Ottwangen

Der kleine Hofladen in Adelhausen muss schließen

Horatio Gollin

Von Horatio Gollin

Sa, 15. Dezember 2018 um 15:45 Uhr

Rheinfelden

Um einen Hofladen zu betreiben, braucht es einen langen Atem. Der Kleine Laden im Rheinfelder Ortsteil Adelhausen schließt nach zwei Jahren wieder. Der Betrieb hat sich einfach nicht rentiert.

Ein schwieriges Thema bleibt die Nahversorgung in kleineren Orten, wo oftmals nur noch Hofläden und Selbstbedienungsstände auf kurzem Weg zu erreichen sind. Allerdings sind nicht alle Versuche, einen Hofladen zu führen, von Erfolg gekrönt. Der "Kleine Laden" in Ottwangen bei Adelhausen schließt nach zwei Jahren wieder. Am 11. Dezember verkündete Betreiberin Jenny Kellermann über Facebook, dass der Kleine Laden am 21. Dezember zum letzten Mal öffnen wird.

Auf Nachfrage der BZ führte sie aus, dass es sich leider nicht rentiere, den Laden weiterzuführen. An Spitzentagen hatte sie anfangs 20 Kunden, zum Schluss hin nur noch drei. In Folge reduzierte sie von schon vier auf zwei Öffnungstage. Nun ist Schluss.

Die Kunden kamen aus Lörrach und Schopfheim, aus Eichsel und Adelhausen kamen sie nicht

Mit einem breiten Angebot von saisonalem Gemüse aus der elterlichen Gärtnerei über selbst Eingemachtes in Gläsern und frisches Brot bis zu Blumengestecken betrieb Kellermann den Laden mit viel Mühe, wie auch die Fotos und Filme in ihrem Facebook-Auftritt verdeutlichen. Der Kleine Laden ist schön und liebevoll präsentiert. An Hingabe hat es Kellermann nicht gemangelt. 410 Personen gefällt das im sozialen Netzwerk und die Kommentare sind voll des Lobes für den Kleinen Laden. Kellermann teilt mit, dass sie nur noch bis zum 19. Dezember Brotbestellungen entgegen nimmt und Pfandgläser weiterhin auf dem Rheinfelder Wochenmarkt am Marktstand der Familie Erdmann abgegeben werden können.

Mit Flyern und online hat sie geworben, Schilder an der Straße aufgestellt, aber gerade aus den benachbarten Dörfern blieben die Kunden fern. "Viele interessierte Kunden sind von Schopfheim, Lörrach, Hagen und vom Salzert gekommen, aber aus Adelhausen und Eichsel sind sie weg geblieben. Das verstehe ich nicht", meint Kellermann im BZ-Gespräch. Auf Facebook verabschiedet sie sich von ihren treuen Kunden: "Ihr wart so tolle Kunden, und ich werde euch vermissen, aber gerne denke ich auch an die Zeit zurück."

"Es ist schade, wenn eine Einkaufsmöglichkeit verloren geht im Ort", meint die Adelhausener Ortsvorsteherin Silvia Rütschle. "Die Angebote ergänzen sich oftmals." Rütschle betreibt einen Selbstbedienerstand vor dem Haus, wo Eier von eigenen Hühnern und Brot angeboten werden, im Herbst auch Kürbisse aus eigenem Anbau. "Wie die Kunden kommen ist ganz unterschiedlich. Das ist auch wetterabhängig, wenn es schön ist, läuft es besser", meint Rütschle.

"Es braucht die Stammkunden für die Verlässlichkeit."

Anette Matt
Der Standort sei wichtig und eine Stammkundschaft baut sich nur langsam auf, weiß sie aus eigener Erfahrung. "Wir haben viele verschiedene Sorten Speisekürbisse und da erlebe ich Kunden, die kommen aus der Schweiz und fahren einmal im Herbst hier vorbei, um die Vielfalt zu sehen." Der Selbstbedienerstand ist für Rütschle eine optimale Ergänzung zum Betrieb, vor allem da er kein Personal bindet.

Gabriele Zissel von der Wirtschaftsförderung schätzt die Lage für die kleinen Hofläden als grundsätzlich schwierig ein. Über die Website "Gutes vom Dinkelberg" werden viele Direktvermarkter beworben; und es zeigt sich durchaus ein breites Angebot in der nahen Umgebung.

Seit 17 Jahren betreibt Anette Matt schon Anett’s Buurelade in Minseln. Die Matts betreiben Landwirtschaft im Nebenerwerb und produzieren selbst Backwaren, Wurstwaren und Schnäpse, andere Waren beziehen sie regional wie etwa Gemüse vom Sankt Josefshaus, aber auch Orangen aus Italien.

Matt erklärt, dass es ein hoher Arbeitsaufwand ist, den ganzen Vorschriften beim Betrieb eines Hofladens gerecht zu werden. Auch Ausgaben und Warenbestand müssen genau geplant werden. "Es braucht die Stammkunden für die Verlässlichkeit. Es ist schwierig, Verderbliches zu kalkulieren", meint sie. Ihr größter Kundenanteil sind Stammkunden, auf spontane Käufer zu hoffen, ginge nicht, da der Buurelade etwas abseits liegt. "Manchmal kommen Kunden, die unser Hinweisschild beachten, dadurch gewinnen wir auch neue Stammkunden, aber die ersten Jahre hatten wir schwer zu kämpfen", sagt Matt.