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03. Juni 2009

"Glauben muss im Herzen sein"

Musical "Vaterherz": Bei Premiere im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus wird tiefgründige Botschaft deutlich.

DENZLINGEN. Die Bibel und Heiligenerzählungen boten schon immer Stoff für literarische und musikalische Aufbereitung. Selbst Andrew Lloyd Webber, eigentlich nie in der Verlegenheit um eine gute Story, ließ sich durch die Erzählung von Joseph und seinen Brüdern inspirieren. Ebenfalls Brüder bilden die Pole in dem Musical "Vaterherz", zu dem Sabine Weber durch das Gleichnis vom verlorenen Sohn inspiriert wurde. Am Pfingstsonntag erlebte das Werk der Komponistin aus dem Elztal im voll besetzten Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus eine begeistert gefeierte Premiere.

21 Verse umfasst das Gleichnis im Lukasevangelium, doch bietet es Stoff für ein abendfüllendes Programm, das mit einem Gospel seinen Auftakt hat. Typisch für diesen Glaubensgesang sind die lebendige Prägung und die inhaltliche Breite zwischen Wehklage und unerschütterlicher Zuversicht. Sabine Weber schlägt einen weiten Bogen – er beginnt mit dem Sündenfall, zu dem die Erlösung durch Jesus den Gegenpol bildet. Die christlich inspitierte Autorin will, das wird vom ersten Moment des Musicals an deutlich, nicht nur eine Geschichte erzählen, sondern eine Botschaft verkünden.

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Geerdet wird diese dann in der biblischen Erzählung vom Vater Aram und den zwei Söhnen Japhet und Joram, die ergänzt wird durch die Liebesgeschichte zwischen dem verlorenen Sohn und Semja, der Ziehtochter Arams von niederem Stand. Eine Ergänzung, die dem Stoff nochmals eine durchaus interessante Aspekterweiterung bietet und durchaus in den Rahmen der gestalterischen Freiheit passt. Dass der verlorene Sohn bei Sabine Weber deutlich besser wegkommt als beim Evangelisten, wo es sich schlicht um einen Verschwender handelt, ist sehr mutig. Die Komponistin macht aus dem Gegenpol zwischen dem Fleißigen und dem Faulen die Gegenpole des Tatkräftigen und des Gelehrten. Den gescheiterten Gescheiten, der den bösen Versuchungen der Welt erlegen ist, wieder in die Arme zu schließen, fällt dem Vater sicher leichter, als den Taugenichts zu lieben. Vielleicht auch erklärt sich so die im Vergleich mit anderen Szenen auffallend kurze Darstellung der Rückkehr in die Arme des Vaters. Der Basarszene hätte diese Kürze besser gestanden.

Wirklich stark sind dagegen die Dispute zwischen den Söhnen oder die Auseinandersetzungen zwischen Japhet und Semja. Die Frage lautet: Gilt es die Regeln, die scheinbar den Lauf der Welt bestimmen, widerstandslos zu folgen oder darf rebelliert werden? Darf man über den eigenen Schatten springen, sich den Erwartungen anderer verwehren oder muss nicht jeder seinen eigenen Weg, seine Identität finden? Gilt das auch für den Glauben, für den es nicht reicht, Traditionen zu folgen? "Glauben muss im Herzen sein", so Semja.

Wirklich stark kommen diese Gedanken in den Dialogen zum Tragen. Für die Textbearbeitung bedankt sich Sabine Weber ausdrücklich bei Robert Linz. Auch in den Duetten kommt noch vieles davon herüber, während die Sologesänge stark von der Sangeskunst der Künstler abhängig sind. Schade, dass es im Gegensatz zu den überzeugenden Fiona Grudszus (Semja) und Falk Döhler (Japhet) daran dem allerdings schauspielerisch starken Darsteller des Vaters Aram (Udo Lange) etwas fehlt. Das inhaltlich kraftvolle Titelstück "Vaterherz" wirkt so eher schwach.

Insgesamt ist die Liebe spürbar, die Sabine Weber mit ihrem Musical einen musikalischen Ausdruck widmet. Der große Hit, der Ohrwurm eben, der auch hängen bleibt, ist jedoch nicht erkennbar. Da Sabine Weber als Mutter von "Vaterherz" jedoch "nicht vor hat, den Broadway zu erobern", spielt dies nicht die entscheidende Rolle. In mehrjähriger Arbeit hat die Bleibacherin ein Werk geschaffen, das sicher andere Bühnen erobern wird und mit seinen Fragestellungen Tiefen erreicht, die manch großen Welterfolgen verschlossen bleiben: Glückwunsch!

Autor: Markus Zimmermann-Dürkop