Der Bauverein floriert, stößt aber an Grenzen

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Fr, 22. Juni 2018

Freiburg

Baugenossenschaft präsentiert Geschäftszahlen und ersucht die Stadt um Unterstützung / Zu wenig günstiger Wohnraum.

FREIBURG-ZÄHRINGEN. Ein neuer Mitgliederhöchststand, ein neuer Höchststand bei den Spareinlagen, ein sattes Plus bei der Bilanzsumme – der Bauverein Breisgau, die größte der drei Freiburger Baugenossenschaften, setzt auch unter neuer Führung den Wachstumskurs der vergangenen Jahre fort. Seit rund einem Jahr stehen dort Marc Ullrich und Jörg Straub als hauptamtliche Vorstände an der Spitze, unterstützt von Gerhard Kiechle als nebenamtlichem Vorstandsmitglied. Ullrich und Straub haben die Verantwortung von Reinhard Disch übernommen, der das genossenschaftliche Wohnungsunternehmen in sehr solidem Zustand hinterlassen hat.

Mittlerweile zählt die Genossenschaft 22 164 Mitglieder (Stichtag: 31. Dezember 2017). Ein Jahr zuvor waren es noch 21 088. "Wir haben in den vergangenen Jahren Schnitt pro Jahr jeweils rund 1000 Mitglieder dazugewinnen können", so Marc Ullrich bei Vorstellung der Bilanz für das Geschäftsjahr 2017, "und die Monate seit dem Jahreswechsel deuten darauf hin, dass sich dieser Trend fortsetzt." Der Zulauf, denn der Bauverein erlebt, sei natürlich dem stark angespannten Wohnungsmarkt geschuldet. Das genossenschaftliche Geschäftsmodell des 1899 gegründeten Unternehmens besteht im Prinzip darin, dass sich die Mitglieder selbst Wohnraum schaffen und günstig vermieten. Um Genosse zu werden, ist mindestens ein Geschäftsanteil zu 310 Euro notwendig. Von da an kann man sich um eine Wohnung des Bauvereins bewerben. Bekommt man eine Wohnung zugesagt, müssen mindestens zwei weitere Anteile zu diesem Preis erworben werden. In den vergangenen Jahren gab es auf diese Anteile stets vier Prozent Dividende pro Jahr. Mitglieder haben zudem die Möglichkeit, über die hauseigene Spareinrichtung bei der Genossenschaft wie bei einer Bank Geld anzulegen. Dieses wird ausschließlich in die betriebseigenen Immobilien investiert. Mittlerweile haben die Mitglieder 106,8 Millionen Euro beim Bauverein auf der hohen Kante. Vor einem Jahr waren es noch 105,2 Millionen. "Auch Banken fragen an, ob sie bei uns Geld anlegen können", berichtet Vorstand Jörg Straub, der für die Finanzen des Unternehmens zuständig ist, "aber das machen wir nicht – nur Mitgliedern steht die Spareinrichtung offen."

An anderer Stelle indes stößt der Bauverein zusehends an Grenzen, sagt Marc Ullrich. "In Freiburg günstigen Wohnraum zu schaffen wird auch für uns zusehends schwieriger", so der Bauvereinsvorstand. Zum einen werde es immer schwieriger, überhaupt Baugrundstücke zu bekommen, zum anderen sei man mit immer mehr Auflagen und mit stark steigenden Baukosten konfrontiert. Wenn die Stadt wirklich günstigen Wohnraum wolle, solle sie die Baugenossenschaften durch eine bevorzugte Vergabe und mehr Förderung unterstützen." Tatsächlich ist die Zahl der Mietwohnungen des Bauvereins im Jahr 2017 sogar leicht geschrumpft – nämlich um sechs Einheiten auf nun 4817 Wohnungen.