Zum "Waldbaden" ins Alte Rathaus

mzd

Von mzd

Sa, 24. Februar 2018

Denzlingen

Die Künstlerin Barbara Nies stellt in Denzlingen verschiedene, teils großflächige Installationen aus und beweist Vielschichtigkeit.

DENZLINGEN (mzd). Vor den Fenstern der Galerie im Alten Rathaus kreischen die Kettensägen der Bauhofmitarbeiter, fallen zwei alte Linden und werden zum Abtransport zerkleinert. Drinnen steht Barbara Nies, aus Berlin stammende Künstlerin, inmitten ihrer raumgreifenden Installation "Shinrin Yoku". Während draußen die Bäume gefällt werden, lädt sie mit ihrer Arbeit zum "Waldbaden" – so die Übersetzung aus dem Japanischen – ein.

Der Besucher kann nicht umhin, mittendrin zu sein, quasi in der vielschichtigen Arbeit der Künstlerin zu baden. Sie ist "glücklich, mit den Galerieräumen in Denzlingen geeignete Bedingungen zu haben, dieses Werk zu realisieren". Galerieräume seien vielfach zu klein, zu gedrängt, um großformatige Ausdrucksformen wirken zu lassen. Hier lässt sich eintauchen, schon geleitet von einem Bilderteppich im Türrahmen.

"Wald tut gut", so die Künstlerin, die in Berlin Malerei und Bildhauerei studiert hat. Doch was ist das nun, "Waldbaden"? Bei Nies ein breit gefächertes Angebot an Inspirationen, um von diesen Assoziationen zu bilden. Ihr Wald aus Glassäulen, mit weißer Wolle gefüllt, ist Projektionsfläche für Videos, die sich im Hintergrund an der Wand fortsetzt. Ein Haufen Treibholz liegt dazwischen, auf dem rötlichen, mit einer hauchdünnen Sandschicht überzogenen Parkett. Leise, bedächtig, erklingt eine Geräuschszenerie, überzeichnete, beklebte Fotoarbeiten hängen an den Wänden und am Boden steht eine Bildserie mit Portraits einer jungen Frau, die sich sichtlich an einer Pflanze erfreut. Der Wald, in dem hier gebadet werden kann, ist ein See an Assoziationen, ein Me(h)er an Anregungen, auch um Sehgewohnheiten zu verlassen.

Eingebettet in Vergrößerungen von Ästen, die durch das Heranzoomen sämtliche Gegenständlichkeit verloren haben, nur noch reine Form, Abstraktion sind, steht die Installation "Totentanz". Düsternis haftet der Arbeit an, strahlen die Schwarz-Weiß-Fotografien aus, die das zentrale Element bilden. In Reih und Glied auf hellen Balken in schwarzen Kartonschalen liegend wirken die Portraits wie eingesargt, am weißen Paravan, quergelegt, aufgehängt, wie ein Mahnmal. Die Originalfotografien hat Nies, die auch an der Freien Hochschule für Bildende Kunst in Freiburg doziert hat, vielfach auf Flohmärkten gesammelt, Ausschnitte vergrößert, gelegentlich aus einem abgebildeten Paar zwei Einzelbilder gemacht. Unbekannte Biografien in einem Moment festgehalten. Aufnahmen, die doch so viel erzählen, ohne zu wissen. So bekommen die Toten Lebendigkeit.

Nicht Bilder, sondern konkrete Gegenstände hat Nies zu weiteren Installationen komponiert. Da stehen sie, fünf Skateboard-Rohlinge, als "Fünf Weise" an die Wand gelehnt, gleich in ihrer Grundform und doch ausdifferenziert, vielfältig gestaltet, so dass sich trefflich über die Weisheit, das eigenen Verständnis von Weisheit sinnieren lässt. In der Fensterbank springen dem Betrachter nebeneinander gestellt fünf Kaminfegerbürsten, mit ihren Enden entgegen. Hinterlegt mit Postkarten, die Meereshorizonte zeigen, wirken die aus hartem Metall und doch so filigran angeordneten Objekte wie fliegende Fische und sind weiteres Beispiel dafür, was die Ausstellung von Barbara Nies letztendlich mit all ihren Arbeiten ist. Eine Einladung zur Reise in die Welt des Sehens und sich Inspirieren lassen.

Ausstellung: Inside-out-outside-in, Installationen und Objekte von Barbara Nies, Galerie im Alten Rathaus, Hauptstraße 118, bis 25. März, samstags und sonntags, 15 bis 18 Uhr.