Sommer setzt dem Forst zu

Der Holzpreis geht in den Keller

Klaus Rütschlin

Von Klaus Rütschlin

Fr, 14. Dezember 2018 um 20:20 Uhr

Wirtschaft

Der trockene, heiße Sommer und die Borkenkäferplage sorgen für ein Überangebot von Holz auf dem Markt.

Den badischen Wäldern droht eine massive Borkenkäferplage. Der Wintersturm "Burglind" im Januar und der folgende trockene Sommer haben ideale Bedingungen für den Schädling geschaffen. Forstpräsident Meinrad Joos sagte am Freitag, dass die Situation eher noch dramatischer sei als nach dem Sturm Lothar, der im Schwarzwald im Jahr 1999 riesige Waldflächen umlegte.

Dramatisch ist vor allem die wirtschaftliche Situation der Fichtenholzproduzenten. Über die Hälfte des Holzes aus Baden-Württemberg ist derzeit "Sturm- oder Käferholz". Für das Sturmholz hat Burglind gesorgt, das Käferholz ist im Laufe des Jahres gefällt worden: Wenn festgestellt wird, dass ein Baum vom Borkenkäfer befallen ist, muss dieser gefällt und schnellstmöglich aus dem Wald entfernt werden. In Jahren wie diesen gewinnen die Käfer normalerweise das Rennen mit den Holzfällern.

Wenn das Phänomen massenhaft auftritt, hat das entsprechende Folgen für die Holzpreise. Die gehen in den Keller. Umso mehr, wenn – wie derzeit – auch andere Wälder in Europa unter den Käfern leiden. Joos sagte, dass vor allem billigstes Holz aus Osteuropa die Märkte überschwemme. Hierzulande lohne es sich für Waldbesitzer nicht mehr, Fichten zu fällen. Andererseits müssen die Bäume geschlagen werden, wenn sie befallen sind. Um die Situation ein wenig zu entspannen, hat das Land im Staatswald den Holzeinschlag gestoppt. Der Forstpräsident geht davon aus, dass die Borkenkäferplage auch die nächsten zwei, drei Jahre anhalten wird. Das zeigten die Erfahrungen der Vergangenheit. Der Klimawandel werde in Zukunft wohl häufiger solche Störungen zur Folge haben, glaubt der Forstpräsident.

Milchbauern verdienen besser

Bei der gleichen Veranstaltung sagte Werner Räpple, der Präsident des Badischen Bauernverbandes (BLHV), dass die Landwirtschaft in Südbaden auf ein "durchwachsenes Wirtschaftsjahr" zurückblicke. Und das, obwohl das Bauernwirtschaftsjahr von Anfang Juli bis Ende Juni dauert, die Folgen des trockenen Sommers also noch gar nicht berücksichtigt sind. Vor allem im Acker- und im Obstbau habe es starke Einbrüche gegeben, während die Milchviehbetriebe ihre Einkommen deutlich verbessern konnten: um 55 Prozent auf 82 213 Euro. Am besten verdienen in Baden-Württemberg die Ökobauern, durchschnittlich 85 587 Euro pro Unternehmen. Mit deutlichem Abstand belegen der Ackerbau und in diesem Jahr der Obstbau die unteren Plätze der Einkommensskala im Land.

Am unteren Ende liegt Baden-Württembergs Landwirtschaft auch im Vergleich zu anderen Regionen. Im Bundesdurchschnitt lag der Verdienst mit 65200 Euro je Betrieb 20 Prozent höher als im Vorjahr. Bundesbauernpräsident Joachim Rukwied befürchtet jedoch, dass sich wegen der immensen Dürreschäden diese Entwicklung wieder umkehren wird. In Baden-Württemberg haben die Agrarbetriebe 2017/2018 im Schnitt 54 620 Euro erwirtschaftet.