Friessee in Hartheim

Der Baggersee, der eigentlich ein Geheimtipp bleiben soll

Susanne Müller

Von Susanne Müller

Mi, 22. August 2018 um 16:15 Uhr

Hartheim

Der schönste Baggersee weit und breit, sagen manche über den Friessee in Hartheim. Was ist dran? Die BZ hat sich auf Spurensuche begeben und einen Ausflug in den Rheinwald gemacht.

Es geht an Maisfeldern mit sehr dürren Stauden vorbei nach Hartheim. Von da führt der Weg an der Kreuzung im Zentrum auf der Rheinstraße Richtung Breisach zunächst über die Autobahn drüber. Rund einen Kilometer weiter geht es links am Sonnenhof vorbei Richtung Kieswerk. Nach der nächsten Kurve sind entlang der schmalen Straße vor dem Wald am frühen Nachmittag schon viele Autos geparkt.

Ein Mann mit einem Hündchen ist zu Fuß unterwegs. Geht es hier zum Friessee? "Zum Baggersee", sagt er, "da vorne ist der Hartheimer Baggersee, der schönste in der Region, Friessee habe ich noch nie gehört", meint er. Wir fahren ans Ende der Straße bis zur Abzweigung. Der Mann mit Hund kommt auch des Weges. "Hier dürfen Sie nicht reinfahren", sagt er, "aber da hinten ist noch eine Parklücke frei." Dann habe man an der Abzweigung die Wahl, links herum gehe es zum Badestrand, rechts herum sei "mehr was für Anhänger der Freikörperkultur." Wir entscheiden uns für linksrum.

Badestrand 400 Meter, steht auf dem Hinweisschild. Zwei andere weisen den Weg nach Breisach (10 Kilometer), Hartheim (2,2) und Bad Krozingen (9,5). Die Strecke führt jetzt in den Wald hinein und am Kiesabbau vorbei. Stimmengewirr wird hörbar und das Geräusch der Kiesförderanlage. Ab und an fährt ein Kiestransporter auf das Gelände. Nur einige Meter weiter blitzt eine azurblaue Wasserfläche durchs Gestrüpp. Sieht klasse aus.

In einer kleinen Bucht hat es sich eine Familie mit zwei Vorschulkindern, die Schwimmärmelchen tragen, gemütlich eingerichtet. Sie sind zum ersten Mal hier, sagen sie auf Nachfrage. Früher sei er öfter hier gewesen, aber dann sei er nach Berlin gezogen, ergänzt der Mann. Damals sei es hier am Baggersee jedoch noch nicht so schön gewesen wie heute. Da sei mitten durch den See eine Mauer gezogen gewesen. "Wenn sie noch etwas weiter gehen kommen sie zum Badestrand", empfiehlt er.

Nur wenige Schritte entfernt entfaltet sich erneut die glitzernde Wasseroberfläche. Das Wasser wirkt glasklar und ist türkisfarben wie auf einem Tourismusprospekt aus der Südsee. Wir entdecken mehr Badegäste, die sich rund um den westlichen Teil des Sees verteilen. Es gibt wunderbar flache Uferbereiche und schattige kleine Buchten. Ein Badegast will gerade mit einem Schlauchboot ablegen. Er kommt mit seiner Familie aus Münstertal hierher und sie genießen die malerische Kulisse. Einen Steinwurf entfernt hat sich jemand mit einem Segeltuch ein Schattenplätzchen geschaffen, das eine Ende über das Fahrrad, das andere über einen Ast gelegt.

"Das Wasser, die Qualität ist top", sagt ein weiterer Badegast nebenan auf die Frage, warum er hierher komme, und er finde es gut, dass er auch mit seinem Hund herkommen könne. Er ist dafür extra aus Gundelfingen angereist.

Wünsche nach einem Kiosk und mehr Abfalleimern

Da hatten es die beiden jungen Frauen, die sich auf einer Decke am Ufer sonnen, nicht ganz so weit. Sie wohnen in der Nähe, sagen sie, seien diesmal jedoch auch mit dem Auto gekommen. Die kurze Wegstrecke zu Fuß bis zum See störe sie nicht, meinen sie. Ob es etwas gibt, das ihnen hier fehlt. "Ein Kiosk wäre nicht schlecht", meint die Eine, "und vielleicht noch mehr von den Abfalltonnen." Drei sind am Rand des Badegeländes in größerem Abstand verteilt. Müll liegt nirgends herum, nur eine achtlos weggeworfene Tüte mit leeren Getränkekartons drin auf dem Waldweg auf der Nordostseite des Baggersees. Hier findet sich auch erstmals eine Schranke. Rhein-Vorlandweg ist wenig später in ein dunkel lasiertes Holzschild eingeritzt. Die Sicht auf den Baggersee ist hier auf der Ostseite durch einen Wall versperrt, der bis zurück zum Ausgangspunkt führt. An der Biegung angekommen, treffen wir auf neue Badegäste. Mit Badetaschen und Luftmatratzen sind sie auf dem Weg Richtung Baggersee, und es staubt kurz aber heftig, als ihnen einer der Kiestransporter entgegendonnert. Danach herrscht wieder himmlische Ruhe. Idylle pur.

Das weiß man auch in der Hartheimer Verwaltung. Die Wasserqualität am Friessee sei hervorragend, ist da zu hören, und das Ambiente ebenfalls. Doch es gebe Probleme wegen der fehlenden Parkmöglichkeiten, wird eingeräumt, vor allem an den Wochenenden. Besser erst mal nichts in der Zeitung schreiben, so der Ratschlag, das könnte noch mehr Badegäste mobilisieren und das Problem somit weiter vergrößern. Derzeit werde allerdings an einer neuen Beschilderung gearbeitet, um die Situation vor Ort besser in den Griff zu bekommen, heißt es.

Für die Kiestransporter ist die Straße mit den Autokolonnen wirklich bedenklich eng. Die Laster, so meinte jedoch einer der Badenden, seien wohl nicht das größte Problem. Dieses hätten vielmehr die Bauern, wenn sie mit schwerem Gerät unterwegs seien. Die kämen dann nicht mehr zwischen den Blechlawinen durch.