Pfandbecher

Der Freiburg-Cup hat einen neuen Look – und einen Mehrwegdeckel

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Fr, 18. Januar 2019 um 16:31 Uhr

Freiburg

Der Freiburg-Cup wurde vor zwei Jahren eingeführt, um Pappbechern den Kampf anzusagen. Jetzt reagiert die Stadt auf Kritik und präsentiert eine neue Version – samt Verbesserung des Systems.

Der Neue trägt warme Farben und wird jetzt von einer Werbeoffensive begleitet: Der Freiburg-Cup kommt in einer zweiten Version auf den Markt. Rathaus und "Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg" (ASF) haben den Pfandbecher to go am Freitag präsentiert und eine Bilanz zu zwei Jahren Pappbecher-Alternative gezogen. Die Macher zogen eine positive Bilanz, präsentieren aber drei Verbesserungen am System.

Das Design: Der neue Becher ist weiß statt beige, der Aufdruck braun wie Kaffee. Das erste Cup-Modell wird weiterhin verwendet – "das wir natürlich in Grün gemacht hatten", sagte Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik bei der Präsentation des "Neuen" an einem Baristastand im Rathaushof. Doch Grün kam bei den Kunden nicht ganz so gut an, die Partner wünschten sich mehr Pep.

Auch die anderen Änderungen resultieren aus Gesprächen mit Cafés und Geschäften. Ein Kritikpunkt war der Einwegdeckel. "Es hieß, es ist deshalb kein richtiger Mehrwegbecher", sagte Michael Broglin, Chef der ASF, die das System initiiert hatte. Deckel und geringe Nutzung waren Gründe für eine schlechte Ökobilanz. Jetzt gibt es zusätzlich auch einen schwarzen Mehrwegdeckel. Den müssen Kunden im Gegensatz zum Pfandbecher für 50 Cent kaufen, behalten und selbst spülen. Die Hygiene sei bei leichten, kantigen Teilen in den üblichen Spülmaschinen schwer zu garantieren.

Mit dem neuen Becher verteilt die ASF in den nächsten Tagen auch Werbeträger: Aufkleber für Cup-Cafés und -Bäckereien, damit Kunden sie besser finden, Tresenaufsteller, Infoflyer und Banner für Sonderaktionen wie Messen.

Ein Euro für den Becher

Das alles soll die Nutzung erhöhen. An Popularität mangelte es von Anfang an nicht. Die Cup-Einführung im November 2016 löste bundesweiten Medienrummel aus. "Diese fulminante Pressekonferenz war die größte, die wir in unserem Leben gemacht haben", erinnerte sich Gerda Stuchlik. Broglin nicke. Ihm zufolge war Freiburg die erste deutsche Großstadt mit einem Mehrwegsystem to go. Bei der ASF beantwortete Dieter Bootz nationale und internationale Anfragen, Marketingchef Peter Krause stellte den Cup in Athen vor, Broglin in Barcelona. Kaffeetrinker zahlen für den robusten Pfandbecher einen Euro Pfand und können ihn in allen teilnehmenden Bäckereien und Cafés wieder abgeben. Anfangs waren es 16, heute sind es mehr als 100 – in der Innenstadt etwa jedes zweite Kaffeegeschäft. Sie bringen den Cup nach dem Spülen erneut in Umlauf. Das soll den Müll verringern.



34 000 Becher sind jetzt ausgeliefert, der Freiburg-Cup hat bisher inclusive der neuen Werbung rund 80 000 Euro gekostet, sagt Broglin. Wie viele Becher tatsächlich im Umlauf sind, kann er nicht sagen, weil die Geschäfte keine Zahlen nennen. Fünf bis zehn Prozent To-go-Becher sind ersetzt, schätzt er. Gut zehn Prozent sind Schwund – als Souvenirs.

Stuchlik zeigte sich zufrieden mit dem Stand der Dinge. Der Freiburg-Cup habe sich als Alternative etabliert und das Thema Müllvermeidung bewusster gemacht. "Wir waren Vorreiter", sagte die Bürgermeisterin. Letztlich sei aber eine Regelung auf Bundes- und EU-Ebene nötig. Broglin sieht Bewegung, glaubt aber, dass es bis zum Ende der To-go-Becher einen langen Atem braucht. "Wir machen weiter mit dem Freiburg-Cup", sagte er. Die ASF will in die Stadtteilzentren wachsen und regionale Ketten an Bord holen, ist aber auch auf der Suche nach einer Firma, die das Cup-System weiterbetreibt.
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