Biathletin Annika Knoll

Der lange und schwierige Weg zurück

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Do, 08. November 2018 um 17:20 Uhr

Biathlon

Biathletin Annika Knoll vom SV Friedenweiler-Rudenberg kämpft nach Magen-Darm-Problemen um den Anschluss im Leistungssport

Manchmal ist Sport die schönste Sache der Welt, manchmal eine Qual. Manchmal sind Sportler betrunken vor Glück, manchmal am Boden zerstört. Das Spannungsfeld ist weit. Extrem weit. Annika Knoll (SV Friedenweiler-Rudenberg) hat die Extreme, obwohl sie erst 25 ist, schon mehrfach erlebt. Als Juniorin wurde sie mit der Staffel Weltmeisterin (2014), bei den Frauen sicherte sie sich im Sprint die Bronzemedaille bei der Europameisterschaft 2016. Doch es scheint, als bliebe ihr nichts erspart. 2013 erkrankte sie am Pfeifferschen Drüsenfieber und musste wochenlang pausieren. Zwei Jahre am Biathlon-Bundesstützpunkt in Ruhpolding brachten sie anschließend in ihrer Entwicklung nicht weiter, im Gegenteil, sie blieb bei den Wettkämpfen weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Sie kehrte zurück in den Schwarzwald, ihre Heimat. Hier fühlt sie sich wohl, hier gibt ihr die Familie Halt.

In diesem Sommer bekam Annika Knoll Magen-Darm-Probleme: "An manchen Tagen war’s gut, an anderen lag ich mit Bauchschmerzen im Bett oder war müde und schlapp", erzählt sie. Training war nur sehr eingeschränkt möglich. Auf der Suche nach der Ursache saß sie bei vielen Ärzten im Wartezimmer, "aber niemand hat etwas herausgefunden". Ihre Biathlon-Kaderkollegin Franziska Preuß (SC Haag) empfahl ihr daraufhin einen Arzt in Regensburg, der eine Naturheilpraxis betreibt. Er hat eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit festgestellt und Annika Knoll empfohlen, ihre Ernährung umzustellen. "Da muss ich jetzt erst einmal durch", sagte sie. Mit dem Thema hat sich sich seither intensiv beschäftigt. Wenn im Gasthaus Steppacher, das ihre Eltern in Friedenweiler betreiben, herzhafte, deftige Speisen auf den Tisch kommen, muss sich Annika Knoll ihren eigenen Teller mit den empfohlenen Lebensmitteln herrichten. "Sie tut mir schon leid, wenn ich sehe, was sie nur essen darf. Aber sie versucht, das Beste draus zu machen", sagt Mutter Angela Knoll, "wir bewundern, wie tapfer und willensstark das Mädel ist". Die ersten Erfolge auf dem Weg zurück in einen geregelten Leistungssport-Alltag haben sich eingestellt. "Ich merke eine deutliche Besserung im Bauch, seit Anfang Oktober kann ich wieder mit der Gruppe trainieren", sagt sie, stabil sei ihr Zustand aber noch nicht. Behutsam steigert sie Umfang und Intensität.

"Kann mein Leben als

Sportlerin nicht mal wieder ganz normal funktionieren?"

Biathletin Annika Knoll
Die zweigeteilte deutsche Meisterschaft im September, die für die Einteilung in Weltcup- und IBU-Team maßgebend ist, musste sie aufgrund der Erkrankung sausen lassen. "Wenn gesundheitlich alles wieder normal wird, beginnt meine Saison Mitte Dezember in Martell", sagt Annika Knoll. Sie muss beim dortigen Deutschlandpokal und Alpencup international wieder ganz unten anfangen und versuchen, sich mit guten Leistungen für den international zweitklassigen IBU-Cup anzubieten.

"Sie gibt nicht auf. Wir stehen das gemeinsam durch", sagt Mutter Angela. Die Eltern leiden mit, wenn es einem Kind nicht gut geht. Es gibt Momente, da stellt sich Annika Knoll selbst eine Menge Fragen: Was kommt noch? Wann kann ich mal wieder so trainieren, wie ich mir das vorstelle? Kann mein Leben als Leistungssportlerin nicht mal wieder ganz normal funktionieren?

Sie überlegt eine Weile – und sagt: "Vielleicht komme ich ja stärker als zuvor zurück?"