Nachruf

Der frühere BZ-Redakteur Andreas Böhme ist gestorben

Thomas Hauser

Von Thomas Hauser

Fr, 11. Januar 2019 um 15:56 Uhr

Südwest

Fast die Hälfte seines Lebens hat er für die Badische Zeitung gearbeitet, 18 Jahre davon als landespolitischer Korrespondent. Böhme wurde nicht einmal 66 Jahre alt.

Es hätte ein schönes Wochenende werden sollen. Zwei Jahre nach seinem Abschied aus der Redaktion wollte Andreas Böhme mit seiner Frau endlich das Geschenk der Kollegen einlösen. Doch in der Nacht zum Freitag streikte sein Herz und beendete den Traum vom erfüllten Rentnerleben. Böhme wurde nicht einmal 66 Jahre alt.

Fast die Hälfte seines Lebens hat er für die Badische Zeitung gearbeitet, 18 Jahre davon als landespolitischer Korrespondent. Stuttgart war seine Stadt, dort ist der Wahlschwabe mit ostdeutschem Migrationshintergrund groß geworden. Dass er seinen Lebensmittelpunkt all die Jahre gar nicht dort, sondern in Donaueschingen hatte, war den Launen eines Journalistenlebens und der Liebe geschuldet.

Nach dem Studium der Germanistik in Göttingen und Freiburg lernte er sein Handwerk an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg, deren Gründer Wolf Schneider seinen Schülern "ein fröhliches Ja zum Leistungsdruck" abverlangte.

Für Böhme hieß das Konkurrenzkampf in der badischen Provinz. 1982 zunächst als Redakteur, von 1987 an als Redaktionsleiter in Donaueschingen. Es war ein Kampf, den er nicht gewinnen konnte. Geschätzt, gefürchtet und journalistisch überlegen kämpfte er aussichtslos gegen die Macht der Zahlen. 1995 war Schluss und auf Böhme wartete eine zweijährige Durststrecke, ehe er als Korrespondent in Stuttgart seinen Traumjob fand. Seine Familie blieb in Donaueschingen und er pendelte. Bestens informiert und entschieden meinungsstark, erwarb er rasch den Respekt von Abgeordneten, Landesregierungen und Kollegen.

Dabei unterstützte ihn wohl eine andere Lehre Schneiders: "Ihr sollt alles können, was man von Euch erwartet, und Euch über nichts wundern, worauf ihr stoßt." Gewundert hat er sich zwar schon über von ihm als krude empfundene Ideen in der Landespolitik oder aus der Zentralredaktion. Aber zur Not half der Rückzug in die Einsamkeit der finnischen Wälder. Und eine gesunde Mischung aus Selbstbewusstsein sowie gelassener, manchmal auch aufsässiger Beharrlichkeit. Gerade ihm hätte man ein längeres Leben prognostiziert. Welch ein Irrtum. Andreas Böhme hinterlässt eine Frau, drei Kinder und viele fassungslose Kolleginnen und Kollegen.