"Markierten auch Konfessionsgrenzen"

kcr

Von kcr

Di, 09. August 2016

Denzlingen

BZ-INTERVIEW mit Dieter Ohmberger und Dirk Glembin, die eine historische Wanderung entlang von Grenzsteinen führen.

DENZLINGEN. Vorbei an alten Stollen und Reben, hoch auf den Einbollen und immer entlang der ehemaligen Grenze zwischen Baden und Vorderöste

rreich führt am kommenden Sonntag die Grenzsteinwanderung des Schwarzwaldvereins und des Heimat- und Geschichtsvereins Denzlingen. Warum die Grenze früher so wichtig war, was eine Pinge ist und wieso Grenzstein nicht gleich Grenzstein ist, erzählen die Wanderführer Dieter Ohmberger und Dirk Glembin im Gespräch mit Kim Cara Ruoff.

BZ: Was hat es mit den Grenzsteinen und der ehemaligen Grenze auf sich?

Glembin: Vor 1792 gab es viele Konflikte, weil der Grenzverlauf zwischen Baden und Vorderösterreich nicht genau geklärt war. Manchmal ging es alleine darum, wer sein Holz auf der falschen Seite geschlagen hat. Um die Grenze genau festzulegen und territoriale Streitfragen schnell schlichten zu können, wurden daher 1792 die Grenzsteine aufgestellt.

Ohmberger: Zudem markierten die Grenzsteine nicht nur eine territoriale Grenze, sondern auch eine Konfessionsgrenze zwischen dem katholischen Vorderösterreich und dem evangelischen Baden, die von den Menschen bis vor 60 Jahren noch sehr ernst genommen wurde. Ich kann mich noch daran erinnern, als ich meinen Eltern als junger Bub meine erste Freundin vorstellte. Die erste Frage: "Ist sie katholisch oder evangelisch?". Heute unvorstellbar, aber damals gab es beispielsweise auch zwischen Glottertal und Denzlingen, die durch die Grenze getrennt wurden, nur wenig Kontakt oder kulturellen Austausch.

BZ: Woher kam die Idee, den Grenzsteinen eine gemeinsame Wanderung zu widmen?

Ohmberger: Wir haben vor fünf Jahren bereits eine Grenzsteinwanderung gemacht, damals jedoch nur auf einem Teil der gesamten Strecke. Dass wir den zweiten Teil auch noch erkunden möchten, stand schon damals fest – und nach viel Vorbereitung freuen wir uns darauf, dass es endlich so weit ist.

Glembin: Das stimmt. Wir waren lange auf der Suche nach der passenden Route und sind sicherlich viermal den Einbollen hoch und wieder runter gewandert. Die Grenze verläuft schließlich nicht immer an den großen, ausgeschilderten Wegen, sondern auch mal auf kleinen Trampelpfaden oder mitten durch den Wald.

Ohmberger: An manchen Stellen wird der Wald sogar so dicht, dass man sich vorkommt wie im Urwald.

BZ: Haben sie einen Lieblingsort auf der Wanderung?

Glembin: Für mich ist es das Einbollen-Plateau, weil man von dort einfach einen tollen Ausblick hat. Zudem ist es alleine dadurch etwas Besonderes, dort oben zu stehen, weil der Weg hin zum Plateau nicht beschildert ist.

Ohmberger: Interessant sind auch die vielen eingestürzten Bergbauschächte, auch Pingen genannt, an denen wir vorbeikommen werden und die Dreimärker.

BZ: Was sind Dreimärker?

Ohmberger: So nennt man Grenzsteine, die einen dreieckigen Querschnitt besitzen. Von diesem gibt es zwei auf unserer Route. Sie stehen dort, wo die Grenze einen rechtwinkligen Knick macht.

Glembin: Generell ist jeder Grenzstein etwas Besonderes. Von Hand aus Felswänden gemeißelt, sind sie nicht nur schwer, sondern auch Unikate.

BZ: Wie viele Grenzsteine gibt es auf der Route?

Glembin: Insgesamt 135 Steine, aber es sind nicht alle so gut sichtbar. Manche sind mit Moos bewachsen oder zur Hälfte im Boden versunken. Andere liegen unter Geröll und geschlagenem Holz. Trotzdem sind viele zu sehen und es gibt viele Geschichten, die man über die Grenzsteine erzählen kann. Deshalb rechnen wir auch mit knapp zweieinhalb Stunden Wanderzeit.

Ohmberger: Es ist auf jeden Fall kein Spaziergang (lacht). Aber wir werden genügend Pausen machen, sodass sicherlich niemand verloren geht.

Info: Die Grenzsteinwanderung der beiden Vereine ist kostenlos und beginnt am kommenden Sonntag, 14. August, um 13.30 Uhr. Treffpunkt ist der Wanderparkplatz "Am Einbollen". Eine Anmeldung ist nicht nötig.