Ultraleichtflieger

Denzlinger Hobbyflieger ist Vizeweltmeister in Ungarn

Sophia Hesser

Von Sophia Hesser

Fr, 07. September 2018 um 17:32 Uhr

Denzlingen

Mit seinem 300 Kilo schweren Einsitzer wurde der Denzlinger Ulrich Nübling jüngst Vizeweltmeister in Nagykanizsa in Ungarn – und das nicht etwa, weil er der schnellste war.

Manchmal ruckelt es, manchmal hebt Ulrich Nübling vom Sitz ab, manchmal weht ihm der Wind bedrohlich um die Nase, manchmal wird er in seinem Ultraleichtflugzeug nass vom Regen – für viele keine schöne Vorstellung, für Nübling ein Traum. In der Luft fühlt er sich pudelwohl und frei.

Wenn Nübling unterwegs ist, hat er kein Navi an Bord, nur eine Karte. Mehr braucht er nicht zur Orientierung. So fliegt er regelmäßig vom Flughafen Bremgarten etwa an den Bodensee, um da kurz ins Wasser zu springen. Damit er nicht vom Weg abkommt während des etwa einstündigen Flugs, orientiert er sich an Kirchtürmen, Flussläufen, Straßen oder Waldstücken. Das reicht. "So nimmt man die Umgebung viel mehr wahr", sagt der 47-jährige Diplomingenieur.

Freiheit und das Gefühl, selbst Flügel zuhaben

Mit dem Drachenfliegen hat er mit 17 Jahren angefangen. "Die Freiheit und das Gefühl selbst Flügel zu haben, ist unbeschreiblich." Wegen Ausbildung, Studium und Beruf war er bald zeitlich nicht mehr flexibel – wenn das Wetter perfekt zum Fliegen war, hatte er keine Zeit, hatte er frei, spielte das Wetter nicht mit. Also war er bald mit Motor unterwegs – und damit wetterunabhängiger. Holprig kann es je nach Thermik dennoch werden. Im Sommer sei immer viel Bewegung in der Luft, da sei er lieber alleine unterwegs. Im Herbst darf dann auch mal Nüblings Zweisitzer an die frische Luft. Eines der zwei Kinder darf mitfliegen. "Und wenn dann noch Nebel in den Flusstälern hängt – das ist richtig toll", schwärmt der Hobbyflieger.

Die Landschaft ist es, die Nübling begeistert, stets ist er mit offenem Cockpit und offenen Augen in seinem Flugzeug unterwegs. Er merkt sich markante Flecken, die unter dem Flugzeug vorbeiziehen, achtet auf Details in der Landschaft. Das kam ihm bei der Weltmeisterschaft der Ultraleichtflieger, die Mitte August in Ungarn stattfand, zugute. Er wurde Zweiter. Darf sich nun Vizeweltmeister nennen. Er lächelt zufrieden, wenn er von diesem Erfolg berichtet, betont aber, dass es ihm bei der Fliegerei vor allem um den Spaß ginge. "Trotzdem, wenn du mal bei so einem Wettbewerb dabei bist, willst du natürlich auch gut sein", gibt er grinsend zu.

Orientierung dank Kirchtürmen, Flussläufen und Straßen

Als er mit Auto und auseinandergebautem Flugzeug im Anhänger zwölf Stunden zur Meisterschaft in der Nähe des Plattensees fuhr, war er nicht wirklich vorbereitet. "Aber ich habe Erfahrung", sagt der Deutsche Meister, der schon häufiger beim nationalen und internationalen Meisterschaften erfolgreich mitgeflogen ist. Jeden Tag gab es in Ungarn zwei Aufgaben zu bewältigen. Wie etwa das exakte Nachfliegen einer auf einer Karte vorgegebenen Route oder das Finden bestimmter Landschaftsbilder auf der Route, die die Teilnehmer dann in die Karte einzeichnen müssen. Seine Erfahrung kam Nübling da zugute. Lediglich wenn es ums Tempo ging, kam der Denzlinger ins Schwitzen. Im Schnitt fliegt er 80 Stundenkilometer mit seinem Flugzeug. Andere hätten da durchaus schnellere Maschinen, erzählt er. Am Ende bekam er trotzdem bei den einzelnen Aufgaben genug Punkte von der Jury.

Wo sind markante Orientierungspunkte?

Unter den 80 Teilnehmern waren fünf deutsche dabei, Teamchef war Nübling. In der Teamwertung habe Deutschland nicht gut abgeschnitten, sagt der Denzlinger. "Dafür waren wir einfach zu wenig." Außerdem sei das Ultraleichtfliegen in Ländern wie Tschechien, England, Polen oder Frankreich viel angesehener, Sponsoren unterstützten die Flieger, ganze Helferteams stünden hinter den Teilnehmern. "Ich habe mich halt vor dem Wettbewerb allein in die Wiese gesetzt und habe die Karte studiert."

40 Minuten vor Abflug bekamen die Teilnehmer die Karte mit der zu fliegenden Route oder den zu bewältigenden Aufgaben vorgelegt, um sich vorbereiten zu können: Wo sind markante Orientierungspunkte? Gibt es auffallende Stromleitungen, Hochbehälter oder Kirchtürme, an denen er sich orientieren kann? Sind gesperrte Lufträume eingezeichnet, die man meiden muss?

Und dann ging es los. Im offenen Cockpit spürte Nübling beim Start den Fahrtwind, mit Sonne oder Regen im Gesicht flog er los und versuchte die Landschaft ganz bewusst wahrzunehmen.

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