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01. Dezember 2008
Der Direktor des Evangelischen Stifts muss gehen
Das Evangelische Stift ist finanziell in starke Schieflage geraten, und die Probleme um die Seniorenwohnanlage St. Urban sind längst nicht allein dafür verantwortlich.
Das Evangelische Stift, in Freiburg einer der großen Anbieter im Bereich Altenpflege und Seniorenwohnungen, ist in starke finanzielle Schieflage geraten. Die Novembergehälter konnten nur mit großer Mühe ausgezahlt werden. Der Direktor des Stifts, Klaus Eschenburg, muss seinen Posten räumen. Dies entschied der Stiftungsrat des Evangelischen Stifts.
Der Stiftungsrat hat das Diakonische Werk Baden, zu dessen Mitgliedern das Stift gehört, erst unmittelbar vor der fälligen Zahlung der Novembergehälter über seine schwierige Situation informiert. In einer Pressemitteilung des Diakonischen Werks heißt es: "Vor wenigen Tagen hatten die Mitarbeitenden zum ersten Mal zwar ihr Gehalt, aber kein Weihnachtsgeld erhalten." Zwar konnte das Stift die Gehälter noch alleine, aber nur mit Mühe aufbringen. Das ganze finanzielle Ausmaß des Engpasses ist bislang nicht bekannt. Derweil hat der Stiftungsrat personelle Konsequenzen aus der Misere gezogen und den seit Oktober 2002 amtierenden Direktor des Stifts, Klaus Eschenburg, von seinen Aufgaben entbunden. Der sprach gestern von einer großen persönlichen Betroffenheit: "Das Stift liegt mir am Herzen. Ich habe die Absicht, erhobenen Hauptes zu gehen." Wichtig sei, dass die gute Arbeit der Mitarbeiter nicht in Verruf gerate. Das Diakonische Werk Baden wird dem Stiftungsrat einen Interimsmanager aus seinen Reihen vorschlagen, der schnellstmöglichst das Ruder übernehmen und das Stift wieder auf Kurs bringen soll. Ein Begleitgremium mit Fachleuten des Diakonischen Werks soll ihn unterstützen.
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Am Freitagabend hatten Stiftungsrat und Vertreter des Diakonischen Werks Baden in einer gemeinsamen Sitzung die schwierige Lage besprochen. Gemeinsam soll nun mit den beteiligten Banken eine neue Strategie entwickelt werden, damit der Betrieb langfristig gesichert werden kann. "Wir prüfen jetzt, welche Möglichkeiten wir haben, den Engpass zu überbrücken", heißt es in der Pressemitteilung des Diakonischen Werks Baden. Immerhin: "Das Problem ist in den Griff zu bekommen", versichert Angelika Schmidt, Pressesprecherin des Diakonischen Werks Baden. "Das Signal ist klar, wir lassen unsere Mitarbeiter nicht im Stich", verspricht der Stiftungsratsvorsitzende Elmar Bingel.
Der scheidende Direktor Klaus Eschenburg nennt die im Juli beschlossenen Tariferhöhungen um 8,7 Prozent für 2008 und 2009 – insgesamt rund 800 000 Euro – als "die größte Last". Die Kostenträger seien nur bereit gewesen, etwa die Hälfte davon zu kompensieren. Und an die Bewohner des Stifts könne er diese Mehrkosten nicht eins zu eins in Form von Preiserhöhungen weitergeben, dies lasse auch die Wettbewerbssituation nicht zu. Das Stift selbst, sagt Bingel, habe bereits begonnen, eine Reihe von Sanierungsmaßnahmen umzusetzen. Der Stiftungsratsvorsitzende spricht vage von einem Gesamtpaket, das sowohl Ertragssteigerungen als auch Kosteneinsparungen und nötige Investitionen vorsehe. In den Einrichtungen des Stifts leben derzeit rund 500 Menschen zwischen 63 und 105 Jahren. Insgesamt zählt das Stift 320 Beschäftigte, davon 260 in Teilzeit, außerdem 80 ehrenamtliche Helfer.
Fest steht: Die finanziellen Schwierigkeiten des Evangelischen Stifts resultieren aus dem Kerngeschäft und haben keineswegs nur mit den Problemen um die betreute Seniorenwohnanlage St. Urbanim Stadtteil Herdern zu tun (die BZ berichtete). "St. Urban ist unsere Achillesferse, ganz klar. Aber das ist sicherlich nicht der alleinige Grund für die Situation", sagt Bingel. St. Urban ist seit mehr als drei Jahren mangelhaft ausgelastet und beschert dem Stift Verluste offenbar in Millionenhöhe. Die meisten der 26 Wohnungen in der ehemaligen Klinik stehen leer, derzeit leben dort nur sechs ältere Menschen. Konkrete Versäumnisse will der Stiftungsratsvorsitzende Elmar Bingel dem bisherigen Direktor Klaus Eschenburg nicht vorwerfen. Ein Fehler sei sicherlich gewesen, dass man den Blick zuletzt nur noch auf St. Urban gerichtet und andere Bereiche vernachlässigt habe.
Das Stift hatte auf Anraten seiner Bank vor einem halben Jahr einen Unternehmensberater hinzugezogen. Obwohl bis auf St. Urban alle Einrichtungen des Stifts zu 90 bis 100 Prozent bewohnt sind, hatte dieser gravierende Strukturprobleme entdeckt, etwa zu viel Personal – laut Eschenburg sind 80 Prozent der Kosten des Stifts Personalkosten – und nicht genutzte Einsparpotenziale. Außerdem kam er zu dem Ergebnis, dass in die Instandhaltung einiger der sieben Anlagen investiert werden müsse. Die Probleme sind in jedem Fall so groß, dass das Stift alleine sie nicht lösen kann. Bingel sagt, er erwarte einen Beitrag von der Bank und dem Diakonischen Werk. Ob Letzteres dem Stift nicht nur personell, sondern auch finanziell hilft, ist noch offen. Der Aufsichtsrat des Diakonischen Werks will darüber am 12. Dezember beraten.
Autor: Frank Zimmermann
