Regional- und Fernverkehr

Massiver Warnstreik bei der Bahn bremst Pendler im Südwesten aus

dpa, bz, rab

Von dpa, BZ-Redaktion & Ralf Burgmaier

Mo, 10. Dezember 2018 um 12:45 Uhr

Wirtschaft

Der Warnstreik bei der Deutschen Bahn ist beendet. Im Fernverkehr rollte am Montagmorgen kein Zug mehr. Und auch im Regionalverkehr kam es zu Einschränkungen – der Südwesten bekam das besonders hart zu spüren.

Bei der Deutschen Bahn hat die Gewerkschaft EVG ihren Warnstreik nach mehreren Stunden beendet. Das sagte ein Sprecher der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft am Montag. Kunden müssen nach Bahnangaben aber noch den ganzen Tag mit Einschränkungen rechnen, vor allem im Fernverkehr. "Die Wucht des Streiks macht deutlich, wie groß die Verärgerung der Kollegen darüber ist, dass weiter kein abschlussfähiges Angebot vorliegt", sagte der Gewerkschaftssprecher. Sobald die Bahn schriftlich ein verbessertes Angebot vorlege, sei die EVG bereit, die Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen.

Der vierstündige Warnstreik hatte am Morgen um 5.00 Uhr begonnen. ICE und Intercitys fuhren nicht, auch im Regionalverkehr kam es zu erheblichen Einschränkungen, in einzelnen Bundesländern fuhr kaum ein Zug. Auch die Reisezentren wurden bestreikt.

Südwesten besonders betroffen

Der Warnstreik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat den Bahnverkehr im Südwesten stark getroffen. "Es kommt zu sehr starken Beeinträchtigungen im gesamten Regionalverkehr", sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn am Morgen. "Im badischen Bereich ist der Regionalverkehr momentan mehr oder weniger eingestellt." Der Fernverkehr war am frühen Montagmorgen deutschlandweit eingestellt worden.

Die Lage in Offenburg

Obwohl der Warnstreik der Eisenbahnergewerkschaft EVG angekündigt war, hat ein Blick auf die Anzeigetafel am Montag am Offenburger Bahnhof viele Fernreisende und Berufspendler ernüchtert. Verhinderte Reisende zückten das Mobiltelefon und riefen die Firmenleitung an: "Dann nehm" ich heute halt einen Urlaubstag", sagt einer. Andere telefonierten mit Angehörigen und batten darum, mit dem Auto abgeholt zu werden. Die Auswirkungen des Streiks wirbelten den Fahrplan durcheinander. Es fielen viele Fernverbindungen aus oder trafen laut Anzeige mit Verspätungen von bis zu 180 Minuten ein. Nahverkehrsverbindungen der Ortenau-S-Bahn waren nicht betroffen. Die Pendler unter den Lehrern hatten sich nach Auskunft von Schulsekretariaten in Fahrgemeinschaften organisiert oder kamen zu spät.

Hochrhein und Höllental

Auch auf der Hochrheinstrecke und der Höllentalstrecken ist es im Berufsverkehr zu Ausfällen und Verspätungen gekommen. Seit etwa 10 Uhr verkehren die Züge am Hochrhein wieder in einem stabilen Takt.

Besonders betroffen: Strecken über den Bahn-Knotenpunkt Mannheim

Regionale Schwerpunkte in Baden-Württemberg waren den Angaben zufolge der Großraum Mannheim und Karlsruhe. "In Karlsruhe kann es aufgrund des Streiks zu langen Verzögerungen bei der Bereitstellung von Zügen kommen", hatte ein Sprecher schon am frühen Morgen angekündigt. Besonders betroffen seien Strecken über den Bahn-Knotenpunkt Mannheim. Die Auswirkungen seien aber auch über die Landesgrenze hinaus zu spüren. "Viele Züge enden vorzeitig, da der Bahnverkehr in Bayern momentan komplett eingestellt ist."

Auch am Stuttgarter Bahnhof ging zeitweise nichts mehr. An den Anzeigetafeln waren zahlreiche ausfallende Züge oder etwa Verspätungen von 300 Minuten angekündigt. EVG-Mitglieder macht dort mit Transparenten auf ihre Forderungen aufmerksam. "Mehr für uns alle" stand darauf unter anderem geschrieben - verbunden mit der Forderung nach 7,5 Prozent mehr Geld.

Der Warnstreik dauerte bis 9 Uhr – auch danach mit Störungen gerechnet

Die EVG hatte zu dem bundesweiten Bahn-Warnstreik aufgerufen - wegen eines aus ihrer Sicht zu geringen Lohnangebots. Seit Montag 5.00 Uhr haben Arbeiter in ganz Deutschland ihre Tätigkeit niedergelegt. Der Warnstreik sollte bis 9.00 Uhr dauern. Nach Angaben der Bahn dürfte auch in den Stunden danach mit Störungen zu rechnen sein.

Grund für den Warnstreik war der Abbruch der Tarifgespräche mit dem Bahn-Management. Am Samstag waren die Parteien in Hannover ohne Ergebnis auseinandergegangen. Bei der Lohnerhöhung war der Konzern der Gewerkschaft aus deren Sicht nicht weit genug entgegengekommen.



Bahnreisende im Südwesten hatten zwar größtenteils im Vorfeld mitbekommen, dass es Warnstreiks geben sollte. Zahlreiche Reisende waren unter anderem in Stuttgart aber trotzdem an den Bahnhof gekommen - und bisweilen ratlos, wie sie nun an ihr Ziel kommen sollten. Vor den Info-Schaltern bildeten sich lange Schlangen. Auch die S-Bahn in der Landeshauptstadt war stark betroffen. S-Bahnen fuhren der Bahn zufolge am Morgen nur noch sehr vereinzelt.

Im Fernverkehr sollen alle für Montag gekauften Tickets bis Dienstag gültig bleiben, wie die Bahn mitteilte. Für bestimmte Spartickets werde zudem die Zugbindung aufgehoben. Im Fall von Reiseabsagen wegen des Warnstreiks sind Erstattungen von Tickets und Reservierungen geplant.