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01. Februar 2012

"So etwas gab es in Denzlingen noch nie"

BZ-INTERVIEW mit "Anatevka"-Initiatorin Rußer-Grüning.

  1. Hat gut lachen nach dem großen Erfolg des Musicals Anatevka in Denzlingen: Petronella Rußer-Grüning. Foto: Frank Kiefer

DENZLINGEN. Der letzte Vorhang ist am Sonntag für das Erfolgsmusical "Anatevka" in Denzlingen gefallen. Insgesamt fünf Aufführungen waren im Kultur- und Bürgerhaus seit der Kulturwoche im Oktober ausverkauft. Über sieben Monate waren die Akteure für dieses Großprojekt eingespannt. Mit der Initiatorin Petronella Rußer-Grüning, Denzlinger Kulturpreisträgerin des Jahres 2009, sprach Frank Kiefer nach der letzten Aufführung am Sonntag.

BZ: Wie kamen Sie auf die Idee, "Anatevka" in Denzlingen aufzuführen? Hätten Sie gedacht, dass es zu einem solch großen Erfolg wird?

Petronella Rußer-Grüning: Dass es zu einem Erfolg wird, habe ich gewusst. Ich selbst war ein Jahr lang mit dem Stück auf Tournee und habe eine der Töchter gespielt. Ich weiß, dass der Stoff gut ankommt, gerade mit der Doppeldeutigkeit und diesem jüdischen Humor. Andererseits ist da auch eine starke Dramatik. Diese zieht die Zuschauer in ihren Bann. Dann habe ich überlegt, wie ich es mache, dass so viele Denzlinger wie möglich unter einen Hut zu kriegen sind. Die Solisten hatte ich schon in meinem Kopf, da habe ich einen Stamm an Sängerinnen und Sängern. Über die Musik wollte ich den Musikverein ins Boot holen mit Harald Aigeldinger. Und auch das Akkordeon. Ein eigenes Orchester hatten die wenigsten Besucher erwartet. Und Gemeinschaft musste unbedingt sein. So entstand nach außen ein Selbstläufer. Jeder musste die Aufführung gesehen haben, um mitsprechen zu können. Immerhin sahen so 30 Prozent der Denzlinger Bevölkerung eine der fünf Aufführungen.

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BZ: Wie konnten Sie die vielen Akteure auf, vor und hinter der Bühne über einen solch langen Zeitraum motivieren?

Rußer-Grüning: Das liegt in der Sache selbst. Das Stück dauert drei Stunden. Da muss man zuvor feilen, feilen und nochmal feilen. Ich bin jemand, der ein hohes Niveau anstrebt und ich will alles aus den Akteuren herausholen. Manche haben ihre Hobbys zu Seite gelegt, um mitzuspielen. Ein Laienspieler, ein Architekt, hat eigens Verlaufspläne angelegt, wie die Schauspieler schnell auf-, um- oder abbauen auf der Bühne. Die Leute sind über sich hinaus gewachsen, obwohl manche anfangs sehr skeptisch waren. Die Leute waren fasziniert und haben es durchgezogen. Das war nicht leicht. Ab September wurde an jedem Wochenende einstudiert und dreimal abendlich geübt. Die Mitspieler haben szenisch immer nur Teile des Musicals einstudiert, sie kannten nicht den Gesamtzusammenhang. Als sie den erkannten, waren alle Feuer und Flamme. So etwas gab es in Denzlingen noch nie. Das Üben in unterschiedlicher Zusammensetzung hat ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl erzeugt.

BZ: Welcher war für Sie der bewegendste Moment Ihrer Arbeit für das Musical "Anatevka"?

Rußer-Grüning: Das war bei der Premiere. Ich hatte mir so viele Gedanken gemacht. Ich wollte meine Fantasie auch in die Choreografie einzubringen. Ich saß hinter der Bühne. Und da ging der Vorhang auf. Das war wie mit einem Kind. Da kriegt man das Gefühl, man lässt es los in die weite, weite Welt. Das war der bewegendste Moment für mich persönlich. Ich habe hinter der Bühne geheult; da kam alles raus, als sie "Tradition" sangen. Das waren ja alles Laienschauspieler, die sich von mir haben mitreißen lassen. Es war ein großes Abenteuer für uns alle. In diesem Moment war ich auch so stolz, dass die Akteure es so toll gemacht haben.

Autor: fk