Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

22. Februar 2017

"Indiana Jones hat mich begeistert"

BZ-INTERVIEW mit dem Denzlinger Filmliebhaber Holger Klitzke, der kürzlich Juryleiter bei einem regionalen Festival war.

  1. Holger Klitzke Foto: Emilia Keller

  2. Der eine liebt Krimis, der andere Romanzen: Bei Filmen sind die Geschmäcker verschieden. Foto: Keller/dpa

DENZLINGEN. Holger Klitzke war beim diesjährigen Regionalen Filmfestival in Offenburg zum zweiten Mal Juryleiter. Emilia Keller erzählt er von seiner Leidenschaft für Filme und was er sich selbst am liebsten ansieht.

BZ: Was ist ein Film, den jeder Mensch einmal gesehen haben muss?

Klitzke: Es kommt darauf an, was die Leute interessiert, was sie mitnimmt. Was heute zeitgemäß ist, ist übermorgen überholt. Ben Hur zum Beispiel ist einer der Filme der 60er-Jahre. Casablanca war ein Film der 40er. Jedes Jahrzehnt, jede Zeit hat ihre Schwerpunkte und ihre Werte – und damit ihre Filme.

BZ: Können Sie überhaupt noch Filme sehen, ohne darüber nachzudenken, wie sie gemacht sind?
Klitzke: Ja, das kann ich schon. Aber mir fällt natürlich vieles auf. Bei The Revenant zum Beispiel – da dachte ich, wer so lange im Wald unterwegs ist, der hat nicht so perfekte Fingernägel. Oder bei Mittelalterfilmen: Niemand hatte im Mittelalter schöne weiße Zähne. Solche Details fallen mir durchaus auf, ich kann mich aber schon auch fallen lassen.

Werbung


BZ: Haben Sie einen Lieblingsfilm?

Klitzke: Jonathan Seagull. Das ist ein Film aus den 80ern, der von einer Möwe handelt, die unabhängig ist. Da waren auch die Aufnahmen technisch interessant. Es ist im Übrigen der Traum jedes Amateurfilmers, einmal einen ganz großen Streifen zu machen. Man fragt sich immer, wie man das am besten machen kann – den Anspruch, einen richtig guten Film zu machen, den hat eigentlich jeder.
BZ: Welcher Film hat Ihnen beim Regionalen Filmfestival in Offenburg am besten gefallen?
Klitzke: Der Film "Alltag im Slum von Mathare Valley" hat den ersten Platz gemacht. Er handelt vom Leben in einem Slum in Nairobi. Technisch war der Film wirklich gut gemacht – und auch die Bilder waren beeindruckend: Am Boden hat man den Dreck und Müll gesehen und oben drüber hing die frisch gewaschene weiße Wäsche.
BZ: Was macht einen guten Film aus?

Klitzke: Ein guter Film setzt sich zusammen aus der Story, der Aufnahme und der technischen Bearbeitung und Umsetzung. Der Einsatz von Technik ist kein Allheilmittel: Eine teure Kamera ist nicht unbedingt eine Garantie. Sie macht vielleicht gute Aufnahmen – aber die passende Idee und die gute Umsetzung machen erst den Film. Vor allem eines muss bedacht werden: Film ist ein Gemeinschaftswerk. Nicht jeder kann Filme gut machen – aber jeder kann sich öffnen für gute Ideen. Man muss beim Filmemachen akzeptieren können, wenn jemand etwas besser kann als man selbst.

BZ: Woher kommt Ihre Filmleidenschaft?

Klitzke: Durch ein Sonderangebot für ein Filmset: Eine Kamera, Film, einen Projektor und ein Buch, wie man richtig filmt – alles, was man so brauchte. 1973 war das, meinen ersten Film habe ich am selben Tag auf der Messe Freiburg gedreht. Ich habe dann später vor allem mit meinen Kindern Filme gemacht. Meine Tochter hat sich immer gefürchtet, wenn sie im Fernsehen einen etwas düsteren Film gesehen hat – ich wollte, dass sie versteht, dass Filme nicht echt sind und wie sie funktionieren.

BZ: Welche Art von Film machen Sie selbst am liebsten?
Klitzke: Ich habe früher vor allem in der Familie gefilmt. Aber auch Reisefilme mache ich nach wie vor gerne. Das ist aber nicht einfach – man kann im Fernsehen täglich Dokumentationen über jedes Land, jede Landschaft sehen. In einer solchen Qualität kann man das selbst natürlich nicht machen. Ich mache diese Reisefilme eigentlich vor allem für mich.Wichtig ist, dass man begreift, dass der Mensch, der einen Film macht, mit Herzblut arbeitet – deshalb kritische Bemerkungen mit Vorsicht anbringen.

BZ: Was war Ihre bislang beste Idee für einen Film?

Klitzke: Die Filme mit meinen Kindern sind mir vor allem in Erinnerung geblieben. Kürzlich habe ich mit meiner Enkelin und meinen Nichten einen Film gedreht, der "Kleine Kandelhexen" heißt – das war eine gute Idee. Mir ist dabei auch immer noch wichtig, den Kindern zu zeigen, wie das funktioniert und umgesetzt wird.

BZ: Welche Filme sehen Sie privat am liebsten?
Klitzke: Abenteuerfilme und nordeuropäische Krimis sehe ich am liebsten – Indiana Jones hat mich immer begeistert. So etwas wie Rosamunde Pilcher kann ich mir wiederum nicht ansehen, das überlasse ich anderen.

Holger Klitzke (65) lebt in Denzlingen und ist seit vielen Jahren Mitglied im Filmclub Breisgau. Vor kurzem war er zum zweiten Mal Juryleiter beim Regionalen Filmfestival Baden in Offenburg.

Autor: bz