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09. Juni 2009 07:30 Uhr
Über Sieger und Verlierer
Der jüngste Altstadtrat aller Zeiten
Die Sache ist entschieden: Der neue Freiburger Gemeinderat steht. Neun amtierende Stadträte verpassten die Wiederwahl, andere zogen völlig überraschend ins Stadtparlament ein.
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Pia Federer gratuliert ihrem neuen Stadtratskollegen Timothy Simms. Foto: Thomas Kunz
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Neu-Stadträtin Anke Dallmann. Foto: Thomas Kunz
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Der künftige Altstadtrat Sebastian Müller. Foto: Thomas Kunz
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Die Zwei sind Kult: Atai Keller und sein neuer Mitstreiter im Gemeinderat, Michael Wiedemann. Foto: Thomas Kunz
Freie-Wähler-Kandidatin Anke Dallmann hat den ganzen Nachmittag die Auszählung live im Internet verfolgt. Dann hielt sie es irgendwann vor lauter Aufregung nicht mehr ausgehalten und sie ist hinaus zur Messe gefahren. Als sie dort ankam, hatte Oberbürgermeister Dieter Salomon gegen 16.45 Uhr gerade oben in Saal 11 die Namen der 48 zukünftigen Stadträtinnen und Stadträte bekannt gegeben. Praktisch auf der Treppe erfuhr die Diplom-Betriebswirtin Dallmann, dass sie gewählt worden ist. Ein Schrei: "Aaaah! Ich bin völlig – aaaah!"und dann stürzt sie sich mit Tränen in den Augen in die Arme einer Freundin.
Es war schon ein spannender Nachmittag. Erst gab es Zahlen, dann Emotionen. Neun amtierende Stadträtinnen und Stadträte, die wieder kandidierten, verpassten den Sprung ins neue Stadtparlament, darunter Axel de Frenne und Per Klabundt von den Grünen, Bernhard Sänger (CDU), Anna-Christin Ludwig (SPD), Paul Bert (Kult). Ohne Chance waren auch die Listenwechsler Heiner Schwär und Hans Lienhart (beide "Für Freiburg"), ebenso Florian Braune (Noch-Grünen-Stadtrat), der bei den Freien Wählern nur auf Platz elf ins Ziel kam. Und Sebastian Müller (Junges Freiburg) ist mit seinen 26 Jahren Freiburgs jüngster Altstadtrat aller Zeiten.
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Auch bei denen, die drin sind, gibt es einige Überraschungen: Karin Seebacher, Kinder- und Jugendzentrumsleiterin in Weingarten, springt bei der SPD von Platz 20 auf Platz 9 und damit in den Gemeinderat. Kinobetreiber Michael Wiedemann kommt bei der Kulturliste vom Mittelfeldplatz 15 auf Rang zwei gleich hinter Kult-Anführer Atai Keller und begleitet diesen ins Ratsgremium. "Ganz großes Kino", rief jemand bei der Pressekonferenz. Da ist was dran: Zumal mit Timothy Simms, Macher des Kommunalen Kinos, ein zweiter Filmtheater-Mann den zwölften und letzten Grünen-Sitz ergattert hat. Die Grünen wirken trotz Verlusten ganz zufrieden. Auch der Oberbürgermeister Dieter Salomon hatte nach dem Europawahlergebnis am Sonntagabend mit noch Schlimmerem gerechnet: "Wenn man die letzten fünf Jahren betrachtet und die schweren Entscheidungen, die die Grünen mitgetragen haben, dann ist das ein fantastisches Ergebnis aus grüner Sicht."
Michael Moos von der Linken Liste dagegen hatte 9,6 Prozent addiert – so viel Prozentpunkte hätten die Fraktionen zusammen verloren, welche die Politik des OB unterstützten, sagte Moos. Und fügt hinzu: "Die Atmosphäre im Gemeinderat wird eine andere werden". Praktisch überall wurden gestern in der Messe Zahlen betrachtet und gedeutet.
Wahlsieger Patrick Evers strahlte über das dicke Plus der FDP und freute sich über das beste liberale Ergebnis seit 25 Jahren. Und Wendelin Graf von Kageneck vom gebeutelten Wahlverlierer CDU hatte als eine Art Trost die Zahl 220 000 auf seinem Zettel stehen: So viele Stimmen hätten der CDU vor fünf Jahren die bekannten Zugpferde eingefahren, die in diesem Jahr nicht mehr angetreten waren.
Autor: Joachim Röderer


