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16. Mai 2017 17:41 Uhr

Denzlinger Wahlkampf

Welcher Bürgermeisterkandidat ist der bessere Billardspieler?

Beim Denzlinger Pool- und Snookerverein sind die Bürgermeisterkandidaten Markus Hollemann, Thomas Pantel und Christoph Kern zu Gast. Wer macht am Billardtisch die beste Figur?

  1. Markus Hollemann im Duell mit den Herausforderern.... Foto: Max Schuler

  2. Thomas Pantel Foto: Max Schuler

  3. Christoph Kern Foto: Max Schuler

DENZLINGEN. Auf den Bühnen von Denzlingen haben sich die drei Männer verbal zur Wehr gesetzt. Die Argumente sind ausgetauscht. Jetzt starren sie auf den Tisch mit dem blauen Stoff und fixieren die umzingelte schwarze Kugel. Keiner sagt mehr ein Wort. Das Wahlkampfgrinsen ist verschwunden. Stattdessen liegt die Stirn in Falten. Dann kracht Weiß auf Bunt und die Ordnung platzt mit einem Stoß auseinander. Das Finale zwischen Markus Hollemann, Thomas Pantel und Christoph Kern im Keller des Denzlinger Pool- und Snookervereins ist eröffnet.

Ein letztes Treffen aller drei Kandidaten

Eingeladen hat die Katholische junge Gemeinde St. Jakobus. Die Jugendlichen um Marcel Bühren, Daniel Mannhardt und Valentin Marronaro haben es geschafft, die drei Bürgermeisterkandidaten in der letzten Wahlkampfwoche nochmal an einen Billardtisch zu bekommen. Doch das direkte Duell scheinen die Kandidaten zuerst zu scheuen. Herausforderer und Amtsinhaber gehen sich aus dem Weg. Sie suchen das Gespräch mit den Jugendlichen, unterhalten sich mit den anwesenden Vereinsmitgliedern über das Regelwerk, versuchen einige 16-Jährige davon zu überzeugen, am kommenden Sonntag zur Wahl zu gehen.

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Zuerst gehen sich Herausforderer und Amtsinhaber aus dem Weg

In dem Keller im Steinbühl, wo sich früher Kegelbahnen befanden, gibt es zwei längliche Räume. Auf der einen Seite wird Billard gespielt auf der anderen Seite Snooker. Zweiteres ist definitiv die komplexere Variante. Dafür entscheidet sich Hollemann. Pantel und Kern sind beim Billard zu finden. Ihnen allen blickt der Vereinsvorsitzende Philipp Lisenko immer mal wieder über die Schulter. "Bärenstarker Ball", gleitet es im über die Lippen. "Der war irre schwer." "Das war technisch anspruchsvoll." Kurzum: Kein Kandidat hinterlässt einen Kratzer im Tisch und keiner würde sich in einer Kneipe blamieren. Hollemann erzählt, dass er als Enkel immer bei seiner 90-jährigen Großmutter stundenlang Snooker schauen musste. Kern berichtet, dass er früher im Jugendraum seine Billardfähigkeiten geschult hat. Pantel kann ebenfalls das Queue halten und die weiße Kugel quer über den Tisch spielen, um dort einen Treffer zu landen.

Das erste Duell: Pantel gegen Kern

Das erste Duell: Pantel gegen Kern. Pantel übt sich im Understatement, um dann eine Spitze nachzulegen. "Er kann es besser als ich", sagt er im Bezug auf Kerns Billardspiel. "Doch solange er nur heute Abend gewinnt, soll es mir recht sein." Kern pariert und meint, dass Pantel wohl ein Temposprint mit dem Rennrad auf den Kandel lieber wäre, als jetzt im Duell mit ihm am Billardtisch im Denzlinger Untergrund zu stehen. Kern spielt die weiße Kugel kraftvoll, um dann umzuschwenken und mit Gefühl entlang der Längsseite des Tisches eine grüne Halbe zu versenken. Doch Kern verpasst den Matchball. Pantel nutzt die erneute Chance und verkürzt, sodass nur noch drei Kugeln auf dem Tisch liegen. Dann visiert Kern die schwarze Acht an und fegt sie vom Tisch. Kern gewinnt das Duell der Herausforderer.

Nur das Rauschen der Lüftungsröhren ist zu hören

Jetzt tritt Amtsinhaber Hollemann an den Tisch. Gelegentlich gescherzt, wie zuvor zwischen den beiden Spielern, wird jetzt nicht mehr. Nur das Rauschen der silbernen Lüftungsröhre und das Lachen der verbliebenen Jugendlichen erfüllen den Keller noch mit Geräuschen. Hollemann schiebt zuerst die neutrale weiße Kugel ins Loch. Kern fischt sie aus der Tasche, platziert sie erneut auf dem Tisch und legt das Queue auf seinem linken Daumen ab. Es ist Viertel vor zehn. Stoß um Stoß wird die Stimmung konzentrierter. Die Münder der Bürgermeisterkandidaten wandeln sich zu nahezu waagerechten Strichen. Kern spielt wahrscheinlich die beste Partie dieses Abends. Zwischenzeitlich liegen sieben Kugeln mehr von Hollemann auf dem Tisch. Dann versenkt Kern erneut die schwarze und gewinnt die zweite Partie. Ein kurzes Händeschütteln, dazu gequältes Grinsen.

Keiner will dem anderen mehr einen Vorteil zugestehen

Bleibt das Spiel um Platz Zwei. Hollemann und Pantel treten gegeneinander an. Wieder wirken die Mienen wie versteinert. Die Partie verläuft zäher als die Spiele zuvor. Pantel und Hollemann reden nur miteinander, wenn sie keine andere Wahl haben und über das Regelwerk diskutieren müssen. Darf der Gegner die weiße Kugel frei platzieren, nachdem der Vorgänger sie ohne Berührung einer anderen ins Loch spielte? Was passiert, wenn man unbeabsichtigt die schwarze Acht streift? In dieser Phase des Spiels will offenbar keiner mehr dem anderen einen Vorteil zugestehen. Am Ende haben beide nur noch eine Kugel. Die letzten Spielzüge dauern eine gefühlte Ewigkeit. Dann setzt Pantel zum finalen Stoß an, trifft und gewinnt die Partie.

Kern Erster, Pantel Zweiter, Hollemann Dritter. "So kann es gerne am Sonntag auch ausgehen", flüstert der Sieger des Denzlinger Billard-Abends vor sich hin und verlässt den Tisch.

Mehr Fotos im Internet unter mehr.bz/billard

Autor: Max Schuler