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10. August 2016

Schlüssel zur Vergangenheit

Grabungen am Mauracher Berg in Denzlingen stehen vor Abschluss / Heute erläutern Experten Funde.

  1. Grabungsleiter Benjamin Hamm (links) bespricht mit den Studenten, wo das Mauerwerk weiter freigelegt werden soll, während andere mit kleinem und großem Werkzeug schon graben Foto: Markus Zimmermann               

  2. Konzentriert legt Samira Fischer im Grab gefundene Perlen mit einem Spatel frei Foto: Markus Zimmermann

DENZLINGEN. "Wenn ich so etwas Besonderes finde, höre ich doch nicht auf." Die Worte von Samira Fischer verdeutlichen den Enthusiasmus, mit dem bei der Sankt Severins Ruine nach Spuren der Vergangenheit gesucht wird. Selbst von einsetzendem Regen und dem bereitstehenden Mittagsmahl lässt sich die Archäologiestudentin nicht ablenken. Ein Ende der Grabungen ist dennoch absehbar. Die sechste wird definitiv die letzte Grabungsperiode auf dem Mauracher Berg sein.

Interessierte haben damit nur noch bis zum Abschluss der aktuellen Grabungen am 19. August die Möglichkeit, sich die Funde anzuschauen. "Wir haben eine Mauer gefunden, die wir zwar vermutet hatten, deren Existenz aber auf den Bildern der Untersuchungen mit dem Georadar nicht erkennbar war", sagt Grabungsleiter Benjamin Hamm. Im Nachhinein ist das für ihn auch erklärlich, denn über der Mauer eines frühen Bauwerks lag der Schutt der zusammengefallenen Kapelle von 1497 nicht nur dünn, sondern mit einer Mächtigkeit von bis zu eineinhalb Metern. Da hatte das Bodenradar, mit dem 2014 die Fläche systematisch untersucht worden war, schlicht und einfach keine Chance mehr, Erkennbares zu zeigen.

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Dafür sprechen jetzt die Steine und weisen darauf hin, dass es sich bei der Mauer nicht nur um eine bloße Stützmauer gehandelt haben dürfte. "Die Mauer ist zu anspruchsvoll ausgeführt, auf einem Fundamentgraben ruhen optisch ansprechende Steinreihen", so Hamm.

Fundstücke bestätigen Vermutungen

Da von der großen Quadermauer nicht mehr allzu viel übrig ist, lässt sich vermuten, dass Steine daraus anderswo genutzt wurden. Eine Zweit-, sogar eine Drittnutzung, in Mauern auf dem Berg, eventuell aber auch in alten Denzlinger Gebäuden, will Hamm nicht ausschließen. Mit der jetzt freigelegten Mauer jedenfalls ist eine Befestigung unabhängig von den beiden Kirchenbauten wahrscheinlich und hat sich bestätigt, was aufgrund der urkundlichen Erwähnung von vor der ersten Jahrtausendwende vermutet wurde und letztlich die Grabungen angestoßen hatte.

Nachgewiesen wurde bei den jüngsten Grabungen jetzt auch, dass Mauern der älteren Kirche in den Bau der jüngeren mit einbezogen wurden. Was lange vermutet wurde, zeigt sich nun klar am Verbund von älterem Fundament mit den neueren Süd- und Nordmauern.

In den kommenden Tagen bis zum Ende der Grabungen will das Grabungsteam aus sieben Studierenden und Hamm, dem sich auch immer wieder Professor Sebastian Brather anschließt, an weiteren Stellen den Boden öffnen. "Gesucht werden eventuelle Verbindungen zwischen freigelegten Mauern oder Ecken, aus denen sich dann weitere Rückschlüsse auf die Bebauung ziehen lassen", so Hamm.

Gesucht wird aber auch eine Möglichkeit, wie nach dem endgültigen Abschluss der Grabungen die Ergebnisse dargestellt werden können. Der Idee, die Ausgrabung geöffnet zu lassen und mit einer Glasplatte zu überdecken, erteilt Hamm eine klare Absage. Dass eine solche Lösung sehr teuer wäre, spielt dabei für ihn keine Rolle. "Auch unter der Glasplatte sind die Mauern stark den Umwelteinflüssen ausgesetzt und sie wären bald zerstört", spricht er sich eindeutig für eine Überdeckung mit Erdreich aus. Alternativ wird an die Markierung der Funde an der Oberfläche gedacht. Mit farbigem Kies könnte deren Lage nachgezeichnet werden. Virtuell wird auch dann noch die offene Ausgrabung besucht werden können. Zugangsschlüssel ist ein QR-Code auf einer Tafel an der Ruine der Kapelle.

Info: Wer die Funde erläutert haben möchte, hat dazu am heutigen Mittwoch, 10. August, bei einer Führung von 17 Uhr an Gelegenheit.

Autor: Markus Zimmermann