Herrenrunde

Der Kanderner Rubbel-Club ist der "Lions Club für Arme"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 17. Januar 2019 um 11:07 Uhr

Kandern

Elf Männer sind allzeit bereit: Jeden Freitag trifft sich die Kanderner Rubbel-Vereinigung. Dabei geht es um Schorle, Lose und einen guten Zweck. Und darum, die "Rubbel-Sau" zu füllen.

Diese elf Männer sind stets zuverlässig, überpünktlich, allzeit bereit – jedenfalls freitags. Seit nunmehr 30 Jahren trifft sich der Kanderner Rubbel-Club (KRC) jeden Freitag um 19 Uhr am "Rubbel-Tisch" im Gasthaus Sonne. Was hat es damit auf sich?

Die Anfänge

Hervorgegangen ist der "Rubbelclub" aus einem losen Handwerkerstammtisch, der sich zum gepflegten Wochenausklang-Schorle traf. Längst haben sich auch Nicht-Handwerker dazugesellt. Vor dem wöchentlichen Treffen hat man in "Ullas Schreibwarenladen" einen Block Rubbellose erworben und hoffte auf den großen Gewinn. Tatsächlich gewannen die Rubbler im Jahr 1994 satte 25.000 Mark. Mit dem Geld reisten sie geschlossen zur Fußball-Weltmeisterschaft in die USA.

Anlass zur Gründung war die Eröffnung von "Freddys Pilsstüble", der Dependance der "Sonne", im Herbst 1989. Doch als Oskar Baumgartner seine Kneipe im Jahr 2011 aufgab, zog man um ins "Mutterhaus". 30 Jahre mit je 52 Wochen, das macht stolze 1560 Stammtische. Hochgerechnet in Schorle: "Da kommt schon etwas zusammen", schmunzelt "Schriftführer-Stöppi", alias Helmuth Seiter. Die Mengen lassen sich bei diesen Großabnehmern eher in Kubikmetern als in Litern ermitteln.

Strenge Regularien

Die Regularien sind streng: Wer zu spät kommt oder unentschuldigt fehlt, bezahlt eine Runde. Für jede Teilnahme werfen die Rubbler einen Obolus ins Sparschwein. "Mindestgebühr ist ein Euro", erklärt Helmuth Seiter, der die Rubbler-Vereinigung auch gerne als "Lions Club für Arme" beschreibt.

Wer in der zurückliegenden Woche Geburtstag gefeiert hat, spendiert seinen Kameraden am darauffolgenden Freitag eine warme Mahlzeit. Da lässt sich natürlich auch keiner der Stammtisch-Brüder lumpen: So werden zum Beispiel Kalbshaxe mit opulenten Beilagen oder Zunge mit "breite Nudle" auf den Tellern gern gesehen. Häufig setzt der noble Spender die Regularien bis etwa 22 Uhr außer Kraft – und übernimmt auch noch die Getränke.

Der jährliche Rubbel-Ausflug dient der intensiveren Kameradschaftspflege. Eine Mitgliedschaft im Rubbel-Club ist ein eheähnliches Verhältnis. "Abmelden geht nicht. Bei uns kann man nur auf biologischem Weg ausscheiden", erklärt der Schriftführer. Und so hat der Tod bereits mit Wolfgang Walliser und Horst Weber zwei treue Mitglieder vom Rubbel-Club geschieden.

Ein guter Zweck

Irgendwann waren die Rubbler des Rubbelns müde. Seitdem spielen sie Lotto und hoffen, eines schönen Tages den Jackpot zu knacken. Bis dahin füttern sie ihr Sparschwein selbst. Wenn die "Rubbel-Sau" am Jahresende geschlachtet wird, ist der Inhalt auf einen vierstelligen Betrag angewachsen, der einem guten Zweck zugutekommt.

So spendierte der KRC die Beleuchtung der Kanderner Stadtkirche, stiftete das eine oder andere Bänkli in der Innenstadt oder spendete für die Nachwuchsarbeit von Kanderner Vereinen. In diesem Jahr freuen sich die Ringer und die Fußballer über je 750 Euro.