Rock

Der Freiburger Musiker Tim Beam hat ein neues Album

Alexander Ochs

Von Alexander Ochs

Do, 15. November 2018 um 20:14 Uhr

Rock & Pop

Elf Jahre hat es gedauert: Nun legt Freiburger Rocker Tim Beam sein neues Studioalbum vor. Auf "Nie wieder wir" singt er ausnahmslos Deutsch.

Gut Ding will Weile haben – so auch beim neuen Werk des Freiburger Musikers Tim Beam. Elf Jahre liegt das letzte Studioalbum des 47-Jährigen zurück. Vielleicht ist es wie beim Dry Aged Beef, es muss einfach gut abgehangen sein. Die elf Songs sind zwar Frischfleisch, das aber ist gut gereift. Der Titel verrät es schon: "Nie wieder wir".

Beam, der Wandler zwischen Singer-Songwritertum und eingängigem Rock à la AC/DC oder Stones, textet und singt komplett auf Deutsch. Nachdem er 25 Jahre lang ausschließlich auf Englisch gesetzt hat. "Das kam so", erklärt der Rhythmusgitarrist, "ich hatte einen deutschen Song: ,Ich will schlafen’. Den habe ich liegen lassen und mal auf einer Party gespielt. ,Mach mal mehr davon’, meinten die Leute." Als Bassist Volker Maas bei Tim Beam mitspielen sollte, hatte der lediglich eine Bedingung: Nur, wenn du auf Deutsch singst. Dann haben beide Song für Song entwickelt.

Alte Weggefährten und neue Begleiter

Da die Songs über einen Zeitraum von vier, fünf Jahren entstanden sind, hat der Frontmann sie in wechselnden Formationen aufgenommen. Alte Weggefährten und neue Begleiter sind an Bord. An der Leadgitarre glänzt nun der virtuose Michael Goldschmidt aus Bad Krozingen, während die jetzige Rhythmusgruppe mit dem versierten Dominik Schweizer am Bass (spielt auch bei der Indiecombo Nicolas Sturm) sowie dem Drum-Derwisch Jeremy Dhôme für den nötigen Dampf in der stets nach vorne ratternden Rock-Lok sorgt. Für Abwechslung sorgt eine Ballade zwischendrin. "Die beste Band, die ich je hatte", freut sich Beam. Doch statt sich mit den großen Rockbands weltweit vergleichen zu lassen, rutscht er qua Sprache nun in einen anderen Assoziationsraum.

Der in den 80er Jahren im Nordschwarzwald Großgewordene zu seiner Sozialisierung mit deutscher Mucke: "Wolfgang Ambros finde ich brutal gut, auch Westernhagen, Udo Lindenberg, die Toten Hosen oder Die Ärzte." Die Erinnerungen dazu: Schullandheim, Kellerdisko, Ambros’ Mundart-Hit "Mamma" in Dauerschleife. Schublade Deutschrock? "Nee, Hardrock zwischen Stones und Guns ’N’ Roses, das ist meine Welt. Die Musik ist wie immer – eben nur auf Deutsch", kontert der Musiker, der auch Hausverwalter ist.

In den Texten dreht es sich monothematisch um Liebe und Liebeleien, stark von seinem persönlich Erlebten beeinflusst. "Rockmusik will aus dem Bauch rauskommen. Ein echtes Feeling transportieren. Und das geht nur, wenn man selber weiß, wovon man redet." Und so kommen eben nicht der Times Square oder der Hyde Park in den Songs vor, sondern die Stühlinger Kultkneipen "Egon 54" und "Babeuf" sowie der Colombipark. Das Riffrock- und Rock-’n’-Roll-Konzept, deutsch eingehegt, auf Freiburg heruntergebrochen.

Rock ist alterslos

Drei Nummern auf dem Album stammen nicht aus Beams Feder. Die hat er neu betextet und umarrangiert, darunter "Paradise" von The Great Crusades, das in Beams Bearbeitung Reise-Reminiszenzen aus alten Kumpeltagen thematisiert. Starker Song. Phasenweise klingt das Album wie eine Zeitreise zurück in die 80er, als Westernhagen und Klaus Lage dudelten und man nach Jugoslawien in den Urlaub fuhr. "Back to the Anfangsbegeisterung", meint Beam nur, "vielleicht schließt sich da ein Kreis." Denn 1988 hat er mit dem Musikmachen begonnen. Und das soll auch so weitergehen. "Rock ist alterslos. Wenn die Amps glühen und man zusammen musiziert, entsteht eine Power, die kannst du nicht in Worte fassen."

Tim Beam: Nie wieder wir (Rent A Record Company). Konzert: Freitag, 16. Nov., Freiburg, Waldsee, 20.30 Uhr