Mal träumerisch, mal fetzig

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Fr, 13. Oktober 2017

Denzlingen

Helmut Lörscher und Axel Kühn bringen mit ihrem Quartett Jazzmusik in die Denzlinger Kulturwoche.

DENZLINGEN. Hohe Spielkultur, Virtuosität und stilistische Vielfalt erlebten am Mittwoch die Gäste der Jazznight mit dem Quartett von Axel Kühn und Helmut Lörscher bei der Denzlinger Kulturwoche. Dass Jazz im Kommen ist, merkte man daran, dass der große Saal im Kultur- und Bürgerhaus komplett gefüllt war – mit Besuchern aller Altersstufen. Neben exzellenter Musik gab es auch ein interessantes Lichtdesign, von Sebastian Anders kreiert, zu erleben.

Axel Kühn ist der Romantiker im Quartett. Sein Saxophonspiel hat etwas Poetisches. Mit Blicken und kleinen Bewegungen lenkte Kühn die anderen drei Musiker und gab bei seinem Solo beim ersten Stück "I Hear a Rhapsody", mit dem er viel Applaus erntete, mit einem kurzen Kopfnicken an Pianist Helmut Lörscher weiter. Der Mann am Klavier ist der Tempogeber des Quartetts, er bringt die Spannung ins Spiel. Seine Finger eilten mit virtuosem Geschick über die Tasten, sein Körper tanzte dazu am Flügel. Beide Musiker sind Professoren an der Freiburger Musikhochschule und standen schon 2016 in Denzlingen gemeinsam auf der Bühne. Ihr Spiel passt zusammen, die Unterschiede bringen Farbe und Abwechslung ins Spiel. Zu hören war Bewährtes aus dem Repertoire des Quartetts, aber auch neu Einstudiertes sowie Eigenkompositionen. "Es ist immer sehr erfrischend, alles zu spielen", sagte Kühn über die eigene Kompositionen mit dem Titel "Axel‘s Rose for a blue Lady", ein sanftes, verträumtes Werk. Groß raus kamen bei "Teen-Town" Bernd Heitzler am Bass und Drummer Daniel Schay. Stetiger Augenkontakt garantierte ein gelungenes Zusammenspiel. Nicht nur das fachkundige Publikum, sondern auch Kühn und Lörscher verneigten sich vor dem Können mit einem stürmischen Applaus. "Avallone – fast ein Kanon" war der Titel einer etwas älteren Komposition von Helmut Lörscher, in die er mit zaghaften Klavierklängen einstimmte.

Vor der Pause boten die Musiker dann ein "Cherokee" von Ray Noble – eigentlich eine Ballade, doch im vierfachen Tempo gespielt ein Stück, das Durst für die Pause machte. "Das Werk muss man ein Leben lang üben", gestand Lörscher.

Nach der Pause standen zwei Uraufführungen, komponiert von Lörscher, auf dem Programm. Ihre Titel: "Fast - Not Furious" und "Harmonies du Soir". Brillant waren dabei die solistischen Einlagen der Musiker. Über die Geschwindigkeitsrekorde, die alle aufstellten, konnte man nur staunen. "All the Things you are" von Jerome Kern und "Love is here to stay" von George Gershwin folgten. "Vor Musikern, die solchen Jazz komponieren, können wir uns nur verneigen", sagte Lörscher. Zum Schluss gab es nochmals Jazz von einer anderen Seite – ein moderner, vitaler Jazz, komponiert von Axel Kühn. Seine Zuhörer in den vollgefüllten Stuhlreihen dankten mit herzlichem Beifall.

Als Zugabe gab es das Lied "Busstop", komponiert von Axel Kühn. Mit Trommelwirbel, sprudelnden Klavierklängen und fetzigem Saxophon-Sound wurden die Gäste in die Nacht entlassen.