Fußball und Religion

Der FC Basel zwischen Glaube und Fankultur

Ansgar Taschinski

Von Ansgar Taschinski

Do, 08. November 2018 um 21:00 Uhr

Basel

Fußball als Ersatzreligion? Vertreter der Kirchen, des FC Basel und der Fangemeinde erörterten in Basel die religionsähnlichen Aufladungen des Fußballs.

Der heilige Rasen, Fußballgötter und das Pilgern ins Stadion. Ist Fußball eine Ersatzreligion? Am Beispiel des FC Basel (FCB) wurde diese Frage am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion im Festsaal des Restaurant L’Esprit in Basel diskutiert. Vertreter des FC Basel und der beiden großen christlichen Kirchen sprachen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Anhängerschaft Gottes und des FCB. Knapp hundert Besucherinnen und Besucher verfolgten die lebhafte Diskussion.

Für manche keine Frage

Bereits bei der Formulierung des Themas "Der FCB als Ersatzreligion?!" machten die Veranstalter mit einem Ausrufezeichen klar, dass dies für manche keine Frage mehr ist. Zunächst wollte der Moderator des Abends, der Sportjournalist Meinrad Stöcklin, aber wissen, was Religion für die Anwesenden bedeute. Für Roland Heri, Verantwortlicher für das Management des Tagesgeschäftes (COO) beim FC Basel, ist Religion etwas, das einem hilft, anständig im Leben zu sein und auf andere zu achten. Für den katholischen Pfarrer Marc-André Wemmer bedeute sie vor allem Ehrfurcht vor etwas zu haben, das könne auch der FCB sein. Die reformierte Pfarrerin Monika Widmer hob zwei Dimensionen hervor. Zum einen die Ausrichtung auf Gott und zum anderen die Gemeinschaft der Gläubigen. Heri stimmte zu, und sagte, dass sich der Gemeinschaftsaspekt auch beim FC Basel wiederfinde. Und für die zwei FCB-Fans Ebi Rauber und Marcel Berger liegt genau darin ein religiöser Aspekt der Fankultur begründet. "Wenn im Stadion alle zusammen singen, bekomme ich Herzklopfen", sagte Berger. Das fehle ihm in der Kirche. Die Teilnehmer waren sich einig, dass bei der Prägung des Glaubens auch Erziehung eine wichtige Rolle spiele. Pfarrer Wemmer betonte, dass sich der Glaube an Gott und die überzeugte Anhängerschaft des FCB keinesfalls ausschließen.

Ob es Probleme mit der religiösen und nationalen Vielfalt im FCB gebe, wollte Stöcklin von Roland Heri wissen.

Das Gemeinsame betonen

Dieser erklärte, dass der Verein weit davon entfernt sei, sich um die Nationalität und den Glauben seiner Spieler zu kümmern. Die Stärke sei, dass man zusammen spiele, egal woher jemand komme und woran er glaube. Es gehe darum, das Gemeinsame zu betonen. Diskutiert wurde auch die sprachliche Nähe zwischen Religion und Fußball, wenn etwa von "Fußballgöttern" oder "heiligem Rasen" gesprochen werde. Pfarrerin Monika Widmer sagte, für sie sei der Begriff "Fußballgott" schwierig, da sie als Christin niemanden so verehren könne wie Gott und es somit für sie auch keinen Fußballgott geben könne. Für Wemmer hingegen ist "Fußballgott" insofern korrekt, als Gott ein Vorbild für den Menschen sei, und wenn ein Spieler ein Vorbild für andere darstelle, könne dieser durchaus auch ein Fußballgott sein.

Der ehemalige FCB-Spieler Massimo Ceccaroni sagte, es sei eigentlich ein Kompliment, dass die Fankultur im Fußball so viel von der Kirche übernommen habe. Die Gemeinsamkeiten von Fußball und Religion sahen die Diskussionsteilnehmer in der Fähigkeit beider, Menschen zusammen zu bringen und Emotionen hervorzurufen. Unterschiede gebe es aber insofern sich die Kirche mit ihrer 2000-jährigen Tradition schwerer mit Veränderungen tue als der 125 Jahre alte FCB, so Heri. Für die zwei FCB-Fans ist es zudem die Vielfalt im Stadion, die die Fangemeinschaft auszeichne. Die Kirche hingegen, sagte Widmer, richteten sich besonders an Menschen, wenn sie an ihre Grenzen kämen und helfe, weiter vorwärts zu gehen.

Keine Konkurrenz zwischen Fußball und Religion

In der Diskussion wurde noch über den Begriff der "Ersatzreligion" debattiert. Die Anwesenden waren sich einig, dass Fußball und Religion nicht miteinander konkurrieren. "Es geht nicht darum, den FCB, das Christentum, den Islam oder zum Teufel was auszuschließen", sagte Berger. Auch Widmer stimmte zu, dass es rituelle Bezüge überall gebe – egal ob in der Kirche oder im Fußball. Thematisiert wurde zudem die Bedeutung des FCB für die Fans. Ebi Rauber sagte: "Für mich dreht sich so ziemlich alles um den FCB." Dazu gehörten nicht nur die Spiele. Auf die Frage, was die Anhänger denn machen würden, wenn der FCB nicht mehr so erfolgreich sei, antwortete Marcel Berger: "Zwei Worte: Zusammen stehen!"