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26. April 2010 14:48 Uhr

"Nazareth" – taufrisch in Denzlingen

Der musikalische Geist der 70-er Jahre war beim Auftritt der schottischen Kultband "Nazareth" im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus zu spüren. Dem Publikumgefiel’s bestens.

  1. „Nazareth“ im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus Foto: Frank Berno Timm

  2. Sänger Dan MacCafferty Foto: Frank Berno Timm

  3. Pete Agnew ist kein "Rock-Opa", sondern ganz schön lebendig. Foto: Frank Berno Timm

"Love hurts" (Liebe verletzt, schmerzt, tut weh) – bis zu diesem "Nazareth"-Hit dauerte es am Samstag im Kultur- und Bürgerhaus immerhin fast zwei Stunden. Sehr viel länger währte das Konzert der schottischen Kultband – Sänger Dan McCafferty, Gitarrist Jimmy Murrison, Bassist (und Sänger) Pete Agnew, Drummer Lee Agnew – auch nicht.

Das Parkett des Hauses war leergeräumt, Sitzplätze gab es nur auf der Empore. Ausverkauft war es nicht, es hätten sicher noch einmal 100 Leute mehr hineingepasst. Unter den Besuchern viele Fans – sie erzählten von vergangenen "Nazareth"-Auftritten in Hausach oder im Freiburger Jazzhaus. Hier und dort war zu hören, ein "Nazareth"-Konzert mache jung, die Erinnerung an die Musik der siebziger Jahre werde noch einmal lebendig. Doch der Zuhörer hat nicht den Eindruck, dass die Band nun im "Oldie-Fach" angekommen wäre – obwohl es Radiosender gibt, die "Love hurts" oder "Dream on" (träum’ weiter – wobei das gewiss nicht abfällig gemeint ist) regelmäßig spielen und sich darauf beschränken.

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"Nazareth" ist ein Quartett aus immer noch wild wirkenden Kerlen. Die Musiker haben ungemein Spaß an virtuosen Gitarre-/Bass-Riffs und bewegen sich auf musikalisch sehr hohem Niveau. Dabei blicken sie künstlerisch auch über den Rock-Tellerrand: Das Vorspiel aus dem Off war eine deutliche, sehr schöne Reverenz an die Welt der arabischen Musik. Zwischendrin blitzte ein Hinweis auf "The Bonnie Banks o' Loch Lomond" auf, eine bis in den Jazz hinein gepflegte schottische Tradition.

Das größte Kompliment, das man "Nazareth" machen kann: Vielleicht abgesehen, von den Gitarrensoli Jimmy Murrisons, die zu sehr an den Siebzigern "kleben", spielt "Nazareth" in einer Liga, in der sich nur die Originale bewegen. Kein Zweifel, sie haben zusammen mit einer Reihe anderer Gruppen die Fundamente für vieles gelegt, was sich heute im Hard Rock tummelt. Und sie stehen, wenn auch nicht in der aktuellen Zusammensetzung, seit 1968 auf der Bühne. Dass man die seit über vier Jahrzehnten anhaltende Karriere auf den Bühnen dieser Welt merkt, liegt auf der Hand. Sänger Dan McCafferty – sehr schade, dass seine Stimme so fahl, manchmal fast wie zerstört wirkte – muss man nicht erklären, wie man ein Publikum gewinnt. Der Kontakt funktionierte in Denzlingen von Anfang an, das Publikum ging begeistert mit.

Die Beschallung war eine wirklich starke Alternative zu den sich immer mehr ausbreitenden Kleinlautsprechern in Computern, Handys und Mp3-Playern – allzu häufig kann man die Kraft großer Lautsprecher nicht mehr spüren, die einem im KuB schon durch und durch ging.

Natürlich beherrschen die Schotten auch die Dramaturgie eines "Gigs": Sie wissen, wann die Post abgehen muss und wann sich die Leute wieder bei einem langsamen Titel ausruhen wollen. Sie streuen Hits wie "White Bicycle" ein, sie beherrschen Balladen, die Spannung aufbauen. Mit "Love hurts" schloss sich der Kreis: "Nazareth" – immer noch ein Erlebnis.





Autor: Frank Berno Timm