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27. März 2010

Seelsorge ist kein Einheitsbrei

In den fünf Pfarreien der Seelsorgeeinheit an der Glotter sehen die Verantwortlichen Unterschiede als bereichernd.

  1. Petra Maas und Pfarrer Hermann Vogt präsentieren das Pastoralkonzept für die Gemeinden und die Seelsorgeeinheit Foto: Zimmermann-Duerkop

RAUM DENZLINGEN. Vor sieben Jahren haben die Pfarrgemeinden, die zur Seelsorgeeinheit an der Glotter zusammengeführt wurden, einen Kooperationsvertrag geschlossen. "Das war der Rahmen, den wir nun mit der Pastoralkonzeption mit Inhalt füllen", erklärt Pfarrer Hermann Vogt anlässlich der Vorstellung des Konzeptpapiers. "Ein Papier, das deutlich auch die unterschiedlichen Profile der Gemeinden betont", so Petra Maas.

Für die Vorsitzende des gemeinsamen Ausschusses und den Pfarrer ist das Papier damit auch ein Zeichen in Richtung Ordinariat. "Die Seelsorgeeinheit als Einheitsbrei ist nicht vorstellbar, weshalb die Pastoralkonzeption für die Seelsorgeeinheit vor allem eine Pastoralkonzeption der Gemeinden ist", erklärt Petra Maas. Die in Freiburg im Ordinariat angestrebte Reform, die von 2015 an nur noch einen Pfarrgemeinderat und einen Stiftungsrat für die Seelsorgeeinheit vorsieht, ist für beide nicht hinnehmbar. Die geplanten Gemeindeteams, die "minimale Hilfsarbeiten übernehmen sollen", so Vogt, könnten dem Anspruch pastoraler Arbeit nicht gerecht werden. Für Vogt unakzeptabel ist zudem, dass diese Gremien dann nicht mehr durch Wahl der Gemeindemitglieder zustande kommen sollen, nur noch der Pfarrgemeinderat für die Seelsorgeeinheit gewählt werden soll.

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"Drei Jahre wurde an der Konzeption gearbeitet, in der die Beschreibung der jeweiligen Besonderheiten der Gemeinden und ihr gesamtgesellschaftlicher Hintergrund eine wichtige Rolle spielt", erklärt Pfarrer Vogt. Es sei entscheidend für die Arbeit in der Gemeinde, ob es sich, wie in Denzlingen und Vörstetten, um sehr junge katholische Gemeinden in einem traditionell evangelischen Gemeinwesen handelt, oder ob es, wie in Glottertal, Heuweiler und Reute, gewachsene Pfarreien in katholische Gemeinden sind. "Das Pfarrleben Vorort bestimmt die Unterschiede in den pastoralen Konzepten", so Vogt. Erst die gegenseitige Wertschätzung auch der Unterschiede ermögliche es, gut unter einem Dach zusammen zu leben, ergänzt Petra Maas.

Wie diese Bewahrung der Individualität der Gemeinden in der Kooperation gut funktionieren kann, habe sich bereits in verschiedenen Aufgaben gezeigt. "Wir haben die Gottesdienstzeiten abgestimmt", so Vogt. Auch unter dem Aspekt, dass die Zahl der Sonntagsgottesdienste insgesamt reduziert werden konnte. Gemeinsam werden die Kinder auf die Erstkommunion vorbereitet, ohne örtliche Spezifika außer Acht zu lassen. " Das wird von den Eltern auch gelobt, weil Kontakte über die Pfarrei hinaus bereichernd empfunden werden", so Vogt. Ähnlich werde auch bei der Firmvorbereitung verfahren, bei der es gelungen sei, ganz unterschiedliche Traditionen gut zu harmonieren.

Taufkatechese, Familien und Jugendarbeit, Sternsinger, spirituelle Angebote und Diakonie – Aufgabenfelder gibt es genug und auf die im Auftrag zur Erstellung einer Pastoralkonzeption für Seelsorgeeinheiten gestellte Frage des Bischofs, wovon man sich verabschieden könne, gebe es nur die Antwort: von nichts. Eine spezifische Herausforderungen für die kommenden Jahre sei für Reute der Bau des neuen Gemeindehauses, ansonsten gehe es vor allem um Konsolidierung. Die Pastoralkonzeption benennt Eckpunkte und Ziele, an denen die neuen Gemeinderäte, die sich demnächst konstituieren, gut weiterarbeiten können. Weiterarbeiten heißt in diesem Fall auch über 2015 hinaus, "so es uns gestattet wird", so Pfarrer Hermann Vogt. Zumindest eines sei aber sicher. Die Seelsorgeeinheit müsse nicht damit rechnen, dass ihr im Zuge der geplanten weiteren Zusammenfassung von Gemeinden noch weitere Gemeinden zugeschlagen werden. "Wir sind schon groß genug", so Pfarrer Vogt.

Autor: Markus Zimmermann-Dürkop