Mehr Vielfalt im Betreuungsangebot

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Mo, 06. März 2017

Denzlingen

Denzlinger Eltern wünschen sich für künftigen Kindergarten Montessori-Pädagogik – und einen nicht-konfessionellen Träger.

DENZLINGEN. Wo genau in ein paar Jahren ein neuer Kindergarten in Denzlingen gebaut wird, ist noch offen, wahrscheinlich wird es im Gebiet Käppelematten sein. Schon jetzt ist jedoch die Diskussion eröffnet worden, wem der Gemeinderat die Trägerschaft übertragen soll. Unter den Eltern gibt es den Wunsch, dass in der neuen Einrichtung ein anderes als die vorhandenen pädagogischen Konzepte angeboten wird. Auch wird ein nicht konfessioneller Träger gewünscht.

Mit einer Annonce haben die Eltern der Kinderkrippe im Sommerhof zu Weihnachten ihren Wunsch ganz deutlich gemacht. Neben dem Dank an das pädagogische Personal stand dort auch der Wunsch an das Christkind, es möge eine Folgeeinrichtung, eben einen Kindergarten in Denzlingen, bringen, der sich an der Montessori-Pädagogik orientiert. Es geht den Eltern vorrangig um das pädagogische Konzept. Weder im offenen Konzept der evangelischen Kindergärten, noch in dem der katholischen mit Stammgruppen sehen sie ihre Kinder so gefördert, wie sie es sich, nachdem sie die Montessori-Krippe erlebt haben, für die Jahre von Drei bis zum Schuleintritt vorstellen. Wie stark der Wunsch nach dem anderen pädagogischen Ansatz ist, verdeutlicht Vivien Schirpke. "Wir haben unseren Sohn in Freiburg angemeldet, würden den Weg auf uns nehmen", betont sie. Zugleich sei jedoch die Chance, dort einen der begehrten Plätze zu bekommen, nicht sehr groß. Dass es in dieser Frage nicht darum geht, wer der Träger der Einrichtung ist, betonen die Eltern. Auch ein katholischer oder evangelischer Kindergarten könne sich an der Montessori-Pädagogik ausrichten. Andererseits könne eine Trägervielfalt der Gemeinde sicher nur gut tun. So sehen Eltern mit einem neuen Kindergarten auch die Chance, das bisher von kirchlichen Trägern abgedeckte Angebot auch diesbezüglich zu erweitern.

1914 hatte der Kindergarten St. Josef als erste Einrichtung dieser Art den Betrieb aufgenommen. Damals wurde er vor allem gegründet, um Frauen aus Arbeiterfamilien die für den Lebensunterhalt notwendige Berufstätigkeit zu ermöglichen und in der Erntezeit auch Bauernfamilien von der Kleinkindbetreuung zu entlasten. Seither wurde jeder neue der heute sechs Kindergarten der katholischen oder evangelischen Kirchengemeinde anvertraut.

Dass das so bleiben soll, steht für Claudia Heckhausen, Gesamtleiterin der evangelischen Kindergärten in Denzlingen, außer Frage. "Wir interessieren uns für die Trägerschaft in einer neuen Einrichtung." Sie macht keinen Hehl daraus, dass sich die evangelische Kirche bewerben wird. Mit Mitbewerbern müsse gerechnet werden.

Verein Kinder-U3

hat Interesse

"Wir vom Verein sind bereit, diese Aufgabe zu übernehmen", erklärt Richard Hilpert, dass auch der Verein Kinder-U3 ernsthaftes Interesse an dieser Aufgabe hat. Der Verein betreibt neben der Krippe im Sommerhof noch zwei weitere in Denzlingen und eine im Glottertal. Dass dann in dem neuen Kindergarten das Montessori-Konzept umgesetzt wird, ist für den Vorsitzenden des Vereins, der viele Jahre als Kindergartenbeauftragter der katholischen Kirchengemeinde tätig war und in der Seelsorgeeinheit an der Glotter auch noch für zwei Kindergärten zuständig ist, eine naheliegende Überlegung. Die Übertragung der Verantwortung an den Verein wäre ein Schritt zu mehr Trägervielfalt. Für diese sehen die Eltern, die die Initiative angestoßen haben, über die Vielfalt an pädagogischen Konzepten hinaus auch noch andere gute Gründe. Die Gesellschaft habe sich verändert, rund ein Drittel der Denzlinger sei heute nicht mehr konfessionell gebunden. Sie finden es daher an der Zeit, dass sich dies auch bei den Trägern der Kindergärten widerspiegle. Für die Eltern ist dabei ganz wichtig, dass ihr Anstoß nicht als Affront gegen die kirchlichen Träger verstanden wird, sondern als Anregung, neben diesen mehr Vielfalt zu bieten. Entscheiden wird letztlich der Gemeinderat.