"Es geht nicht darum, die bisher schon geleistete Arbeit des Freundeskreises umzukrempeln oder völlig neu zu organisieren", erklärte Bernhold Baumgartner für die Initiatoren der Vereinsgründung. Für sie sei der Schritt zum eingetragenen Verein (e.V.) jedoch stimmig, um in bestimmten Dingen als juristische Person auftreten zu können. So könnten nun Spendenmittel akquiriert werden und sei es möglich, verschiedene Aktivitäten besser abzusichern. Zweck des Vereins ist, so der Satzungstext, die Unterstützung von politisch, rassisch oder religiös Verfolgten, von Flüchtlingen und Migranten sowie die Förderung eines friedlichen Zusammenlebens in der Gemeinde und der Integration Zugezogener.

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Schwerpunkt ist dabei die Unterstützung der Menschen, um ihnen das Einleben zu erleichtern. Aufgabe ist es aber auch, die in der Flüchtlingsarbeit Tätigen zu vernetzen und zu unterstützen. Ebenfalls soll durch Öffentlichkeits-, Bildungs- und Kulturarbeit Toleranz gefördert, und damit ein Beitrag zur Völkerverständigung geleistet werden. "Wir haben den Vereinszweck möglichst weit formuliert, um uns in der Arbeit nicht selbst zu beschränken", so Baumgartner. Der Satzungstext ist dem Vereinsregister beim Amtsgericht vorgelegt und für zustimmungsfähig erklärt worden. Gleichfalls sei der Status der Gemeinnützigkeit abgeklärt worden.

Der zukünftige Vorstand werde zwei hoheitliche Aufgaben wahrnehmen: Das seien zum einen Finanzierung und Gemeinnützigkeit und zum anderen die Vertretung des Kreises nach außen. Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen soll dieser "nicht stark auf den Vorstand hin strukturiert sein". Den Schwerpunkt sollen auch weiterhin die Arbeitsgruppen bilden, der Vorstand werde in dem mit ihren Vertretern besetzten Koordinierungskreis mitarbeiten und Entscheidungen sollen auch möglichst in diesem Kreis getroffen werden. "Was sich bisher auch ohne Vereinsstruktur bewährt hat, soll erhalten bleiben", so Baumgartner. Er betonte, dass auch Menschen im Verein aktiv sein sollen und können, die nicht Mitglieder sind. "Wir wollen hier nicht ausgrenzen", so Baumgartner. Eine hohe Mitgliederzahl könne ein deutliches Zeichen sein, weshalb sich die Initiatoren über den unerwartet großen Zuspruch bei der Gründungsversammlung freuten.

In den Vorstand wurden meist einstimmig Pejan Bamerni, Bernhold Baumgartner, Jan Elchlepp, Alexander Gromann-Bross, Christiane Huck-Sofer, Katrin Martens und Hans-Christian Voss gewählt. Die Aufgabenverteilung will das Gremium intern regeln. Der Jahresbeitrag wurde auf zwölf Euro festgelegt, auf Antrag soll eine Reduzierung auf einen Euro möglich sein. Bürgermeister Markus Hollemann gratulierte. Mit der Vereinsgründung sei ein Weg konsequent ans Ziel geführt worden. "Ich wünsche dem Team, dass sie das Boot bei einer segensreichen Arbeit für die gesamte Gesellschaft erfolgreich steuern und freue mich auf die Zusammenarbeit", so Hollemann.

Wöchentliches Begegnungscafé

Auf Initiative des neu gegründeten Vereins finden wöchentlich ein Begegnungscafé, eine Fahrradwerkstatt, ein Gartenbau- und ein Kunstprojekt statt. Etwa 30 Personen geben für mehr als 60 Schüler in Einzel- und Gruppenunterricht in Deutsch. Organisiert werden gemeinsame sportliche Aktivitäten, Ausflüge und Feste. Regelmäßig werden Bildungsangebote zu Recht, Kultur, Gesundheit, Brandschutz, Mülltrennung, Verkehrssicherheit und mehr organisiert.

Begleitet werden die Flüchtlinge bei der Vermittlung von Arbeit unterschiedlichster Art (ehrenamtliche Tätigkeiten, Ein-Euro-Jobs, geringfügige Beschäftigung bis hin zur Vollzeitstelle), vermittelt werden auch Ausbildungs- und Studienplätze, es gibt Hilfe bei der Wohnungssuche, Vermittlung von Sachspenden, Begleitung bei Arztbesuchen und Behördengängen (Asylverfahren, freiwillige Ausreise, Familiennachzug).

Kontakt und Info: freundeskreisasyl-denzlingen.de

Autor: Markus Zimmermann