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10. Februar 2012

"Hier zu leben, das ist schon schön"

BZ-INTERVIEW mit Sophie Shairmen aus North Hykeham, die im Denzlinger Rathaus ein sechsmonatiges Praktikum absolvierte.

  1. Ob mitteleuropäische Zeit oder oder Greenwich Mean Time, die Zeit in Denzlingen ging für Sophie Shairmen viel zu schnell vorbei Foto: Markus Zimmermann

DENZLINGEN. Der Papst war gerade wieder abgereist, als die 20-jährige Sophie Shairmen aus der Grafschaft Lincolnshire nach Denzlingen kam. Knapp viereinhalb Monate später ist ihr Praktikum bei der Gemeindeverwaltung beendet, verbringt sie noch ein paar entspannende Tage bei ihrer Gastfamilie. Unser Mitarbeiter Markus Zimmermann sprach mit der Studentin für Französisch und Deutsch über ihre Erfahrungen.

BZ: Weshalb kamen sie nach Denzlingen zu einem Praktikum bei der Gemeindeverwaltung?

Shairmen: Als Studentin für Französisch und Deutsch muss ich im dritten Studienjahr jeweils ein halbes Jahr in das Land der Sprachen, die ich lerne. Denzlingen hat sich für mich angeboten, weil meine Großeltern schon seit vielen Jahren in der Städtepartnerschaft zwischen Denzlingen und North Hykeham engagiert sind. Ebenso wie meine Gasteltern Marion und Rüdiger Spittler, die mich kennen, seit ich zwei Jahre alt bin. Sie hatten mir angeboten, dass ich die deutsche Auslandszeit in Denzlingen verbringen kann. Ich war auch schon zweimal mit einer Partnerschaftsreise hier, und dann kam von der Gemeindeverwaltung das Praktikumsangebot dazu.

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BZ: Welches waren denn in dieser Zeit ihre Aufgaben bei der Rathausverwaltung hier in Denzlingen?

Shairmen: Ich habe viele Abteilungen im Rathaus selbst kennengelernt. Außerdem habe ich auch in der Mediathek mitgearbeitet und zuletzt im Kultur- und Bürgerhaus. Das war auch für meine Arbeit wichtig, die ich über diese Zeit schreiben muss und in der ich die Einflüsse von Dialekt, aber auch von Anglizismen auf die deutsche Sprache beleuchte. Für beide Aspekte konnte ich auch bei der Arbeit Eindrücke sammeln.

BZ: Ist es ihnen leicht gefallen, nach Deutschland zu kommen und hier zu leben?

Shairmen: Am Anfang habe ich nicht gedacht, dass ich mich hier so schnell integrieren kann. Die ersten zwei Wochen habe ich auch noch meine Familie vermisst. Doch die Menschen hier sind alle sehr nett und freundlich. Sie haben mir viel geholfen und so fühlte ich mich schnell zuhause. Wichtig ist, dass man selbst nicht zuhause sitzen und warten darf, sondern aktiv werden muss. Ich spiele Squash und so bin ich hier auch zum Sport gegangen. Außerdem habe ich in einem Chor mitgesungen. Mit Kollegen, vor allem auch Gleichaltrigen, habe ich manches unternommen, und meine Gasteltern haben dafür gesorgt, dass ich viel zu sehen bekomme.

BZ: Wie war das mit der Sprache, die zu lernen in England ja nicht so üblich ist?

Shairmen: Das stimmt schon. Die englischen Schüler haben es nicht so mit dem Erlernen von Fremdsprachen, weshalb es auch überraschend war, dass hier jeder Englisch spricht. In meiner Klasse haben fünf Schüler Deutsch und vier Französisch gelernt, was aber auch den Vorteil hatte, dass es in einer kleinen Klasse ein intensiver Unterricht war. Da ich mit elf Jahren schon begann, habe ich eine gute Grundlage. Ich bin aber auch überzeugt, dass man, um eine Sprache richtig zu lernen, in dem Land leben muss, in dem sie Muttersprache ist. Die Fremdsprache muss man hören, lesen und sprechen. Das ging bei mir immer flüssiger, ein paarmal habe ich auch in Deutsch geträumt und lustig war es bei einem Ausflug mit den Arbeitskollegen in Straßburg, wo ich denen die Speisekarte übersetzt habe. Französisch hören, deutsch sprechen und englisch denken war aber auch ganz schön verwirrend.

BZ: Wie haben sie diese Grenznähe zu Frankreich und der Schweiz in dieser Zeit erlebt?

Shairmen: Es ist schon etwas Besonderes, einfach ins Auto zu sitzen und über die Grenze zu fahren. Auch, dass man sich keine Gedanken wegen des Geldwechselns machen muss. Wenn ich aber nach Hause komme, freue ich mich auf das britische Pfund. Ich mag es und ich würde es auch vermissen, sollte in England auch einmal der Euro kommen.

BZ: Was sind nun Ihre weiteren Pläne?

Shairmen: In ein paar Tagen fahre ich nach Hause. Doch bald gilt es wieder, den Koffer zu packen. Denn ich werde nach Paris gehen, um an einer Schule den zweiten Teil des Auslandspraktikums zu machen. Was das Ziel meines Studiums ist, weiß ich noch nicht und kann dort wenigstens schon einmal prüfen, ob der Lehrberuf etwas für mich wäre. Aber eventuell werde ich auch Dolmetscherin – und dann könnte es ja sein, dass ich irgendwann in Straßburg arbeiten werde. Weil hier zu leben, das ist schon schön.

Autor: mzd